- 08.07.2017, 20:52:44
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TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 9. Juli 2017 von Manfred Mitterwachauer - Am Gipfel der Krawalle
Innsbruck (OTS) - „Willkommen in der Hölle“ – für den Großteil der
friedlichen Demonstranten und viele Anrainer wurde das bittere
Realität.
Die Welle an Gewalt ist das, was vom Gipfel der 20 führenden
Industrie- und Schwellenländer in Hamburg in Erinnerung bleiben wird.
Die Ergebnisse eher kaum.
Es sind Bilder des Chaos, die von Hamburg aus um die Welt gingen:
brennende Autos, militante Demonstranten, die gezielt auf Randale und
Zerstörung aus waren, und eine Polizei, die trotz Wasserwerfer- und
Tränengaseinsatz den Eindruck vermittelte, nicht immer Herr der Lage
zu sein. Es sind Bilder der Gewalt, die die deutsche Kanzlerin und
Gastgeberin des G20-Gipfels, Angela Merkel, so mit Sicherheit nicht
auf der Rechnung hatte. Und im laufenden Bundestagswahlkampf auch
nicht brauchen kann. Insofern ist die Frage berechtigt, die sich
viele stellen: warum ausgerechnet G20 in Hamburg? Jene Hansestadt, in
der die linke (gewaltbereite) Szene tief verwurzelt ist. Allein das
Kürzel „G20“ gilt hier als Provokation. „Willkommen in der Hölle“,
hatte man Trump, Putin, Erdogan und Co zum Einstand des G20-Gipfels
ausgerichtet. Für die Mehrheit der Demonstranten, die nur friedlich
gegen diese ritualisierte Machtdemonstration der führenden Industrie-
und Schwellenländer auf die Straße gehen wollten, aber auch für viele
unbeteiligte Anrainer wurde dieser „Willkommensgruß“ bittere
Realität. Auch weil Politik wie Polizei – trotz Großaufgebots – die
Lage wohl massiv unterschätzt haben dürften.
Inhaltlich blieben die Ergebnisse des Gipfels zwiegespalten. Die
angekündigten 572 Mio. Euro der USA für den Kampf gegen die
Hungerkrisen in Afrika und ein internationaler Fonds für Frauen in
Entwicklungsländern stimmen positiv. Mit seinem Klimakurs hat sich
Trump indes weitgehend isoliert. Was ihn freilich wenig jucken wird.
Ob die zwischen den USA und Russland bilateral ausgemachte Waffenruhe
im Südwesten Syriens halten wird, ist fraglich. Und ob die Einigung
im Handelsstreit von Dauer ist, dürfte wohl auch davon abhängen, was
Trump in nächster Zeit so auf Twitter treibt.
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