- 06.06.2017, 11:23:41
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Finanzielle Situation der verschuldeten Haushalte in Osteuropa: Risiko für Österreichs Banken?
Wien (OTS) - Eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB)
untersucht erstmals anhand von Mikrodaten die Verschuldung privater
Haushalte in ausgewählten Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas
(CESEE) und deren Auswirkungen auf das Kreditrisiko österreichischer
Banken. Die Mikrodaten erlauben die gemeinsame Betrachtung von
Verschuldung, Einkommen und Vermögen der Haushalte. Dabei geben die
Daten auf Haushaltsebene keinen Grund zur Besorgnis.
Österreichische Banken sind in weiten Teilen Osteuropas sehr aktiv.
Das bietet große Chancen, bedeutet zugleich aber auch Risiken für den
österreichischen Bankensektor. Im Bereich der Vergabe von Krediten an
private Haushalte bestehen solche Risiken vor allem darin, dass
Haushalte bei der Kreditrückzahlung in Zahlungsschwierigkeiten
geraten können. Bislang konnte dieses Risiko nur anhand grober
Indikatoren wie dem Anteil der bereits in Zahlungsverzug geratenen
Haushalte, den sogenannten notleidenden Krediten, analysiert werden.
Mit den seit Beginn des Jahres 2017 verfügbaren Daten des Household
Finance and Consumption Survey (HFCS), einer europaweiten Erhebung
des Eurosystems, konnte nun erstmals eine tiefgehende Untersuchung
auf Haushaltsebene vorgenommen werden. Dies ermöglicht interessante
Rückschlüsse für das Kreditrisiko von Banken. Die OeNB folgt mit
dieser Studie, die soeben in der aktuellen Ausgabe der
Forschungs-Reihe „Focus on European Economic Integration“
veröffentlicht wurde, federführend für die CESEE-Region den
Empfehlungen des European Systemic Risk Board (ESRB), nämlich
insbesondere auch die verschuldeten Haushalte selbst zu untersuchen.
Zusammen machen die sechs Länder (Slowenien, Estland, Ungarn,
Lettland, Polen und die Slowakei), für die vergleichbare Daten
vorliegen, etwa 20 % der gesamten Kreditvergabe der österreichischen
Banken im Ausland aus. Der Anteil der Haushalte mit ausstehenden
Krediten in den ausgewählten CESEE-Ländern ist jenem in Österreich
recht ähnlich: In Österreich haben rund 34 % der Haushalte
ausstehende Kredite. In den untersuchten Ländern bewegt sich dieser
Anteil zwischen 34 % (Lettland) und 39 % (Slowenien). Wird die Höhe
der ausstehenden Schulden betrachtet, lassen sich allerdings
deutliche Unterschiede feststellen.
Die Höhe der mittleren Hypothekarkreditschuld (Median) liegt in den
untersuchten Ländern zwischen 11.000 EUR (Ungarn) und 30.000 EUR
(Slowenien), in Österreich dagegen bei 60.000 EUR. Was auf den ersten
Blick niedrig erscheint, stellt sich allerdings als relativ hoch
heraus, sobald die Werte der damit besicherten Immobilien betrachtet
werden.
Der Median-Wert des Hauptwohnsitzes liegt in Österreich bei rund
250.000 EUR und ist damit im Vergleich zu den untersuchten
CESEE-Ländern etwa 3-mal (Slowenien) bis 17-mal (Lettland) so hoch.
Dementsprechend ist die mittlere Verschuldung in Österreich, mit der
der Hauptwohnsitz belastet ist, nur etwa 2-mal (Slowenien) bis 5-mal
(Ungarn) so hoch. Das Verhältnis der Immobilienverschuldung zu
Immobilienwerten ist demnach in den untersuchten CESEE-Ländern
deutlich höher. Daraus bereits auf ein höheres Risiko zu schließen,
wäre allerdings voreilig.
Bei der Betrachtung anderer wichtiger Risikoindikatoren auf
Haushaltsebene, wie dem Verhältnis von Verschuldungs- zu
Einkommenshöhe oder der monatlichen Rückzahlung in Prozent des
Einkommens, zeigt sich, dass diese Relationen durchaus unauffällig
sind. Zudem sind in einigen Ländern auch deutlich kürzere
Kreditlaufzeiten üblich als etwa in Österreich, was ebenfalls in
Bezug zum Einkommen – auch bereits zum Zeitpunkt der Kreditvergabe –
auf tendenziell niedrigere Kreditvolumina hindeutet.
Die englischsprachige Studie steht auf der Website der OeNB zum
Download zur Verfügung:
Fessler, P., E. List und T. Messner. 2017. How financially vulnerable
are CESEE households? An Austrian perspective on its neighbors. In:
Focus on European Economic Integration. Q2/2017. OeNB.
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