- 20.11.2017, 14:11:23
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Kommt der Taylorismus im neuen Gewand? Und wer braucht noch Stellenbeschreibungen?
Hernstein Management Report Nr. 5/2017
Utl.: Hernstein Management Report Nr. 5/2017 =
Wien (OTS) - Die heuer 5. Ausgabe des Hernstein Management Reports
2017 erhob unter Führungskräften in Österreich und Deutschland, ob
sie eine Entwicklung hin zum Taylorismus 2.0 in ihrem Unternehmen
beobachten. Die Ergebnisse sind ambivalent. Vor allem große und
innovationsfreudige Unternehmen sowie spezielle Branchen nützen viele
der neuen elektronischen Hilfsmittel. Bei neuen Technologien wie
Gesundheits-Apps oder Messaging-Plattformen ist zwar Überwachung und
Kontrolle kein deklariertes Ziel, aber immerhin möglich. Der zweite
Schwerpunkt des Reports liegt auf den Stellenbeschreibungen: Immerhin
21% der befragten Führungskräfte haben keine genaue
Stellenbeschreibung. Bei weiteren 14% ist sie nur sehr rudimentär
vorhanden. Dennoch: Knapp zwei Drittel der Befragten halten eine
dezidierte, schriftlich definierte Stellenbeschreibung für wichtig.
„Die Entwicklung in Richtung ‚gläserner Mensch‘ ist ein bedenklicher
Trend, der sich in allen Bereichen abzeichnet. Für Führungskräfte
stellt sich dennoch die Frage, ob und wie weit die Kontrolle gehen
soll bzw. darf. Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
bestärkt sie in ihrem Tun. Das Delegieren von Verantwortung führt zu
mündigen und verantwortungsbewussten Mitarbeitenden. Ganz im
Gegensatz zu dem Sprichwort ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist
besser‘!“, erläutert Mag. (FH) Michaela Kreitmayer, Leiterin
Hernstein Institut. Zum Thema der Stellenbeschreibungen ergänzt sie:
„Stellenbeschreibungen haben durchaus ihre Berechtigung und ihren
Mehrwert. Klar definierte Zuständigkeitsbereiche schaffen Transparenz
und stärken das Verantwortungsbewusstsein. Folglich wird die
Produktivität gestärkt und der Kontrollbedarf reduziert.“
Durch die Digitalisierung der Arbeit und den aktuellen
technologischen Entwicklungen entstehen neue Möglichkeiten der
Kontrolle. Smartphones und Tablets mit GEO-Lokalisierung,
Gamification, Gesundheits-Apps oder Wearables bieten vielfältige
Gelegenheiten, Daten zu sammeln. Macht Gelegenheit Diebe?
Führungskräfte, die vor einem Bildschirm sitzen und in Echtzeit
biometrische Daten über Pulsschlag und Schlafqualität ihrer
Mitarbeitenden beobachten – ist das ein Szenario der Zukunft? In
offenen Kommentaren äußern sich die Befragten ambivalent zum Thema:
„Bei uns herrscht noch Vertrauen in die Mitarbeitenden“, „Das wäre ja
der absolute Überwachungsstaat“, aber auch: „Alles was der
Gesetzgeber zulässt, wird genutzt!!!“, „Offiziell gibt es keiner zu,
aber es erfolgt umfangreiche Überwachung“.
Taylorismus 2.0: Vertrauen ist gut. Ist Kontrolle besser?
Welche Unternehmen sind offen für die neuen Technologien?
Grundsätzlich gilt: Je größer und innovationsfreudiger das
Unternehmen, umso wahrscheinlicher setzen sie die neuen Hilfsmittel
ein. Vor allem in Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche,
aber auch des Finanz-, Banken- und Versicherungswesens ist ihr
Einsatz doppelt so hoch als in anderen Branchen. 40% der befragten
Führungskräfte sagen, dass es in ihrem Unternehmen umfangreiche
Arbeitszeitkontrollen gibt. Als zweithäufigstes Instrument werden
interne Instant Messaging Plattformen genannt (18%), ex aequo mit
Smartphones und Tablets mit eingestellter Geo-Lokalisierung. 8% der
Befragten geben an, dass interne Social-Media-Kanäle umfangreich
genützt werden: Likes bzw. Dislikes von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern zu bestimmten Themen sind für alle sichtbar. Ebenfalls
8% nützen interne Plattformen, die auf Prinzipien der Gamification
aufbauen. 11% der Unternehmen haben offizielles GPS Tracking der
Firmenfahrzeuge bzw. des Fuhrparks in umfangreichem Ausmaß.
Wer sich kontrollieren lässt, wird belohnt: 9% der Führungskräfte
geben an, dass in ihrem Unternehmen Mitarbeitende Wearables (Fitbits,
Fitness-Tracker etc.) erhalten. Daten wie Herzfrequenz,
Bewegungsverhalten etc. werden aufgezeichnet. Gegebenenfalls wird
positives Bewegungsverhalten belohnt.
Brauchen Führungskräfte eine Stellenbeschreibung?
Manche haben sie, manche nicht. Dennoch: Stellenbeschreibungen für
Führungskräfte machen aus vielen Gründen Sinn. Sie geben Auskunft
über Aufgaben und Verantwortung im Unternehmen. Eine Job Description
regelt die Handlungs- und Entscheidungsspielräume und die Vertretung
bei Abwesenheit. Das hilft, Kompetenzkonflikte zu vermeiden und sorgt
bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Sicherheit. Immerhin knapp
zwei Drittel der befragten Führungskräfte halten eine dezidierte,
schriftlich definierte Stellenbeschreibung für wichtig. 24% sind
ambivalent und 9% der Befragten halten eine genaue
Stellenbeschreibung für eine Führungsposition für (eher unwichtig.
„Das weiß man halt“ meinen knapp 40% der Befragten, die eine
Stellenbeschreibung für unwichtig halten. Immerhin 35% sagen, dass
eine Stellenbeschreibung nur in wenigen Einzelpunkten oder gar nicht
vorliegt. Damit bleibt ein einfaches und wirksames Instrument der
Personalführung und Organisation ungenutzt. Erfreulich: die Mehrheit
von 59% meint, dass ihre Stellenbeschreibung in unregelmäßigen
Abständen aktualisiert wird, in 22% der Unternehmen sogar jährlich.
Nur bei 20% wird sie laut Angabe der Befragten nie aktualisiert.
Über die Studie
Der Hernstein Management Report erhebt seit 19 Jahren ein jährliches
Stimmungsbild unter Führungskräften und Unternehmerinnen und
Unternehmern in Österreich und Deutschland. Aktuelle Führungsthemen
und Trends in der Führungskräfteentwicklung stehen im Fokus.
Die wichtigsten Eckdaten der Umfrage
Befragungszeitraum: März 2017, befragte Personen: 1.585
Führungskräfte sowie Unternehmerinnen und Unternehmer, davon 685 in
Österreich und 900 in Deutschland, Befragungsart: Online-Befragung,
durchgeführt von vieconsult GmbH.
Den vollständigen Report sowie ausgewählte Infografiken finden Sie
unter https://www.hernstein.at/newsroom/management-insights/
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