News-Beilage „Family“ nicht ausreichend als Werbung gekennzeichnet

Wien (OTS) - Die Beilage „Family“ der NEWS-Ausgabe vom 25.03.2017 verstößt nach Meinung des Senats 2 des Presserats gegen die Punkte 3 (Unterscheidbarkeit) und 4 (Einflussnahme) des Ehrenkodex für die österreichische Presse. Der Senat gelangte zur Auffassung, dass mehrere Artikel der Beilage überwiegend Werbecharakter aufweisen und nicht als „Werbung“ gekennzeichnet wurden.

Der Senat hielt zunächst fest, dass die Beilage , wie von „News“ vorgebracht, eine eigene Paginierung aufweist, und dass sich auch das Layout von dem des restlichen Inhalts der Zeitschrift News unterscheidet. Allerdings werden die Seiten der Beilage bei der Seitenzählung von „NEWS“ mitgezählt. Die Beilage ist zudem fixer Bestandteil der gesamten Ausgabe. Insgesamt betrachtet entsteht laut Senat der Eindruck, dass die Beilage ein Teil der gesamten NEWS-Ausgabe ist.

Eine Einflussnahme Außenstehender bzw. eine Bezahlung der Beiträge wurde seitens NEWS im vorliegenden Fall bestritten. Dem Senat lagen keine Hinweise vor, dies in Zweifel zu ziehen. Für einen Verstoß gegen den Ehrenkodex ist es allerdings nicht erforderlich, dass es tatsächlich zu einer Einflussnahme Außenstehender auf redaktionelle Inhalte kam oder dass tatsächlich Geld für einen Beitrag bezahlt wurde. Es reicht vielmehr bereits aus, wenn den Lesern eine klare Abgrenzung zwischen Werbung und unabhängiger redaktioneller Berichterstattung nicht möglich ist (das ergibt sich u.a. aus den Punkten 3 und 4 des Ehrenkodex).

Die hier zu prüfenden Beiträge sind optisch nicht so ausgestaltet, dass sie sofort als Werbung erkennbar wären, so der Senat weiter. Die Beiträge sind auch nicht als „Werbung“, „in Kooperation mit Werbepartnern“ oder Ähnlichem gekennzeichnet. Somit hat es den Anschein, als zählten die Beiträge zur unabhängigen Berichterstattung. Im Übrigen führte auch News an, die Beiträge seien Teil der unbeeinflussten Berichte. Aufgrund ihrer Inhalte und der darin verwendeten Formulierungen stufte der Senat die Beiträge jedoch als von überwiegend werblichem Charakter ein. Der Senat zählte sie deshalb nicht zur unabhängigen Berichterstattung, weil in ihnen zu viel Werbesprache verwendet wird. Darüber hinaus werden einzelne Unternehmen ohne sachlichen Grund herausgegriffen und (ausschließlich) deren Produkte oder Dienstleistungen angepriesen. Von einem bloßen Servicecharakter für die Leser konnte daher keine Rede sein.

Der Artikel „Tor zum Wohnglück“ etwa enthält sehr viele werbliche Formulierungen: Die Anlage verspreche den zukünftigen Bewohnern „viele Sonnenstunden“ und ein „hochwertiges und entspanntes Wohngefühl“ bzw. „freundliches Wohngefühl“; die Anlage sei „[u]mgeben von optimaler Infrastruktur“ und in einer sich dynamisch entwickelnden Umgebung. Darüber hinaus werden zwei Geschäftsführer der „Buwog“ zitiert, die die Vorteile der Wohnanlage betonen und anpreisen. Die Formulierungen könnten so auch in einem Werbeprospekt stehen und wurden offenbar unreflektiert übernommen. Dem Senat fällt es schwer zu glauben, dass die Redaktion, wie von News behauptet, die Anzeige der „Buwog“ zu diesem Projekt in der Beilage nicht kannte.

Im Artikel „Für den Fall der Fälle“ wird im Anschluss an die plakative Aufzählung mehrerer möglicher Schadensszenarien ein Vertreter der HDI Versicherung damit zitiert, dass die HDI-Versicherung „den passenden Versicherungsschutz“ biete. Der Vertreter hält fest, dass „[d]ank der Online-Schadensmeldung der HDI-Versicherung […] Versicherte auch außerhalb der Servicezeiten einen Schaden melden“ können. Zudem heißt es, dass das Unternehmen „als eine der wenigen Versicherungen eine 40-prozentige Prämienreduktion bei nur 1000 Euro Selbstbehalt“ anbiete. Der Senat hielt es auch für keinen Zufall, dass im Artikel genau jenes Versicherungsunternehmen angepriesen wird, das ein paar Seiten weiter eine ganzseitige Annonce schaltete.

Auch im Artikel „Abenteuer Kreuzfahrt“ auf Seite 28 überwiegen nach Ansicht des Senats die werblichen Elemente: Es werden zwei Anbieter von Kreuzfahrten – MSC und Aida – behandelt und deren Angebote für Kinder bzw. Familien beworben.

Der Artikel „Mehr Flüge nach Hellas“ auf Seite 29 hat nach Ansicht des Senats ebenfalls hauptsächlich werblichen Charakter. Laut Artikel fliege die „AUA“ bis zu 40 Mal pro Woche zu 17 „Top Destinationen“ in Griechenland. Außerdem wird ein Link zur Homepage des Unternehmens veröffentlicht. Auch wenn – wie von der Medieninhaberin vorgebracht – der Artikel und das darunter geschaltete Inserat der „AUA“ optisch deutlich voneinander abgegrenzt sind, ändert dies nichts an dem Umstand, dass der Beitrag inhaltlich als Bewerbung der Fluglinie zu qualifizieren ist.

Aus ethischer Sicht problematisch ist auch der Artikel „Kinder, da ist was los!“ auf den Seiten 30-31. Obgleich auch hier mehrere Unternehmen vorgestellt werden, überwiegt die Werbesprache. Direkt neben dem Artikel wird ein Inserat der vorgestellten H20-Kindertherme in Bad Waltersdorf abgedruckt.

Zusammenfassend hielt der Senat fest, dass es zwar Ziel der Beilage gewesen sein mag, den Themenkomplex „Family“ redaktionell aufzubereiten, und dass zu den ausgewählten Themen zum Teil auch sachliche Informationen vermittelt wurden. Neben den in diesem Verfahren geprüften Beiträgen wurden in der Beilage auch Beiträge veröffentlicht, die der Senat als unabhängig aufbereitet bewertet und die daher nicht zu beanstanden sind. Die zuvor beschriebenen Beiträge verstoßen jedoch nach Meinung des Senats gegen das Gebot, Werbung von redaktionellen Inhalten abzugrenzen.

Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, so wie von News angemerkt, ein entsprechendes redaktionelles Umfeld für Anzeigen zu schaffen. Das bedeutet jedoch nicht, dass das redaktionelle Umfeld so aufbereitet werden darf, dass die vermeintlich unabhängigen Inhalte einer Werbung für jene Unternehmen gleichkommen, die Anzeigen schalten. Die kritisierten Beiträge und die entsprechenden Werbungen der in den Beiträgen gelobten Unternehmen ergänzen sich auf eine systematische Art und Weise. Von einer unabhängigen und unbeeinflussten Berichterstattung war nicht auszugehen.

Der Senat stellte daher einen Verstoß gegen den Ehrenkodex fest und forderte die Medieninhaberin auf, die Entscheidung freiwillig in News zu veröffentlichen. 

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig. Im vorliegenden Fall führte der Senat 2 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin des Magazins „NEWS“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, Gebrauch gemacht. Die Medieninhaberin des Magazins „NEWS“ hat die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats anerkannt.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OPR0001