• 01.06.2017, 11:58:01
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  • OTS0173

E-Wirtschaft sieht Anpassungsbedarf bei EU-Energieplänen

Oesterreichs Energie begrüßt Clean Energy Package als große Chance für die Zukunft

Utl.: Oesterreichs Energie begrüßt Clean Energy Package als große
Chance für die Zukunft =

Wien (OTS) - Österreichs E-Wirtschaft unterstützt das Clean Energy
Package der EU, fordert jedoch Änderungen in Richtung weniger
Bürokratie und eine Verstärkung der nationalen Kompetenzen. „Das
Paket hat die Chance, ein großer Wurf zu werden, nötig sind jedoch
Anpassungen hinsichtlich einer treffsicheren Wahl der Instrumente und
gleicher Rahmenbedingungen aller Akteure“, erklärte Wolfgang
Anzengruber, Präsident von Oesterreichs Energie, der
Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft. Für
Österreich ist dieses Thema von besonderer Bedeutung, weil die
wesentlichen Verhandlungen zum Clean Energy Package voraussichtlich
in die Zeit der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs im zweiten
Halbjahr 2018 fallen werden.

Die Europäische Kommission hat mit dem im November 2016
veröffentlichten Clean Energy Package einen wesentlichen Schritt in
Richtung Erreichung der europäischen Klimaziele und Umsetzung eines
umweltfreundlichen Energiesystems gesetzt. Das Paket verfolgt drei
Kernziele:

- Energieeffizienz als oberste Priorität
- eine weltweite Führungsrolle bei den erneuerbaren Energien für
Europa
- und faire Bedingungen für Verbraucher.

Strom wird eine wesentliche Rolle beim Umbau des Energiesystems
spielen, erklärte Anzengruber: „Die Zukunft ist elektrisch, daran
führt kein Weg vorbei. Die Energiewende ist das größte
Infrastrukturprojekt Europas, das können wir nur gemeinsam schaffen.“
Potenziale sollten dort genützt werden, wo es ökonomisch sinnvoll
ist. Bei aller Dynamik der Märkte in den nächsten Jahren muss darauf
geachtet werden, dass wir geeignete Infrastruktur (Erzeugung,
Speicher und Netze) haben, die Versorgungssicherheit auch zukünftig
auf dem bisherigen Niveau gewährleistet.

Österreich Europameister bei erneuerbaren Energien

Mit einem Erneuerbaren-Anteil am Strom von zuletzt 76 Prozent ist
Österreichs E-Wirtschaft EU-weit Spitze. Allerdings deckt Strom
lediglich 20 Prozent des Energieverbrauchs unseres Landes ab. Ziel
der Stromstrategie „Empowering Austria“ von Oesterreichs Energie ist
es, diesen Anteil bis 2030 auf 33 Prozent zu steigern. Das erfordert
aber hohe Investitionen in die Stromproduktion aus Erneuerbaren, in
die Stromnetze und in smarte Systeme. Eine EU-weite Neugestaltung der
Strommärkte muss diese Erfordernisse berücksichtigen, so Barbara
Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie.

„Für die E-Wirtschaft sind die drei Megatrends Digitalisierung,
Dekarbonisierung und Dezentralisierung bestimmend. Sie führen zu
einer gänzlich neuen Marktgestaltung, die auch neue Rahmenbedingungen
braucht“, so Schmidt. Täglich treten neue Player auf den Markt und
neue Geschäftsmodelle werden entwickelt. Hier ist es wichtig, dass
für alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen gelten und es nicht
durch Bevorzugung und Ausnahmen zu Verzerrungen kommt. Oesterreichs
Energie unterstützt die vorgeschlagenen Prinzipien zur Gestaltung der
Fördersysteme wie Marktintegration, Berücksichtigung von
Marktpreissignalen und kosteneffiziente Gestaltung. Um diese
Prinzipien mit ausreichender Sicherheit für die Investoren
durchzusetzen, bedarf es aus Sicht von Oesterreichs Energie einer
technologiespezifischen Gestaltung der Förderung. Es wäre daher
wichtig, dass Mitgliedstaaten innerhalb dieser Prinzipien entscheiden
können, welche Instrumente sie einsetzen können. Die vorgeschlagenen
Prinzipien zur Marktintegration erneuerbarer Energien im Clean Energy
Package sind richtig, aber die Mitgliedstaaten müssen weiterhin
technologiespezifische Incentives einsetzen können, da die
Bedingungen sehr unterschiedlich sind.

Zusätzlich müssen Netznutzungs- und Netzzugangsbedingungen verbessert
und das Genehmigungs- und Umweltrecht vereinfacht werden. Der Wegfall
bzw. die Vereinheitlichung der sogenannten G-Komponente ist hier ein
wesentlicher Punkt. Österreichische Kraftwerke über 5 MW zahlen im
Gegensatz zu den Kraftwerken in den umliegenden Ländern ein hohes
Entgelt für die Verwendung der Stromnetze und haben damit
entsprechenden Wettbewerbsnachteil. Dieses Systemnutzungsentgelt für
Erzeugung (Generation) wird auch G-Komponente genannt und führt zu
einer Mehrbelastung der Stromerzeugung in Österreich von nahezu 200
Mio. Euro pro Jahr.

Positive Impulse können auch von der Sektorkopplung kommen, damit ist
die gemeinsame Betrachtung und Vernetzung der drei Sektoren der
Energiewirtschaft Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr gemeint.

Große Gebotszonen für Strompreise sinnvoll

Die 2018 bevorstehende Auftrennung der gemeinsamen
deutsch-österreichischen Strompreiszone hält Österreichische
E-Wirtschaft für einen Fehler, auch wenn die von den Regulatoren
vorgestellte Einigung zur technischen Umsetzung der von Deutschland
einseitig ausgerufenen Trennung der gemeinsamen Preiszone geeignet
scheint, gravierende Einschränkungen für grenzüberschreitenden
Stromgroßhandel möglichst gering zu halten. Anzengruber: „Wir sind
nach wie vor davon überzeugt, dass die Trennung der Preiszone an der
deutsch-österreichischen Grenze der falsche Weg ist.“ Anzengruber
sieht die Probleme im Stromtransport von Norden nach Süden zudem
zeitlich befristet, bis Deutschland für ausreichende
Übertragungskapazitäten im Inland gesorgt habe. Ein wesentlicher
Eckpunkt der aktuellen Lösung ist, dass künftig die
Stromhandelskapazitäten mit einem weiteren Übertragungsnetzausbau
etappenweise erhöht werden. Oesterreichs Energie befürwortet den
Vorschlag, bei Fragen des Zuschnitts von Gebotszonen der EU
Kommission zukünftig die Letztentscheidungskompetenz zu übertragen.
Diese Kompetenz sollte aber als ultima ratio definiert sein, also nur
dann schlagend werden, wenn sich nach umfassenden Konsultationen
aller Marktakteure und Stakeholder keine Einigung über den
Gebotszonen-Zuschnitt ergibt.

Europäisches einheitliches Datenformat ist derzeit nicht
umsetzbar

Aufgrund der zunehmenden Anforderungen an den energiewirtschaftlichen
Datenaustausch (Kommunikationspartner, Diskriminierungsfreiheit,
Security-Anforderungen etc.) hat die österr. Energiewirtschaft den
EDA (Energiewirtschaftlicher Datenausgleich) entwickelt, also eine
einheitliche Kommunikationsplattform. EDA ist ein Best Practice
Beispiel für Europa. „Bei Vorgaben für Rechnungslegung und
Lieferantenwechsel sind bürokratischer Mehraufwand und Eingriffe in
die unternehmerische Freiheit zu vermeiden. Vielmehr sollen Klarheit,
Verständlichkeit und Transparenz für den Kunden im Fokus stehen“, so
Anzengruber.

Österreich hat beste Voraussetzungen für E-Mobilität

E-Mobilität kann einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der
CO2-Emissionen leisten. Anzengruber: Österreich hat beste
Voraussetzungen dafür, weil Strom in Österreich zu 76 Prozent aus
erneuerbaren Energien kommt und noch ausreichende Potenziale für den
Ausbau der Erneuerbaren zur Verfügung stehen. Anzengruber: „87
Prozent der vom Verkehr benötigten Energie entfallen derzeit auf
Erdölprodukte. Elektrofahrzeuge sind bei Emissionen und Effizienz
etwa um den Faktor vier besser als Verbrennungsmotoren. Der Verkehr
bietet also einen großen Hebel für die Elektrifizierung des
Energiesystems.“

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