TIROLER TAGESZEITUNG "leitartikel" vom Sonntag, den 20. August 2017 von Christian Jentsch "Trump bleibt Bannons Werkzeug"

Unter Druck musste der US-Präsident seinen Chefstrategen Stephen Bannon vor die Tür setzen. Das Ende Trumps bedeutet das noch lange nicht.

Innsbruck (OTS) - Am Freitag musste er also den Hut nehmen. Trumps ideologisch stramm rechter Chefstratege Stephen Bannon räumte seinen Platz im innersten Kreis des Weißen Hauses und wechselte wieder in die Chefetage der rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart News zurück. „Wir danken ihm für das Geleistete und wünschen ihm das Beste“, hieß es in einer knappen Erklärung von Trumps Sprecherin Sanders. Doch der Abgang Bannons dürfte Trump nicht leicht gefallen sein. Erst vor wenigen Tagen, als der US-Präsident wegen seiner relativierenden Aussagen zu der rassistischen Gewalt in Charlottesville auch bei seinen Republikanern ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, verteidigte er noch seinen „Freund“ Bannon, eine Galionsfigur der rassistischen Alt-Right-Bewegung, die sich als Alternative zum konservativen Establishment versteht und Trump im Wahlkampf massiv unterstützt hatte. Doch für den auch als „Dunklen Lord“ bezeichneten einflussreichen Einflüsterer Bannon wurde die Luft immer dünner. Innerhalb des Weißen Hauses eskalierte der Konflikt mit den wirtschaftsliberalen und moderateren Kräften rund um Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, Wirtschaftsberater Gary Cohn und Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster. Und als sich immer mehr republikanische Parteigranden und einflussreiche Unternehmer nach den Ereignissen von Charlottesville von Trump abwandten, musste dieser die Notbremse ziehen. Großen Einfluss auf den US-Präsidenten wird Bannon, der Trumps „Amerika zuerst“-Strategie kreierte, weiterhin haben. Und er wird weiter versuchen, ihn als „Werkzeug“ der Ultrarechten zu benutzen. Und wer nun auf einen Sturz Trumps hofft, könnte noch lange warten müssen. Zu viele Republikaner haben sich Trump bedingungslos ausgeliefert. Und Wahlsiege machen blind.

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