- 17.05.2017, 09:00:05
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100 Jahre Verkehrsbüro - Teil 1: Vom Fahrkartenschalter zum Tourismusriesen - BILD/VIDEO/AUDIO

Wien (OTS) - 1917: Eine unwahrscheinliche Geburt
Die Bahnhöfe waren 1917 gesteckt voll mit Soldaten, Kriegsversehrten,
Gestrandeten. Das Transportsystem war fast zusammengebrochen. Doch
nach der Oktoberrevolution in Russland rechnete man mit einem
baldigen Ende des Kriegs – und dachte über Maßnahmen nach, um dem
zerstörten Tourismus auf die Beine zu helfen. Am 29. Dezember 1917
erfolgte die Geburtsstunde des „Österreichischen Verkehrsbureaus“,
gegründet im Auftrag des Eisenbahnministeriums vom Österreichischen
Verkehrsverband. Verkehrsbüro-Vorstand Helga Freund schildert: „Seine
Aufgabe war es, Eisenbahnfahrkarten zu verkaufen, ‚Propaganda‘ für
den Fremdenverkehr zu betreiben und den Tourismus neu zu beleben.“
1923: Verkehrsbüro voll in Fahrt
Das Geschäft mit der Sommerfrische boomte! Und das Verkehrsbüro kam
mit dem Verkauf von Fahrkarten gar nicht nach, 1921 wurden bereits
3,7 Millionen Tickets ausgestellt. 1923 wurde expandiert, was das
Zeug hielt: 363 Auslandsvertretungen, das Grand Hotel St. Wolfgang,
die Mithilfe bei der Gründung der ÖLAG, der ersten
Linienfluggesellschaft Österreichs nach dem Krieg – der Tourismus
hatte Hochkonjunktur und das Verkehrsbüro mit ihm. Als Krönung ließ
sich das Unternehmen 1923 ein neues, strahlendes Headquarter in der
Friedrichstraße errichten, das heutige Novomatic Forum. In die
Verlustphase geriet das Verkehrsbüro ab 1929 mit der
Wirtschaftskrise. Im Krieg wurde das Verkehrsbüro aufgelöst und in
das Mitteleuropäische Reisebüro des Großdeutschen Reichs
eingegliedert.
1950er: Urlaub für alle – die „Bäderdrahrer“
1945 waren 265 Tourismusbetriebe in Österreich mit fast 7000 Betten
komplett zerstört und ein Großteil beschädigt. Doch schon 1946 fand
man die ersten Sommerfrische-Annoncen in den Zeitungen. Das neu
gegründete Verkehrsbüro – es gehörte der staatlichen Eisenbahn, der
Stadt Wien, der Donau Save AG und weiteren Gesellschaften – peilte
ein neues Ziel an: Schaffung des preiswerten Erholungsurlaubs am
Mittelmeer für jedermann. Sogenannte „Bäderdrahrer“ – Busse oder Züge
– brachten Österreicher Samstagmorgen an die Obere Adria und fuhren
mit den Heimkehrern Samstagnacht wieder retour. 1948 reisten 300
Österreicher mit dem Verkehrsbüro ins Ausland nach Italien und
Jugoslawien. 1951 waren es schon 13.000. 1954 gründete das
Verkehrsbüro dann den „Austropa Express“. Diese internationalen
Rundreisezüge führten Reisende in fünf Tagen z.B. durch ganz Italien
von Rom bis Venedig – zwischen 700 und 900 Österreicher nahmen
jeweils daran teil. „In den 50er Jahren entwickelte sich so das
Verkehrsbüro vom Reisebüro für Touristen in Österreich zum
wichtigsten Reiseveranstalter für Auslandsreisen“, beschreibt Freund.
So kostete eine Autobuswochenendfahrt nach Budapest 380 Schilling.
Die Übernachtungen im Ausland stiegen 1955 innerhalb eines Jahres um
29,6 Prozent. 1961 machte das Verkehrsbüro einen Rekordumsatz von 520
Millionen Schilling. Damit wurden die Einnahmen innerhalb von zehn
Jahren verfünffacht.
1960er bis 1980er: Das Verkehrsbüro expandiert... in die Krise
Schluss mit den Eisenbahnkarten und her mit den Urlaubsreisen: Das
Verkehrsbüro expandierte stark, aber riskant. Vor dem Hintergrund
eines aufblühenden Tourismusangebots und explodierender Konkurrenz
kaufte es in großem Stil Hotels, dehnte sein Filialnetz in ganz
Österreich aus und erweiterte sein Sortiment bei Flügen, Ferienreisen
und beim Städtetourismus – überall, wo man Zukunftschancen sah. 1968
etwa war es Mitbegründer des ersten Österreichischen
Reiseveranstalters für Flugreisen, Touropa, 1970 folgte die Airtour
Austria. „Das war der Start des Flugreisenbooms in Österreich“,
schildert Freund.
1974 war das Verkehrsbüro, das mittlerweile mehrheitlich der Republik
gehörte, bereits ein Großkonzern mit 17 Beteiligungen. Freund: „Der
starke Ausbau vor dem Hintergrund des Ölpreisschocks und seiner
Folgen stürzte das Unternehmen aber in die größte Krise seiner
bisherigen Existenz“. Zwischen 1978 und 1980 wurde aus einem Gewinn
von 1,6 Millionen Schilling ein Verlust von minus 66,9 Millionen.
Erst mit neuem Management und einem rigorosen Sanierungsprogramm
bekam das Verkehrsbüro das Problem ab 1984 in den Griff.
1980er und 90er: Outgoing-Riese und größter Hotelkonzern
Österreichs
Für das Verkehrsbüro war das knappe Vorbeischrammen am
Unternehmensende ein einschneidendes Erlebnis: „Von diesem Zeitpunkt
an wurden alle Expansionsentscheidungen mit der Frage des konkreten
Umsatzwachstums verknüpft“, sagt Freund – und es folgte eine blühende
Phase des jährlichen Wachstums. Das Ziel der nächsten Expansion: das
Outgoing-Geschäft zu stärken. Um 34 Millionen Schilling kaufte das
Verkehrsbüro das Reisebüro Intropa und stieg 1986 zu 50 Prozent beim
Reiseveranstalter Austropa ein. Zwei Jahre später erfolgt die
Umwandlung in eine AG mit einem Grundkapital von 120 Millionen
Schilling.
1990 wurde der ehemalige Staatskonzern privatisiert und gehörte
sodann der Girozentrale und Bank der österreichischen Sparkassen AG,
Zentralsparkasse und Kommerzialbank AG und Generaldirektor Galler.
1997 schaffte die Verkehrsbüro-Gruppe mit der Fusion der Austropa
Hotels und Austria Trend Hotels den größten Hotelkonzern Österreichs
mit 30 Häusern. Und 1998 übernahm sie das innovative
Incoming-Unternehmen Eurotours. In diesem Jahr stieg der Jahresgewinn
von 81 Millionen Schilling auf 135 Millionen Schilling.
2004: Hochzeit der Giganten am Reisebüromarkt
2004 war das Verkehrsbüro ein Konzern mit 30 Töchtern. Unter anderem
hatte die Gruppe 121 Verkehrsbüro-Reisebüros und war damit die größte
Reisebürokette in Österreich, abgesehen vom Franchise-System der
TUI-Gruppe. Dann aber kam der größte Coup der Branche: Das
Verkehrsbüro erwarb die Reisebürokette Ruefa und wurde damit zum
einzigen Big Player. „Mit 120 Filialen in Österreich und einem Umsatz
von rund 180 Millionen Euro war Ruefa der größte Mitbewerber am Markt
gewesen“, schildert Generaldirektor Harald Nograsek. 2010 wurden
schließlich alle Filialen unter der Marke Ruefa zusammengeführt –
heute gibt es 108 Ruefa-Filialen.
2011: Verkehrsbüro Group auf Expansionskurs in die Zukunft
Mit 9/11 im Jahr 2001 hat sich das Reiseverhalten verändert.
Sicherheitsbedenken stehen im Vordergrund. Auch Sharing Communities
machen der Branche Konkurrenz – Stichwort AirBnB. „Das Verkehrsbüro
sorgt mit strategischen Expansionen dafür, dass es immer am Ball
bleibt“, so Nograsek. Mit AX Travel Management, Jumbo Touristik und
Palais Events stießen 2011 drei neue Unternehmen zum Konzern, die dem
Verkehrsbüro die Marktführerschaft im Outgoing-Bereich, im
Eventbereich und bei Geschäftsreisen sichern. Mit der Eröffnung der
ersten Motel One in Salzburg und Wien stieg die Gruppe in den
Budget-Design-Hotelmarkt in Form eines Joint-Venture ein.
2017: Das Verkehrsbüro - Solide Ausrichtung für die Zukunft
Die „Ära Nograsek“ brachte in den vergangenen zehn Jahren eine
Modernisierung und Umorganisation des Konzerns, die ihn auf eine
wirtschaftliche solide Basis stellte, die sich in kontinuierlichen
schwarzen Zahlen niederschlug. Das Verkehrsbüro trennte sich von der
Kulinariksparte und fokussierte sich strategisch auf die Bereiche
Reise, Hotels und Events.
Für die Eigentümer – AVZ Holding (60,98 Prozent), die Vienna
Insurance Group (36,58 Prozent) und die Toth Privatstiftung (2,44
Prozent) – gab es regelmäßig ansehnliche Dividenden; für die Jahre
2007 bis 2015 betrug die Ausschüttung kumuliert 112,6 Millionen Euro.
Heute hat die Verkehrsbüro Group rund 2800 Mitarbeiter und ist
geschäftlich diversifiziert und gut aufgestellt. „Wir haben die
letzten Jahre hart daran gearbeitet, um wieder an die Erfolge vor der
Wirtschaftskrise anzuschließen. Das vergangene Jahr kann sich sehen
lassen“, so Nograsek. Im Geschäftsjahr 2016 erhöhte sich das
Konzernergebnis vor Steuern nach IFRS bei einem Konzernumsatz von
870,3 Millionen Euro um 61,4 Prozent auf 15,4 Millionen Euro. Die
Eigenkapitalquote beträgt 32,6 Prozent „Unsere Kapitalausstattung und
Bonität liegt damit weit über dem österreichischen
Branchendurchschnitt mit rund 17 Prozent“, so Nograsek. Die
Verkehrsbüro-Group umfasst heute 27 Austria Trend Hotels, 108
Ruefa-Reisebüros, Eurotours, Palais Event, Business-Travel und AX
Travel und bedient über 2 Millionen Kunden.
Und auch 2017 entwickelt sich bislang durchaus zufriedenstellend: So
gab es heuer in den ersten vier Monaten bei Urlaubsreisen ein
Umsatzplus von 5,5 Prozent auf 166 Millionen Euro, im Segment
Business Travel eines von 6,4 Prozent auf 56,0 Millionen Euro und in
der Hotellerie einen Zuwachs von 8,2 Prozent auf 51,7 Millionen Euro.
Nograsek: „2017 läuft das Geschäft ausgezeichnet in der Verkehrsbüro
Group. Wir spüren die positive Stimmung bei unseren Kunden, keine
Spur von zurückhaltenden Buchungen wie im letzten Jahr. Es wurde
heuer sehr früh gebucht für den Sommerurlaub. Und: Es wird so viel
Geld wie noch nie für Urlaube in die Ferne ausgegeben. Jeder dritte
Österreicher will heuer in die Ferne, um fünf Prozent mehr als im
Vorjahr.“ Das hat einerseits mit dem gestiegenen Urlaubsbudget zu
tun, andererseits damit, dass bestimmte sichere Fernziele als
Alternative zu Mittelmeerländern gebucht werden.
Für den restlichen Verlauf des Jahres ist der scheidende
Verkehrsbüro-General ebenfalls zuversichtlich: Er geht von einer
weiteren Ergebnissteigerung aus – vorausgesetzt es kommt zu keinen
unvorhersehbaren, dramatischen Ereignissen.
Alle historischen Fotos, das Video, die Infografik, Präsentation
sowie weitere Presseaussendungen unter:
bitly.com/Verkehrsbuero100Jahre
Download und Einbindungsdetails:
https://www.apa-ots-video.at/video/c86d16b9af5e463fad16b9af5e563f5c
Bilder folgen ab ca. 11:00:
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