Presserat zu verdeckter Werbung

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich mit zwei Beiträgen der Artikelserie „Jahr der Milch“, erschienen auf den Seiten 6 bzw. 5 der Beilagen „Mein Sonntag“ der Tageszeitung „Kurier“ vom 15. und 29.01.2017. Bei den Beiträgen, die in der Kopfzeile als „eine Produktion der Mediaprint“ gekennzeichnet sind, wurden zwei Rezepte mit den Überschriften „Milch-Mix zum Selbermachen“ und „Superbeeren-Bowl mit Haselnuss“ abgedruckt. In den Rezepten wurden bei den Zutaten explizit Milchprodukte der Firma „Nöm“ angeführt und diese Produkte wurden auch auf Bildern gezeigt. Nach Meinung des Senats verstoßen die Beiträge gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse, weil darin Werbeinhalte und redaktionelle Beiträge miteinander vermischt wurden.

Die Medieninhaberin des „Kurier“ brachte vor, dass die Artikelserie auf umfassenden Recherchen basiere. Die Verwendung von „Nöm“-Produkten bei den Rezepten sei deshalb erfolgt, weil sich die Artikel vor allem an Leser im Osten Österreichs wenden und „Nöm“ dort überwiegend vertrieben werde, dies sei von den Redakteuren selbständig so entschieden worden, auch weil die Fotos von „Nöm“-Produkten bereits vorhanden gewesen seien.

Eine Einflussnahme der „Nöm AG“ wurde von Seiten der Medieninhaberin im vorliegenden Fall bestritten. Dem Senat liegen keine Hinweise vor, die diese Aussage in Zweifel ziehen. Für einen Verstoß gegen den Ehrenkodex ist es allerdings nicht erforderlich, dass es tatsächlich zu einer Einflussnahme Außenstehender auf redaktionelle Inhalte kam. Es reicht vielmehr bereits aus, dass den Lesern eine klare Abgrenzung zwischen Werbung und unabhängiger redaktioneller Berichterstattung nicht möglich ist.

Inhaltlich sind die beiden Artikel grundsätzlich informativ und sachlich gehalten, auch wenn eine durchwegs positive Einstellung gegenüber Milch und Milchprodukten erkennbar ist. Das erachtet der Senat jedoch nicht als medienethisch problematisch.

Die im Rahmen der Veröffentlichungen abgedruckten Rezepte hält der Senat allerdings in dieser Form nicht als medienethisch zulässig. Der Senat geht nicht davon aus, dass die Redakteure die Verwendung der Bilder der „Nöm“-Produkte und insbesondere deren Erwähnung in den Rezepten eigenständig trafen. Nach Meinung des Senats wurden die Produkte der Firma „Nöm“ in den Rezepten gezielt beworben, ohne dass dies ausreichend gekennzeichnet wurde.

Als wenig stichhaltig empfindet der Senat auch das Argument, dass „Nöm“-Produkte gewählt worden seien, weil der Artikel sich aufgrund der Verbreitung des Mediums überwiegend an Leser im Osten Österreichs wende, wo auch „Nöm“ in erster Linie vertrieben werde. In Ostösterreich werden auch Milchprodukte von vielen anderen Molkereien oder Marken vertrieben.

Die Medieninhaberin wird aufgefordert, den Verstoß freiwillig in der Beilage „Mein Sonntag“ der Tageszeitung „Kurier“ zu veröffentlichen oder bekannt zu geben. 

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin des „Kurier“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin des „Kurier“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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