Lichtenecker/Schatz: Digitalisierung - Wir müssen die Arbeitswelt völlig neu denken

Grüne: Nachhaltige Entwicklung, Chancen und eine solidarische Gesellschaft sichern

Wien (OTS) - Im dritten Grünen Fachgespräch der Reihe „Digitale (R)Evolution“ standen am Montag die Herausforderungen im Zentrum, die sich durch die Digitalisierung im Hinblick auf die Arbeitswelt ergeben. Der Einladung des grünen Parlamentsklubs folgten erneut zahlreiche interessierte BesucherInnen. Mit ExpertInnen wurden u.a. folgende Fragen diskutiert: Wie wird die Arbeitswelt von morgen aussehen? Welche neuen Arbeitsfelder und Berufsbilder entstehen und welche Bereiche sind bedroht? Wie sehen die Rahmenbedingungen für die Arbeit von morgen aus – Stichwort Arbeitszeitverkürzung? Und wie macht sich Digitalisierung schon heute am Arbeitsmarkt (Qualifikation, Arbeitszeit, Arbeitsschutz, Arbeitsrecht etc.) bemerkbar? 

Dr.in Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen: „Der Digitale Wandel wird die Arbeitswelt stark verändern. Daher müssen wir Arbeit und Verteilung neu denken, um nachhaltige Entwicklung und eine solidarische Gesellschaft zu sichern.“ 

Birgit Schatz, Sprecherin für ArbeitnehmerInnen der Grünen: „Unser Arbeits- und Sozialrecht braucht ein Upgrade. Die Digitalisierung bringt Veränderungen, die neue Spielregeln brauchen. Fairness und Schutz für ArbeitnehmerInnen sind für uns Grüne dabei die wichtigsten Themen.“ 

Dr.in Annika Schönauer, Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA): „Ob Digitalisierung zur Bedrohung oder Chance wird, ist eine Gestaltungsfrage. Technologische Innovationen haben das Potential, unser Leben besser, gesünder und nachhaltiger zu machen. Ob wir diesen oder den gegenteiligen Weg einschlagen, ist noch offen.“

Dr. Thomas Leoni (WIFO): „Die Digitalisierung hat sich bisher in den einzelnen Branchen der Wirtschaft sehr unterschiedlich ausgewirkt. Obwohl es in einigen Bereichen bereits tiefgreifende Veränderungen gab, ist in den meisten Branchen ein gradueller Wandel beobachtbar. Trotz der großen Ungewissheit über zukünftige Entwicklungen ist der technologische Wandel ein gestaltbarer Prozess. Stärker als in früheren Phasen steht dabei die Frage im Vordergrund, wie die Arbeitsmarktintegration von schlechter qualifizierten Personen gesichert und negativen Verteilungswirkungen entgegengewirkt werden kann. Die Herausforderung besteht darin, durch entsprechende Weichenstellungen und Maßnahmen einerseits diese Risiken abzufedern und andererseits die Verwirklichung der Chancen der Digitalisierung zu fördern. Das betrifft ein breites Spektrum an Handlungsfeldern, das sich von der Bildungspolitik über die Industrie- und Standortpolitik bis hin zur Steuerpolitik erstreckt.“

Ing. Markus Vogl, Abg.z.NR., Vorsitzender der GPA-djp OÖ: „Computer und Netzwerktechnologien haben die Produktivität steigen lassen und neue Berufe entstehen. Veränderung ist notwendig, darf aber nicht auf Kosten der Menschen gehen. Oft werden neue Technologien zur Überwachung und „Optimierung“ von Mitarbeitern eingesetzt. Für Betriebsräte und Gewerkschafter ist es eine wesentliche Aufgabe den Menschen in der modernen Arbeitswelt Mensch bleiben zu lassen. Für das Steuersystem stellt sich die Frage, ob es noch mit den neuen Herausforderungen Schritt hält. Der wesentliche Teil des Budgets und der sozialen Absicherung wird durch Abgaben auf Arbeit und auch Konsum aufgebracht. Wenn jedoch ein immer größerer Anteil der Wertschöpfung von Maschinen beziehungsweise Computern erbracht wird, ist dieses System alleine nicht zukunftsfähig. Klar ist jedenfalls: wir müssen die Rahmenbedingungen der Digitalisierung aktiv gestalten!“

Dr. Herbert Buchinger, Vorstandsvorsitzender AMS: „Jede Veränderung birgt Risiken und Chancen. Wenn wir auf die Verlierer der digitalen Revolution vergessen, bleibt der Wandel angstbesetzt und entfaltet nicht seine vollständigen Potentiale.“

Dr. Rolf Gleißner, Wirtschaftskammer Österreich: „Die Digitalisierung wird oft als drohender Komet wie bei Nestroy gesehen. Dabei sind die Auswirkungen überwiegend positiv: Trotz dem technologischen Wandel waren noch nie so viele Menschen in Österreich beschäftigt. Die Arbeit geht uns nicht aus. Das Aufkommen aus Sozialabgaben steigt stabil.“

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