• 01.06.2017, 10:19:42
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  • OTS0092

Offener Brief der Jungen Akademie an die Entscheidungsträger/innen der Republik

Wider Stillstand und Rückschritt in Österreich – Appell zur Umsetzung der Forschungsmilliarde und Universitätsfinanzierung-neu

Utl.: Wider Stillstand und Rückschritt in Österreich – Appell zur
Umsetzung der Forschungsmilliarde und
Universitätsfinanzierung-neu =

Wien (OTS) -
Sehr geehrter Bundeskanzler Kern!
Sehr geehrter Vizekanzler Brandstetter!
Sehr geehrter Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Mahrer!
Sehr geehrter Finanzminister Schelling!
Sehr geehrte Bildungsministerin Hammerschmid!
Sehr geehrter Verkehrsminister Leichtfried!
Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung!
Sehr geehrte Klubobleute!
Sehr geehrte Wissenschaftssprecher/innen!
Sehr geehrte Abgeordnete des Nationalrats!

Auch in Zeiten anstehender Neuwahlen gilt: Eine aktive und
erfolgreiche Forschungsszene ist die Grundlage moderner
Wissensgesellschaften ‒ Voraussetzungen für Wachstum und
Beschäftigung sind Wissenschaft und Innovation. Österreich hat sich
im Bereich von Forschung, Technologie und Innovation durch den
Beschluss der Forschungsmilliarde (Herbst 2016), aber auch die
Universitätsfinanzierung-neu (Januar 2017) ambitionierte Ziele
gesetzt. Beide Vorhaben sind uneingeschränkt von nationalem und
nationalökonomischem Belang und wurden zu Recht besonders von Seiten
der wissenschaftlichen Gemeinschaft sowie der Forschungseinrichtungen
als wichtiges, dringend nötiges Signal eines neuen Aufbruchs
gewertet. Ein hochentwickeltes Land wie Österreich darf den unbedingt
notwendigen Anschluss an die Weltspitze im Bereich von Forschung,
Technologie und Innovation nicht verlieren.

Diesen so positiven bereits eingeschlagenen Weg gilt es nun
erfolgreich zu Ende zu gehen. Die generell sehr erfreuliche
Entwicklung der österreichischen Forschungslandschaft in den letzten
15 Jahren kann nur durch einen deutlichen Mittelzuwachs
(Forschungsmilliarde) und Strukturverbesserungen
(Universitätsfinanzierung-neu) fortgeführt werden. Heute ist
Österreich bereits, durch die Leistungen seiner Universitäten und
seiner außeruniversitären Forschungseinrichtungen, ein sehr
attraktiver Wissenschaftsstandort mit einer Vielzahl exzellenter
Forschungsgruppen, die an der Weltspitze mithalten und letztere
teilweise sogar mit-definieren. Doch um diesen Standard halten zu
können, ja verbessern zu können, gilt es auch in die Zukunft zu
blicken: Österreich muss jetzt die „besten Köpfe“ aller Disziplinen
ansprechen. Dafür muss Geld in die Hand genommen werden – durch die
seit Jahren prekäre finanzielle Ausstattung des FWF mit stagnierendem
Budget läuft unser Land Gefahr, mittel- bis langfristig an
Attraktivität für die Spitzenforscher/innen von morgen zu verlieren
und existentem kreativem Potential die Möglichkeit zur vollen
Entfaltung zu nehmen.

Nur eine rasche Umsetzung der Forschungsmilliarde und
Universitätsfinanzierung-neu kann die Österreichische Bundesregierung
beim ambitionierten Ziel, die Innovationskraft Österreichs bis 2020
deutlich zu steigern und ins europäische Spitzenfeld zu führen (siehe
Einleitung zum Ministerratsvortrag vom 8. November 2016),
unterstützen. So wie Forschung, Technologie und Innovation
zusammengehören, sind auch Wissenschaft, Demokratie und Gesellschaft
nicht zu trennen. Ohne Wissenschaft und Forschung sind keine
kritischen Debatten möglich, ohne Forschungsfinanzierung von
Grundlagenforschung und Universitäten kein Wachstum.

Die Junge Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
(ÖAW) unterstützt deshalb nachdrücklich den dringenden Appell der
Mitglieder der Allianz der österreichischen
Wissenschaftsorganisationen sowie der Vorsitzenden des
Österreichischen Wissenschaftsrates, des Rates für Forschung und
Technologieentwicklung (RFTE) und des ERA Council Forum Austria vom
29. Mai 2017 zur sofortigen Umsetzung der Forschungsmilliarde und
Universitätsfinanzierung-neu noch vor der Sommerpause.

Stillstand und daraus resultierender Rückfall im Bereich der
Wissenschaft und Innovation könnten den Wissenschafts- und
Wirtschaftsstandort Österreich, aber auch gesellschaftliche Bereiche
unseres Landes, ernsthaft gefährden ‒ deshalb jetzt Mut zum Handeln
zeigen! Erst die Durchsetzung beider genannten Vorhaben kann den gut
durchdachten, Jahre lang vorbereiteten Weg zur substanziellen
Qualitätsverbesserung in Forschung und Lehre als Basis für
internationale Spitzenleistungen im Bereich der Wissenschaft, die
ganz Österreich zugutekommen werden, zu einem erfolgreichen Abschluss
bringen.

Das Direktorium der Jungen Akademie

Julia Budka
Christian Hellmich
Barbara Kraus
Kristin Tessmar-Raible
Marie-Therese Wolfram

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