- 03.10.2017, 22:00:01
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Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 4. Oktober 2017; Leitartikel von Floo Weißmann: "Im Land der Waffen"
Innsbruck (OTS) - Die amerikanische Politik wird auch den Schock von
Las Vegas aussitzen und dann weitermachen wie bisher. Die Zeichen
stehen sogar auf einer weiteren Lockerung der Waffengesetze.
Nein, es wird sich auch diesmal nichts ändern – eher im Gegenteil:
Wahrscheinlich wird alles noch schlimmer. Gemeint ist die
Sonderstellung der Vereinigten Staaten, wenn es um Schusswaffen in
privaten Händen geht. Nirgendwo sind die Bürger besser bewaffnet. Und
nirgendwo in den entwickelten Ländern gibt es mehr Tote durch
Schusswaffen – fast 34.000 waren es im Jahr 2013. Massaker wie jenes
am Sonntag in Las Vegas bilden nur die Spitze des Eisbergs, die auch
international Aufsehen erregt.
Die Korrelation zwischen der Verbreitung von Schusswaffen und
ihrer tödlichen Verwendung ist offensichtlich. Beispiele aus den USA
– auf regionaler Ebene – sowie aus anderen Ländern belegen, dass die
Verschärfung der Waffengesetze und Rückkaufaktionen durch den Staat
die Todesrate durch Schusswaffen senken können. Dennoch wird das
politische Amerika auch den Schock von Las Vegas aussitzen und dann
weitermachen, als wäre nichts gewesen.
Zwar gibt es auch diesmal Politiker, Prominente und Aktivisten,
die strengere Waffengesetze fordern. Manche Vorschläge, etwa ein
Verbot von Sturmgewehren, genießen sogar breite Unterstützung in der
Bevölkerung. Doch an der Umsetzung ist schon Präsident Barack Obama
trotz leidenschaftlicher Kampagne gescheitert. Zu groß ist der
Einfluss der Waffenlobby auf die öffentliche Debatte und den
Kongress; sie hält vor allem die Republikanische Partei seit Jahren
in politischer Geiselhaft.
Dahinter steckt eine Minderheit, die ihre Waffen als Fetisch für
Freiheit und Selbstbestimmung hochhält und Washington stets
verdächtigt, ihr beides nehmen zu wollen. Darüber hinaus sind Waffen
seit den Anfängen der Republik tief in der Tradition und Kultur
verwurzelt. Die meisten Amerikaner verstehen den Zweiten
Verfassungszusatz als individuelles Recht auf Bewaffnung – obwohl man
darüber streiten könnte. Doch schon der Versuch, am Dogma zu rütteln,
wäre auch für die meisten Demokraten politischer Selbstmord.
Aus der Sicht der Waffenlobby bedeutet das Massaker von Las Vegas
nur eine vorübergehende atmosphärische Störung. Pläne für die
weitere Lockerung der Waffengesetze liegen bereits in der Schublade.
Dass die Republikaner derzeit alle politischen Institutionen in
Washington kontrollieren, verschafft ihnen eine historische
Gelegenheit. In der Zwischenzeit klingeln bereits die Kassen der
Waffenhändler – wie meistens nach einem Massaker, wenn Amerikas
Waffenfreunde öffentlichen Gegenwind spüren und sich um ihre Freiheit
sorgen.
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