• 05.10.2017, 11:03:56
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Walser: Skandalöse Richtlinienänderung für Schulbibliotheken mit Stimmen von SPÖ, ÖVP, FPÖ

Grüne fordern umgehende Rücknahme der widersinnigen Maßnahme, die Ankauf von Lesestoff einschränkt

Wien (OTS) - 

„Es ist mir völlig unverständlich, wie es möglich ist, dass einerseits rundherum die mangelnde Lesekompetenz österreichischer SchülerInnen beklagt wird und andererseits Schulbibliotheken per Handstreich der Ankauf von allgemeiner Literatur verwehrt wird“, ärgert sich der Grüne Bildungssprecher Harald Walser über die gestrige Ablehnung seines Antrags im Nationalrat zur Finanzierung von Schulbibliotheken.

Walser bezieht sich auf eine Richtlinienänderung des Bundesministeriums für Familien und Jugend für das Schuljahr 2017/18, die den Erwerb der im Rahmen der Schulbuchaktion finanzierten „Unterrichtsmittel eigener Wahl“ stark einschränkt. Aus diesem Budget konnte bislang auch allgemeine Literatur für die Schulbibliotheken angeschafft werden. Die neue Richtlinie legt fest, dass nur mehr Lesestoff erworben werden darf, der einen direkten Bezug zum Lehrplan aufweist. Damit entfällt der Ankauf jeglicher Literatur, die nicht im Unterricht verwendet wird wie beispielsweise ein Großteil der Kinder- und Jugendliteratur. 

„Nachdem Schulbibliotheken über kein fixes Budget aus anderen Quellen verfügen, ist die Möglichkeit, die freien Mittel aus der Schulbuchaktion zu nutzen, für die Aktualisierung und Erweiterung des Bestands von Schulbibliotheken unerlässlich“, moniert Walser. „Angesichts der dramatischen Ergebnisse im Bereich der Lesekompetenz ist es skandalös, dass ausgerechnet bei Schulbibliotheken der budgetäre Rotstift angesetzt werden soll. Dabei ist für viele Kinder und Jugendliche die Schulbibliothek eine einfache Möglichkeit, an Lesestoff heranzukommen und so ans Lesen herangeführt zu werden."

Zudem argumentiert Walser, dass Jugendliche in Gymnasien angehalten sind zu lernen, wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen und die Vorwissenschaftliche Arbeit als Teil der Zentralmatura abzuliefern ist. „Es ist daher geradezu absurd, wenn die notwendige Sekundärliteratur nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Eine gut ausgestattete Schulbibliothek ist besonders an jenen Orten notwendig, wo der Zugang zu größeren Stadt- und Universitätsbibliotheken nicht gegeben ist“, betont Walser. Damit würde Österreich einen völlig entgegengesetzten Weg von anderen Ländern gehen, die Schulbibliotheken oft als zentrale Informations- und Arbeitsräume ausgebaut haben.

Besonders enttäuscht zeigt sich Walser über die SPÖ: „Es hat einmal Zeiten gegeben, wo der Aufbau von Volksbibliotheken zur Bildung von Arbeitern und Arbeiterinnen eine zentrale Bildungsmaßnahme der Sozialdemokratie war. Die Ablehnung unseres gestrigen Antrags zeigt einmal mehr, wie weit sich die SPÖ von ihren ursprünglichen Werten entfernt hat. Ich fordere alle Parteien auf, noch einmal in sich zu gehen und unserem Antrag auf Rücknahme dieser widersinnigen Richtlinienänderung zuzustimmen. Wir Grüne werden diesbezüglich dranbleiben“, schließt Walser.

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