Der Arbeitsklima Index zeigt: Knapp die Hälfte der Beschäftigten kommt mit dem Einkommen kaum über die Runden

Linz (OTS) - Aktuell kommen mehr Beschäftigte mit ihrem Einkommen aus als noch vor zwei Jahren. Und auch die Zufriedenheit der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ihren Löhnen und Gehältern ist zuletzt gestiegen. Dennoch sagt noch immer knapp die Hälfte, dass das Einkommen kaum oder gar nicht reicht, um über die Runden zu kommen. Das zeigt die neueste Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. Diese beschäftigt sich auch mit der Situation von HTL- und HAK-Absolventen/-innen sowie Beschäftigten mit Lehrabschluss.

In den Jahren 2016 und 2017 ist die Zahl der Beschäftigten, die kaum oder gar nicht mit dem Einkommen auskommen, spürbar gesunken. 2015 waren es noch 55 Prozent, in den beiden Folgejahren hingegen „nur“ mehr 48 bzw. 47 Prozent. Das heißt aber immer noch: Knapp die Hälfte weiß nicht, wie sie mit dem Lohn oder Gehalt über die Runden kommen soll. Gleichzeitig ist die Einkommenszufriedenheit gestiegen: Zwei Drittel der Beschäftigten in Österreich sind mit ihrem Einkommen zufrieden, wobei hier auffällt, dass Teilzeitkräfte oftmals mit dem Einkommen nicht auskommen und dennoch angeben, zufrieden zu sein.

Berufseinsteiger/-innen haben häufiger Probleme, von ihrem Einkommen leben zu können als ältere Beschäftigte. Wer eine hohe Bildung und keinen Migrationshintergrund hat, in Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich oder Kärnten wohnt und männlich ist, kommt eher mit dem Einkommen aus als Frauen, Niedrigqualifizierte, Personen mit Migrationshintergrund oder Beschäftigte, die in Salzburg, im Burgenland oder in Wien wohnen. Zwei Drittel der Beschäftigten im Handel, in der Reinigung und im Tourismus kommen mit dem Einkommen kaum oder gar nicht aus.

Vor allem das nach wie vor bestehende Gefälle zwischen den Geschlechtern sticht ins Auge: Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger als Männer und kommen weniger gut mit ihrem Einkommen aus. Sie sind daher auch in geringerem Ausmaß zufrieden mit ihrem Einkommen als Männer.

„Man spürt zwar, dass die Steuerreform in den Geldtaschen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer angekommen ist, weil heute mehr Beschäftigte mit ihrem Einkommen gut auskommen als noch vor zwei Jahren und auch die Zufriedenheit mit den Löhnen und Gehältern so hoch wie schon lange nicht ist. Das darf aber nicht über die nach wie vor ungerechte Einkommensverteilung hinwegtäuschen“, stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. Umso wichtiger ist es, den von den Sozialpartnern ausverhandelten Mindestlohn von 1500 Euro möglichst rasch umzusetzen. „Mittelfristig muss er aber auf 1700 Euro erhöht werden. Und die konjunkturelle Erholung sollte zum Anlass genommen werden, im Rahmen der anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen die Löhne und Gehälter zu erhöhen“, sagt Kalliauer.

Näher betrachtet wurde diesmal auch, wie es Absolventen/-innen einer Berufsbildenden höheren Schule (BHS, das heißt einer HAK oder HTL) bzw. einer Lehrausbildung geht. Die mit dem Arbeitsklima Index gemessene Arbeitszufriedenheit von Personen mit einer BHS-Matura liegt derzeit bei 115 Punkten. Das ist der höchste Index aller Bildungsgruppen. Beschäftigte mit Lehrabschluss sind mit einem Indexwert von 109 Punkten durchschnittlich zufrieden.

Fast 80 Prozent der BHS-Absolventen/-innen arbeiten als Angestellte. Drei von zehn sind als Bürokräfte beschäftigt, 13 Prozent als Techniker/-innen und etwas mehr als zehn Prozent im Geld- und Versicherungswesen. Beschäftigte mit Lehrabschluss arbeiten vorwiegend in Industrie und Gewerbe (27 Prozent), als Handelsangestellte (26 Prozent), im Bauwesen (neun Prozent) und im Tourismus (acht Prozent). Von allen Beschäftigten in Österreich haben 41 Prozent einen Lehrabschluss.

Der Österreichische Arbeitsklima Index misst und beschreibt seit 20 Jahren vierteljährlich die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen. Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von SORA und IFES im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima

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