- 14.07.2017, 10:08:05
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- OTS0031
Rückläufige Risikovorsorgen stützen Gewinne der Banken
Präsentation des 33. Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB)
Utl.: Präsentation des 33. Financial Stability Report der
Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) =
Wien (OTS) - Der österreichische Bankensektor hat in den vergangenen
Jahren – unterstützt durch aufsichtliche Maßnahmen – seine
Widerstandsfähigkeit verbessert. Trotz schwächerer operativer Erträge
und anhaltend hoher Kosten gestaltete sich die Gewinnsituation der
Banken dank rückläufiger Risikovorsorgen günstig. Das niedrige
Zinsniveau und der hohe Anteil an variabel verzinsten Krediten
unterstützen aktuell die Schuldentragfähigkeit der österreichischen
Unternehmen und Haushalte, bergen aber gleichzeitig ein
beträchtliches Zinsänderungsrisiko.
Nicht zuletzt infolge der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken
haben sich im Jahr 2017 die makrofinanziellen Rahmenbedingungen in
den Industrieländern verbessert. Auch im Euroraum setzte sich der
konjunkturelle Aufschwung fort. „Die expansive Geldpolitik des
Eurosystems hat die Kreditzinsen im gesamten Euroraum gesenkt. Dies
verringert die Finanzierungskosten der Realwirtschaft und trug dazu
bei, die Kreditvergabe im Euroraum anzukurbeln“, sagte Gouverneur
Ewald Nowotny anlässlich der Präsentation der 33. Ausgabe des
Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank.
Auch in Österreich hat sich im Zuge der konjunkturellen Erholung die
Kreditdynamik an Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf merklich
beschleunigt: Im Mai 2017 lag ihre Jahreswachstumsrate bei 2,9 %.
Insbesondere Kredite mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr, die
für die Investitionsfinanzierung relevant sind, expandieren deutlich.
Demgegenüber erfolgte die kurzfristige Unternehmensfinanzierung
zuletzt verstärkt durch Handelskredite. Die Jahreswachstumsrate der
Wohnbaukredite an private Haushalte stabilisierte sich im Verlauf des
laufenden Jahres bei rund 4 %.
Die Schuldentragfähigkeit der Realwirtschaft blieb 2016 stabil. Die
Verschuldungsquoten der Unternehmen und der privaten Haushalte liegen
weiterhin unter den entsprechenden Euroraum-Werten. Das geringe
Verschuldungs- und das niedrige Zinsniveau halten den Zinsaufwand der
Realwirtschaft aktuell niedrig. Allerdings tragen Unternehmen und
Haushalte angesichts eines immer noch vergleichsweise hohen Anteils
variabel verzinster Kredite an den neu vergebenen Krediten – auch
wenn dieser zuletzt rückläufig war – in längerfristiger Perspektive
ein beträchtliches Zinsänderungsrisiko. Darüber hinaus unterliegen
die Haushalte trotz eines weiteren Rückgangs der Fremdwährungskredite
nach wie vor einem erhöhten Wechselkursrisiko. Überdies stellen die
Deckungslücken bei endfälligen Tilgungsträgerkrediten weiterhin
Risiken für die betroffenen Kreditnehmerinnen und -nehmer dar, auch
wenn es sich dabei zumeist um einkommensstarke Haushalte handelt.
Die österreichischen Banken haben im Jahr 2016 ihre Strukturreformen
weiter vorangetrieben und substanzielle Gewinne erwirtschaftet. Die
Ergebnisse wurden dabei insbesondere von einer niedrigeren Dotierung
der Kreditwertberichtigungen gestützt, die ihre Nachhaltigkeit
allerdings noch beweisen muss. Da das operative Ergebnis (vor
Risikovorsorgen) jedoch weiter zurückgegangen ist, müssen die Banken
ihre Effizienz erhöhen. „Die momentan gute Gewinnsituation der
österreichischen Banken sollte für Zukunftsinvestitionen (Stichwort:
„Digitalisierung“) genutzt werden. Gleichzeitig sollten die
Bemühungen zur Bewältigung der Herausforderungen im Niedrigzinsumfeld
und zur Kostenreduktion nicht nachlassen“, führte Vize-Gouverneur
Andreas Ittner aus. Durch die Einbehaltung von Gewinnen sowie infolge
von Einmaleffekten aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen konnte das
österreichische Bankensystem seine Kapitalausstattung im Jahr 2016
deutlich steigern, gleichzeitig hat sich auch die Kreditqualität in
Österreich und Zentral-, Süd- und Südosteuropa (CESEE) weiter
verbessert.
Die systemischen Risiken aus der Immobilienfinanzierung bleiben in
Österreich weiterhin begrenzt. Wie die Ergebnisse einer OeNB-Umfrage
unter den Banken zeigen, erfolgt der Großteil der
Hypothekarkreditvergabe unter nachhaltigen Gesichtspunkten. Auch die
bisher relativ konservative Kreditvergabe in Österreich hat dazu
beigetragen, dass das ausstehende Kreditvolumen eine hohe Qualität
aufweist. Um einen Wandel hin zu riskanteren Kreditvergabestandards
angesichts des Niedrigzinsumfeldes und der steigenden
Immobilienpreise hintanzuhalten, begrüßt die OeNB ausdrücklich den
rezenten Nationalratsbeschluss zur Schaffung makroprudenzieller
Instrumente zur Begrenzung von Systemrisiken bei der
Immobilienfinanzierung. Die Entwicklungen in diesem für die
österreichische Finanzmarktstabilität wichtigen Bereich werden von
der OeNB weiterhin genau beobachtet.
Durch aufsichtliche Maßnahmen und vermehrte Anstrengungen der Banken
wurde die Finanzmarktstabilität in Österreich in den vergangenen
Jahren deutlich gestärkt. Dennoch steht der heimische Bankensektor
weiterhin vor großen Herausforderungen. Die OeNB empfiehlt den Banken
daher unter anderem ihre Profitabilität und Effizienz weiter zu
verbessern, eine nachhaltige Immobilienfinanzierung zu gewährleisten,
Deckungslücken bei Tilgungsträgerkrediten rechtzeitig zu adressieren
und die Kreditqualität und Eigenmittelausstattung weiter zu stärken.
Der halbjährlich in englischer Sprache erscheinende Financial
Stability Report der OeNB analysiert finanzmarktstabilitätsrelevante
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld sowie
Spezialthemen im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte.
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