- 19.09.2017, 22:00:16
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 20. September 2017. Von Floo Weißmann. "Jeder für sich und jeder zuerst".
Innsbruck (OTS) - Der erste Auftritt des neuen US-Präsidenten vor der
UNO hat den Knaller geliefert, den viele erwartet hatten.
Problematisch sind dabei nicht allein seine Drohungen, sondern auch
die gesamte Philosophie, die dahintersteht.
Von Donald Trumps erster Rede vor den Vereinten Nationen wird wohl
vor allem seine Drohung in Erinnerung bleiben, Nordkorea zu
vernichten. Zwar hatte er Pjöngjang schon zuvor eine nukleare
Apokalypse in Aussicht gestellt. Aber vom Rednerpult der
Weltorganisation aus wiegt die düstere Vision noch schwerer. Noch
dazu, wo es zur Gründungsidee der UNO gehört, Konflikte gemeinsam
einzudämmen. Da mag auch mancher altgediente Diplomat zusammengezuckt
sein.
So dramatisch die Wortwahl, so altbekannt der Inhalt. Der
US-Präsident wiederholte über weite Strecken seine außenpolitischen
Positionen. Beispielsweise verteufelte er erneut den Iran als Wurzel
des Bösen im Nahen Osten und übersah geflissentlich die Rolle seiner
politischen Geschäftspartner in Saudi-Arabien. Er wiederholte auch
ganz unverblümt, dass die USA einen „unfairen“ Anteil an der
Finanzierung der Vereinten Nationen leisten.
Weniger schlagzeilenträchtig, aber nicht minder aufschlussreich
erscheint die weltpolitische Philosophie, die Trump wie einen Bogen
über seine Rede spannte. Mehrfach betonte er die Rolle von starken,
souveränen Nationen. Den anwesenden Staatenlenkern empfahl er sein
Leitmotiv „America first“ zur eigenen Verwendung. Motto: Jeder für
sich und jeder zuerst.
Es versteht sich eigentlich von selbst, dass Regierungen vor allem
ihren eigenen Bürgern und nationalen Interessen verpflichtet sind.
Die Vereinten Nationen hingegen bilden das Forum, in dem es um
Gemeinsamkeit und Kooperation geht – gerade in Zeiten globaler
Herausforderungen. Noch vor einem Jahr hatte der scheidende
US-Präsident Barack Obama die Zukunft der Menschheit in den
Mittelpunkt seiner Vermächtnisrede gestellt. Dass Trump nun an
derselben Stelle die Wiedergeburt des Nationalstaats beschwört,
besiegelt die Kehrtwende in der US-Außenpolitik.
Mit seiner Rede bedient Trump nach innen seine Kernwähler, denen der
Rest der Welt verdächtig erscheint, und nach außen rechtfertigt er
seine aggressive Politik. Er nimmt in Kauf, dass die Konflikte in der
Welt zunehmen, wenn seine starken Nationen auf dem Zuerst-Gleis
aufeinanderprallen. Ihm geht es vor allem um die Warnung, dass die
Supermacht dabei nicht unter die Räder kommen wird – sei es um den
Preis der Vernichtung eines anderen Landes.
Zwar klaffte bei den Vereinten Nationen schon immer eine tiefe Kluft
zwischen Idealen und Wirklichkeit. Doch mit dem neuen US-Präsidenten
ist die Welt noch ein Stück gefährlicher geworden.
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