Caro Lobig vom „Team Wallraff“ in Steyr: „Arbeitsbedingungen wie bei Zalando gehören ins Museum“

Linz (OTS) - Absolute Kontrolle, unwürdige Arbeitsbedingungen, massiver Druck auf die Beschäftigten – die deutsche Enthüllungsjournalistin Caro Lobig vom „Team Wallraff“ rüttelte bei einer gemeinsamen Veranstaltung von AK und Museum Arbeitswelt mit ihren Schilderungen aus den Niederungen der Arbeitswelt auf. Zum Beispiel beim Online-Riesen Zalando: „Es fehlt die menschliche Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Einer alleine hat keine Chance gegen solche Zustände. Aber sich organisieren und gemeinsam aufzutreten, das bringt es.“ Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist daher klar: „Betriebsräte sind ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Wer Betriebsräte verhindert, verhindert Demokratie.“

 

Caro Lobig arbeitet für das „Team Wallraff“. Diese TV-Sendung hat in Deutschland etwa 4,5 Millionen Zuseher. Zuletzt drehte sie mit gewaltigem Echo versteckt Aufnahmen über die Zustände bei „Zalando“ und in einem privaten Pflegeheim und warf damit ein Licht auf die dunkle Kehrseite der Arbeitswelt: „Hier wird man ständig getrieben, noch mehr zu leisten. Bis man nicht mehr kann.“ Digitale und Kamera-Überwachung der Mitarbeiter/-innen, Körper-Kontrollen mit Metalldetektoren, Bespitzelung durch Vorgesetzte bei Zalando – respektloser Umgang mit Beschäftigten, kein Fachpersonal, miese Bezahlung, unmenschliche Profitorientierung in einem privaten Pflegeheim. Das führt zu einem entwürdigendem Umgang mit alten und pflegebedürftigen Menschen. „Wenn nur Profitinteressen im Vordergrund stehen, ist das für die Menschen tödlich“, so die Aufdeckerjournalistin.

 

Mit  ihren Dokus konnte sie vieles verändern: Das Pflegeheim wurde von der Behörde zugesperrt, bei Zalando gibt es einen höheren Lohn, weniger Überwachung – und einen Betriebsrat an zwei Standorten. Caro Lobig: „Letztendlich hilft gemeinsames Auftreten der Betroffenen, Sich-Organisieren, Öffentlichkeit-suchen.“ Das fürchten die multinationalen Konzerne. Deshalb beschäftigen solche Firmen ganze Rechtsanwaltshorden, um Betriebsräte zu verhindern. „Arbeitnehmervertretungen sind ein wichtiger Bestandteil der Demokratie. Wer diese verhindern will, verhindert Demokratie“, waren sich in der Diskussion Caro Lobig, AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer und die beiden Betriebsräte Ing. Markus Vogl (MAN) sowie Werner Osterberger (Landespflegezentrum Christkindl) vor über 150 interessierten Besucherinnen und Besuchern einig.

 

Caro Lobig kauft nicht bei Konzernen wie Amazon und Zalando: „Es geht bei solchen Boykotts nicht darum, die Firmen kaputt zu machen, das ist nicht Sinn der Sache. Aber es geht ganz stark darum, diese Firmen zu einem respektvollen Umgang mit Menschen zu zwingen. Die Arbeitsbedingungen müssen sich ändern.“ Jeder Verbraucher und jede Verbraucherin ist aufgefordert nachzudenken, ob er und sie dieses System des Drucks auf Menschen unterstützen wolle oder nicht. Und – in augenzwinkender Anspielung auf den Veranstaltungsort: „Nicht Arbeit gehört ins Museum, sondern Arbeitsbedingungen wie bei Zalando gehören ins Museum.“

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