Effizienzstudie bestätigt ungerechte Versorgung psychisch Erkrankter

PsychotherapeutInnen nehmen Sozialminister und Hauptverband beim Wort - Anpassung der Kassenleistung nach oben hin, somit auch für Psychotherapie

Wien (OTS) - Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) schöpft große Hoffnung für Psychotherapie-PatientInnen aufgrund der aktuellen Ankündigungen von Sozialminister Alois Stöger und Hauptverbandsvorsitzendem Dr. Alexander Biach, die Leistungen für Versicherte weiter auszubauen und unterschiedliche Kassenleistungen zu harmonisieren.

Wie aus der Effizienzstudie der LSE klar hervorgeht, gibt es erhebliche Unterschiede bei nicht-ärztlichen Kassen-Leistungen, auch bei Psychotherapie.

Diese Tatsache kritisiert der ÖBVP schon lange, da dies im konkreten Fall derzeit bedeutet, dass Versicherte unterschiedliche Kostenzuschüsse für Psychotherapie erhalten, je nachdem welche Krankenversicherung sie haben und in welchem Bundesland sie leben bzw. arbeiten. Demnach ist ein psychisches Leiden in Wien „teurer“ als beispielsweise in Salzburg.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse hat seit Jahren erkannt, dass sich der „Sparstift“ bei der Psychotherapie nicht rechnet. Salzburg gibt pro Versichertem um etwa 50 Prozent mehr (insgesamt ca. 15 Euro) für Psychotherapie aus, als die Gebietskrankenkassen in den acht anderen Bundesländern. Der ökonomische Erfolg gibt ihr Recht: Die Frühpensionierungen aufgrund psychischer Erkrankungen sind in Salzburg signifikant geringer.

Das sogenannten Sachleistungskontigent, die kostenfreie Psychotherapie, ist von den Gebietskrankenkassen so knapp bemessen, dass die Stunden gegen Mitte des Jahres nahezu aufgebraucht sind, neue Psychotherapien überhaupt nicht mehr begonnen werden können und mit Wartezeiten, je nach Bundesland und Bezirk, bis zu einem dreiviertel Jahr zu rechnen ist. Diese Zeitspanne kann bei psychischen Erkrankungen fatal sein.

Dass Selbstbehalte wie „Steuern auf Kranke“ wirken und PatientInnen dadurch oft davon abgehalten werden, rechtzeitig zum Arzt zu gehen, wie der Sozialminister betont, kann ÖBVP-Präsident Dr. Peter Stippl nur unterstreichen: „Wer Psychotherapie braucht, muss sich den Großteil selbst finanzieren, hier ist der Selbstbehalt der größere Anteil und das schreckt PatientInnen ab, eine Psychotherapie zu beginnen.“
Dadurch werden neben negativen gesundheitlichen Auswirkungen, auch die Behandlungskosten verteuert, wie es in den Unterlagen des Sozialministeriums weiter heißt. Sozusagen eine Abwärtsspirale für PatientInnen und Gesundheitssystem. Auch hier appelliert der ÖBVP seit langem, bei der frühzeitigen Behandlung psychischer Leiden anzusetzen.

Die Lage in Zahlen: Derzeit beträgt der Zuschuss zu einer Psychotherapiestunde, die zwischen 80 und 100 Euro kostet, von den Gebietskrankenkassen seit 25 (!) Jahren 21,80 Euro. Beamte und Bauern hingegen haben eine andere Grundlage: Beamte bekommen einen Zuschuss von 40 Euro (BVA) und Bauern sogar 50 Euro (SVB).

Alle PatientInnen, die Psychotherapie benötigen, müssen die gleichen Chancen auf einen raschen unbürokratischen Zugang haben. Dazu muss es eine freie TherapeutInnenwahl mit einem fairen Zuschuss wie bei BVA und SVB sowie ein entsprechendes Kontingent an Kassenstunden geben.

Der ÖBVP fordert daher, dass die angekündigten Maßnahmen des Sozialministeriums und des Hauptverbandes, die seit langem notwendige Verbesserung für psychisch Erkrankte bringt.

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Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
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Öffentlichkeitsarbeit
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Dr. Peter Stippl, Präsident ÖBVP
0664/544 25 07
Wolfgang Schimböck,MSc LL.M (Medical Law)MBA, Präsidium ÖBVP
0699/192 53979

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