Hartz IV lässt soziale Unsicherheit steigen. Deutschland hier kein Vorbild.

Armutskonferenz vervollständigt Deutschland-Vergleiche mit Daten zu Menschen, deren Lebensrealitäten gerne übersehen und missachtet werden (2 Grafiken anbei).

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Wien (OTS) - In Deutschland hat sich die Zahl der Menschen, die arbeiten und trotzdem arm sind, seit 2005 verdoppelt. Der Anteil an absturzgefährdeten Arbeitslosen ist einer der höchsten in Europa. Die Armutskonferenz vervollständigt die Deutschland-Vergleiche der letzten Wochen mit Daten zu Menschen, deren Lebensrealitäten gerne übersehen und missachtet werden.

Grafik 1 „Arm trotz Arbeit“: http://www.armutskonferenz.at/files/working_poor2_1.png

Grafik 2: „Absturzgefährdete Arbeitslose“: http://www.armutskonferenz.at/files/armutsgef_al.png

Die Studie des Finanzministeriums, in der die die Einführung von Hartz IV in Österreich angedacht wird, zeigt, dass sich die Zahl der Personen in sozialer Not massiv erhöhen würde: 160.000 Menschen In Deutschland hat sich die Zahl der Menschen, die arbeiten und trotzdem arm sind, seit 2005 verdoppelt. Der Anteil an absturzgefährdeten Arbeitslosen ist einer der höchsten in Europa. Die Armutskonferenz vervollständigt die Deutschland-Vergleiche der würden in die Einkommensarmut getrieben. Die Armutskonferenz weist auf die Gefahr für Österreich hin, dass nach den Mindestsicherungskürzungen auch in der Arbeitslosenversicherung massive Einschnitte vorgenommen werden.

Alle diese Vorschläge führen dazu, dass soziale Unsicherheit bis weit in die unteren Mittelschichten hoch getrieben wird  – und sich Gegenwart und Zukunft für Hunderttausende verbaut. Reformen wären sinnvoll, wenn sie versuchen würden, die Existenz und Chancen zu sichern, aber nicht Leute weiter in den Abgrund zu treiben.“, so die Armutskonferenz, deren Mitglieder 500.000 Menschen im Jahr unterstützen und begleiten.

Abwärtsspirale für (untere) Mittelschicht

Die weitere Durchlöcherung des unteren sozialen Netzes führt zu einer Abwärtsspirale, die schwierige soziale Situationen verschärft und verlängert. Besonders für die untere Mittelschicht. Die Abschaffung der Notstandshilfe würde auch einen Anstieg der Altersarmut - keine Pensionsversicherung mehr - mit sich bringen. Deutschland hatte in den letzten zehn Jahren den raschest wachsenden Niedriglohnsektor Europas. Der dadurch geschaffene Niedriglohnsektor übte starken Druck auf die gesamte Lohnentwicklung aus. Die Konsequenz: Die Löhne stiegen nicht angemessen und bleiben weit unter der Produktivität wie Inflation. Das hat dazu geführt, dass sich immer weniger Menschen das Leben leisten können. Die Mehrzahl der Leute im Niedriglohnsektor in Deutschland verfügt übrigens entgegen aller Vorurteile über eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Prekäre Beschäftigung ist kein Sprungbrett in den sog. ersten Arbeitsmarkt. Nur 12% steigen in bessere Arbeitsverhältnisse um. Man fällt schnell hinein und kommt umso schwerer wieder heraus. Es entstehen vielmehr Drehtüreffekte vom schlechten Job zum schlechteren Job.

Hartz IV zertrümmert Eigenverantwortung & Initiative

Der renommierte Sozialforscher Klaus Dörre weist auf ein zentrales Problem in: "Wer rund um Hartz IV verdient, ist gesellschaftlich nicht mehr respektiert". Hartz IV ist die Verschiebung der Schwelle der Respektabilität nach unten. Die Betroffenen werden gesellschaftlich missachtet. Die Prekaritäts-Logik "verlangt, jene qualitativen Ansprüche an Arbeit und Leben aufzugeben, die besonderes Engagement motivieren. Das Leitbild von Hartz IV klagt etwas ein, was in der Praxis zertrümmert wird: Eigenverantwortung und Initiative", so Dörre.

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Die Armutskonferenz.
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