• 09.06.2017, 09:00:01
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Bilanz des Kulturgutberichts 2016 zeigt aufsehenerregende Fälle bei konstant hoher Anzeigenzahl in Österreich

Fälscherbanden im Fokus der Ermittler

Utl.: Fälscherbanden im Fokus der Ermittler =

Wien (OTS) - Obwohl es 2016 bei der Anzahl der Anzeigen wegen
Kulturgutkriminalität kaum Schwankungen gab, war das Jahr von
spektakulären Fällen und zahlreichen Sicherstellungen geprägt.
Insgesamt wurden 175 Fälle von Kunstdiebstahl bei der Polizei
angezeigt.

Der Jahresbericht des Kulturgutreferates im Bundeskriminalamt (BK)
erscheint 2017 in seiner zweiten Auflage und gibt einen Überblick
über die wichtigsten Deliktsformen im Zusammenhang mit Kulturgut. Das
Jahr 2016 war aus Sicht der Kunstkriminalität vor allem durch einige
Aufsehen erregende Fälschungsfälle geprägt, mit Sicherstellungen von
Gemälden sowohl nationaler als auch internationaler Künstler. Die
Anzahl der Kunstdiebstähle in Österreich war konstant, auch an den
Tatörtlichkeiten und den Kategorien von gestohlenem Kulturgut änderte
sich wenig: 2016 wurden in Österreich 175 Fälle von Kunstdiebstahl
angezeigt, die meisten davon in Wien. Betroffen sind vor allem
Wohnungen und Häuser sowie Kirchen. Aber auch im Kunsthandel und im
Rahmen von Kunstmessen kommt es immer wieder zu Diebstählen.
Gestohlen wird grundsätzlich jede Art von Kulturgut, am meisten
jedoch Gemälde, Statuen und Musikinstrumente. Gemälde werden weltweit
am häufigsten gestohlen, was in ihrer einfachen Transportmöglichkeit
und in ihrer guten Absetzbarkeit liegt. Aus Kirchen werden vor allem
Statuen, Leuchter und liturgisches Gerät, wie Kelche, Monstranzen
oder Ziborien gestohlen.

Ermittlungen gegen Fälscherbanden
Großes Aufsehen machte 2016 die Sicherstellung von 80 gefälschten
Gemälden international bekannter Künstler, vor allem von Pablo
Picasso, Emil Nolde und Edvard Munch. Durch Ermittlungen des
Stadtpolizeikommandos Schwechat, der Staatsanwaltschaft Korneuburg
und des BK wurde eine österreichisch-slowenische Tätergruppe
ausgeforscht, die Gemälde von international renommierten Künstlern
zum Kauf angeboten hatte. Darüber hinaus gelang es dem
Landeskriminalamt Niederösterreich einen schweren gewerbsmäßigen
Betrug mit 22 Fälschungen des Kärntner Malers Hans Staudacher zu
klären. „Das Jahr 2016 hat gezeigt, dass schwere
Kulturgutkriminalität nicht weit entfernt von Österreich, sondern
auch bei uns stattfindet“, so Innenminister Mag. Wolfgang Sobotka
anlässlich der Veröffentlichung des Berichts. „Die Polizei hat sich
auf diese Entwicklung eingestellt und durch umfangreiche
Ermittlungsarbeit Fälscherbanden aufdecken können.“

Operation Pandora
Österreich beteiligte sich 2016 an der europaweit durchgeführten
Operation Pandora zur Bekämpfung des illegalen Kunsthandels. Die
mitwirkenden Behörden in Österreich waren das Bundesministerium für
Finanzen/Zoll, alle Landespolizeidirektionen, Landeskriminalämter und
das Kulturgutreferat im BK. In Österreich wurden ca. 1.700
Kraftfahrzeuge und 420 Kunstgegenstände überprüft, am Flughafen
Wien-Schwechat wurden mehr als 1.700 Gepäckstücke kontrolliert.

Präventionsarbeit
2016 wurde der Präventionsfolder „Kultur unter Schutz. Informationen
aus erster Hand“, der auf die Problematik der Kulturgutkriminalität
aufmerksam machen soll, überarbeitet und neu aufgelegt. Die Themen
des Folders sind die Ein- und Ausfuhr von Kulturgut, der Schutz von
archäologischen Objekten und der Diebstahl von Kulturgut. Der neue
Folder ist unter anderem bei den Präventionsstellen der Polizei, im
Kulturgutreferat des BK, am Flughafen Wien Schwechat und im
Bundesdenkmalamt erhältlich. Eine Online-Version des Folders ist auf
den Websites aller teilnehmenden Partner abrufbar.

Allgemeines
Das Kulturgutreferat ist im BK als Zentralstelle zur Bekämpfung der
Kulturgutkriminalität eingerichtet. Es bearbeitet deliktsunabhängig
sämtliche Fälle im Kulturgutbereich und ist Anlaufstelle für
Kulturgutfragen innerhalb der österreichischen Polizei, aber auch für
entsprechende Kontakte zu Museen, Organisationen, Künstlern usw.
zuständig. Die österreichischen Kunstdiebstähle werden ebenso wie
Fahndungen nach Schmuck auf der Website des BK veröffentlicht, wo
mehr als 1.000 Fahndungen in der Kategorie „Kunst- und
Wertgegenstände“ zu finden sind.

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