- 08.10.2017, 21:12:10
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Neues Volksblatt: "Erkenntnis" (von Markus Ebert)
Ausgabe vom 9. Oktober 2017
Utl.: Ausgabe vom 9. Oktober 2017 =
Linz (OTS) - Ein Nebensatz von SPÖ-Kanzler Christian Kern in der
gestrigen ORF-Pressestunde lässt aufhorchen: Man habe Tal Silberstein
engagiert, weil er bei Wahlkämpfen in Österreich in der Vergangenheit
gute Reputation erworben habe, sagte Kern unter Verweis auf den
Wien-Wahlkampf für die Neos im Jahr 2015 und den
Nationalratswahlkampf 2006 für Alfred Gusenbauer. Letzteres macht
stutzig — denn in diesem Wahlkampf wurde Wolfgang Schüssel die
konstruierte Geschichte mit der ausländischen Pflegekraft zum
Verhängnis.
Wenn Kern nun sagt, es sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, Silberstein
zu engagieren, kann man ihm zwar nur Recht geben, aber eigentlich
hätte man vor dem Mann gewarnt sein können. Andere jedenfalls
wussten, was der Mann, der laut Kern „wesentlicher Teil des
Kampagnenteams“ war, im Köcher hatte. Warum sonst sollte die ÖVP seit
Jahresbeginn immer vor Dirty Campaigning warnen?
Im Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986 hat sich der damalige
SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz über den ÖVP-Kandidaten Kurt Waldheim
solcherart lustig gemacht: Er nehme zur Kenntnis, „dass Waldheim
nicht bei der SA war — nur sein Pferd“. Mehr als 30 Jahre später
nehmen wir zur Kenntnis, dass Tal Silberstein zwar enger Berater des
Kanzlers war, das wirkliche Dirty Campaigning aus Sicht der SPÖ aber
darin besteht, dass dessen Methoden ans Licht der Öffentlichkeit
gekommen sind.
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