Neues Volksblatt: "Erkenntnis" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 9. Oktober 2017

Linz (OTS) - Ein Nebensatz von SPÖ-Kanzler Christian Kern in der gestrigen ORF-Pressestunde lässt aufhorchen: Man habe Tal Silberstein engagiert, weil er bei Wahlkämpfen in Österreich in der Vergangenheit gute Reputation erworben habe, sagte Kern unter Verweis auf den Wien-Wahlkampf für die Neos im Jahr 2015 und den Nationalratswahlkampf 2006 für Alfred Gusenbauer. Letzteres macht stutzig — denn in diesem Wahlkampf wurde Wolfgang Schüssel die konstruierte Geschichte mit der ausländischen Pflegekraft zum Verhängnis.
Wenn Kern nun sagt, es sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, Silberstein zu engagieren, kann man ihm zwar nur Recht geben, aber eigentlich hätte man vor dem Mann gewarnt sein können. Andere jedenfalls wussten, was der Mann, der laut Kern „wesentlicher Teil des Kampagnenteams“ war, im Köcher hatte. Warum sonst sollte die ÖVP seit Jahresbeginn immer vor Dirty Campaigning warnen?
Im Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986 hat sich der damalige SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz über den ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheim solcherart lustig gemacht: Er nehme zur Kenntnis, „dass Waldheim nicht bei der SA war — nur sein Pferd“. Mehr als 30 Jahre später nehmen wir zur Kenntnis, dass Tal Silberstein zwar enger Berater des Kanzlers war, das wirkliche Dirty Campaigning aus Sicht der SPÖ aber darin besteht, dass dessen Methoden ans Licht der Öffentlichkeit gekommen sind.

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