Offener Brief der Jungen Akademie an die Entscheidungsträger/innen der Republik

Wider Stillstand und Rückschritt in Österreich – Appell zur Umsetzung der Forschungsmilliarde und Universitätsfinanzierung-neu

Wien (OTS) - Sehr geehrter Bundeskanzler Kern!
Sehr geehrter Vizekanzler Brandstetter!
Sehr geehrter Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Mahrer!
Sehr geehrter Finanzminister Schelling!
Sehr geehrte Bildungsministerin Hammerschmid!
Sehr geehrter Verkehrsminister Leichtfried!
Sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung!
Sehr geehrte Klubobleute!
Sehr geehrte Wissenschaftssprecher/innen!
Sehr geehrte Abgeordnete des Nationalrats!

Auch in Zeiten anstehender Neuwahlen gilt: Eine aktive und erfolgreiche Forschungsszene ist die Grundlage moderner Wissensgesellschaften ‒ Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung sind Wissenschaft und Innovation. Österreich hat sich im Bereich von Forschung, Technologie und Innovation durch den Beschluss der Forschungsmilliarde (Herbst 2016), aber auch die Universitätsfinanzierung-neu (Januar 2017) ambitionierte Ziele gesetzt. Beide Vorhaben sind uneingeschränkt von nationalem und nationalökonomischem Belang und wurden zu Recht besonders von Seiten der wissenschaftlichen Gemeinschaft sowie der Forschungseinrichtungen als wichtiges, dringend nötiges Signal eines neuen Aufbruchs gewertet. Ein hochentwickeltes Land wie Österreich darf den unbedingt notwendigen Anschluss an die Weltspitze im Bereich von Forschung, Technologie und Innovation nicht verlieren.

Diesen so positiven bereits eingeschlagenen Weg gilt es nun erfolgreich zu Ende zu gehen. Die generell sehr erfreuliche Entwicklung der österreichischen Forschungslandschaft in den letzten 15 Jahren kann nur durch einen deutlichen Mittelzuwachs (Forschungsmilliarde) und Strukturverbesserungen (Universitätsfinanzierung-neu) fortgeführt werden. Heute ist Österreich bereits, durch die Leistungen seiner Universitäten und seiner außeruniversitären Forschungseinrichtungen, ein sehr attraktiver Wissenschaftsstandort mit einer Vielzahl exzellenter Forschungsgruppen, die an der Weltspitze mithalten und letztere teilweise sogar mit-definieren. Doch um diesen Standard halten zu können, ja verbessern zu können, gilt es auch in die Zukunft zu blicken: Österreich muss jetzt die „besten Köpfe“ aller Disziplinen ansprechen. Dafür muss Geld in die Hand genommen werden – durch die seit Jahren prekäre finanzielle Ausstattung des FWF mit stagnierendem Budget läuft unser Land Gefahr, mittel- bis langfristig an Attraktivität für die Spitzenforscher/innen von morgen zu verlieren und existentem kreativem Potential die Möglichkeit zur vollen Entfaltung zu nehmen.

Nur eine rasche Umsetzung der Forschungsmilliarde und Universitätsfinanzierung-neu kann die Österreichische Bundesregierung beim ambitionierten Ziel, die Innovationskraft Österreichs bis 2020 deutlich zu steigern und ins europäische Spitzenfeld zu führen (siehe Einleitung zum Ministerratsvortrag vom 8. November 2016), unterstützen. So wie Forschung, Technologie und Innovation zusammengehören, sind auch Wissenschaft, Demokratie und Gesellschaft nicht zu trennen. Ohne Wissenschaft und Forschung sind keine kritischen Debatten möglich, ohne Forschungsfinanzierung von Grundlagenforschung und Universitäten kein Wachstum.

Die Junge Akademie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) unterstützt deshalb nachdrücklich den dringenden Appell der Mitglieder der Allianz der österreichischen Wissenschaftsorganisationen sowie der Vorsitzenden des Österreichischen Wissenschaftsrates, des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) und des ERA Council Forum Austria vom 29. Mai 2017 zur sofortigen Umsetzung der Forschungsmilliarde und Universitätsfinanzierung-neu noch vor der Sommerpause.

Stillstand und daraus resultierender Rückfall im Bereich der Wissenschaft und Innovation könnten den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Österreich, aber auch gesellschaftliche Bereiche unseres Landes, ernsthaft gefährden ‒ deshalb jetzt Mut zum Handeln zeigen! Erst die Durchsetzung beider genannten Vorhaben kann den gut durchdachten, Jahre lang vorbereiteten Weg zur substanziellen Qualitätsverbesserung in Forschung und Lehre als Basis für internationale Spitzenleistungen im Bereich der Wissenschaft, die ganz Österreich zugutekommen werden, zu einem erfolgreichen Abschluss bringen.

Das Direktorium der Jungen Akademie

Julia Budka
Christian Hellmich
Barbara Kraus
Kristin Tessmar-Raible
Marie-Therese Wolfram

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Österreichische Akademie der Wissenschaften
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