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TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Die Bürde des Sebastian K.", von Karin Leitner, Ausgabe vom 2. Juli 2017

Die Volkspartei feiert ihren jungen Frontmann Sebastian Kurz, als hätte er die Nationalratswahl bereits gewonnen.

Utl.: Die Volkspartei feiert ihren jungen Frontmann Sebastian Kurz,
als hätte er die Nationalratswahl bereits gewonnen. =

Innsbruck (OTS) - Die Euphorie, die der neue Obmann bei den Seinen
auslöst, ist nicht neuen Inhalten geschuldet, sondern der alten
Hoffnung auf die nächste Kanzlerschaft.

Nun ist die Ich-AG formal fixiert. Sebastian Kurz ist Chef der
ÖVP. Einer ÖVP, die nicht nur optisch eine andere ist als die
bisherige. Schwarz ist Geschichte; Türkis ist angesagt. Aus der
Partei ist eine „Bewegung“ geworden. Und er ist der erste Obmann mit
statutarisch verbrieftem „Durchgriffsrecht“.
Anfänglich klagten Funktionäre, Kurz verleugne eine
Gesinnungsgemeinschaft, die die Zweite Republik geprägt habe.
Mittlerweile sind die internen Kritiker verstummt. Laut aktuellen
Umfragen hat die „Liste Kurz“ die Polit-Konkurrenten abgehängt. Und
so ordnen sich Reinhold Mitterlehners Nachfolger alle unter. Einem
30-Jährigen, der sich zu inszenieren versteht. Bei einem
durchdesignten Parteitag voller Symbole für das Neue. Der faktisch
„starke Mann“ sitzt im Saal nicht in Reihe 1, in die drittletzte
platziert er sich.
Kurz’ Rede kontrastiert mit dem Neo-Styling: Sie ist Problemaufriss,
nicht Lösungsskizze. Er sagt viel, das man schon von seinen
Vorgängern gehört hat: Die Steuerquote sei zu hoch, das Sozialsystem
zu teuer, es gebe zu viel Bürokratie im Land. Dass er erst im
September kundtun wird, was er dagegen zu tun gedenkt, kümmert die
Parteigänger nicht. Sie feiern ihn wie einen Sieger.
Der Zuspruch ist auch Bürde. Die Erwartungen an den
Spitzenkandidaten sind hoch. Mehr als jene 24 Prozent zu bekommen,
die es 2013 für die Schwarzen gab, wird am 15. Oktober nicht reichen.
Auf den ersten Rang muss Kurz sie führen – und endlich wieder in das
Kanzleramt.
Gelingt ihm das nicht, werden die Sympathien wohl schwinden für den
jetzigen Superstar. Und Kurz könnte entschwinden – aus der Politik.
Dann würde die ÖVP nicht nur wieder alt aussehen; es wäre auch wieder
alles beim Alten.

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