Presserat zur Veröffentlichung von Opferfotos

Wien (OTS) - Der Senat 1 des Presserats beschäftigte sich mit mehreren Fotos, veröffentlicht bei dem Artikel „Ex-Soldat rast in Menge: Touristin (18) tot“, der am 19.05.2017 auf „krone.at“ erschienen ist. Nach Meinung des Senats liegt hier ein Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse vor.

Im Artikel wird berichtet, dass ein Mann in New York mit dem Auto in eine Menschenmenge raste, wobei eine 18-jährige Frau getötet und 22 weitere Personen verletzt wurden. Bei dem Artikel wurden mehrere Bilder veröffentlicht, eines davon zeigt ein unverpixeltes Profilfoto der getöteten Frau. Ein weiteres Bild zeigt – ebenfalls unverpixelt – ein auf dem Boden liegendes Opfer. Der Senat ist der Ansicht, dass die Veröffentlichung dieser Fotos gegen die Punkte 5 (Persönlichkeitsschutz) und 6 (Intimsphäre) des Ehrenkodex verstößt. Das öffentliche Interesse an der Tat rechtfertigt es nicht, ein Foto der Getöteten und Fotos weiterer Opfer zu zeigen, so der Senat weiter. Die Opfer von Straftaten verdienen nach Meinung des Senats besonderen Schutz. Der Senat stellte den Verstoß fest und forderte die Medieninhaberin auf, die Entscheidung im betroffenen Medium zu veröffentlichen. 

Selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung einer Leserin

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung einer Leserin ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob ein Artikel den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberinnen von „krone.at“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin der „Kronen Zeitung“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1, Tel.: 01/21312-1169

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