• 16.05.2017, 12:14:35
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  • OTS0123

IGP Dialog: Europa muss sich aktiv in F&E-Diskurs einbringen

Forschungsstandort Europa fällt international zurück - Video: Wissenschaftlicher Transfer ist Grundvoraussetzung für höhere Akzeptanz von Forschung und Entwicklung sowie Innovation

Utl.: Forschungsstandort Europa fällt international zurück - Video:
Wissenschaftlicher Transfer ist Grundvoraussetzung für höhere
Akzeptanz von Forschung und Entwicklung sowie Innovation =

Wien (OTS) - Der vierte IGP Dialog stand im Zeichen der
Rahmenbedingungen von Forschung und Entwicklung. Zum Thema "Zurück
ins Paradies oder vorwärts in die Vergangenheit: Wie technophob ist
Europa?" diskutierte das hochkarätig besetzte Podium das
Zustandekommen von Regularien vor dem Hintergrund des öffentlichen
Diskurses, der zunehmend von Emotionen und Meinungen, weniger von
wissenschaftlichen Fakten dominiert wird. Gleichzeitig war sich das
Podium einig, dass der Bedarf an technologischen Lösungen noch nie so
hoch war wie aktuell, und dass sich Europa international in den
Technologie- und Innovationsdiskurs einbringen müsse. Nach einer
Begrüßung durch IGP Obmann Christian Stockmar und einer einführenden
Keynote von Humangenetiker Markus Hengstschläger, Medizinische
Universität Wien, diskutierten Sebastian Theissing-Matei von
Greenpeace, Gutsverwalter und Landwirt Maximilian Hardegg und Kurt
Koleznik, Generalsekretär der Fachhochschul-Konferenz. Durch die
Veranstaltung in der Wiener Labstelle führte Martina Salomon.

Stockmar: Regulatorische Entscheidungen basieren zunehmend auf
Populismus

"Bei der Beurteilung eines Risikos gibt es zwei Gruppen: Jene, die
faktenbasiert und mit wissenschaftlichen Daten ein Risiko beurteilen,
und jene, die polemisch, populistisch und risikoscheu argumentieren
sowie nicht verifizierte Fakten verbreiten – vor allem in Form von
Kampagnen", warnt Stockmar. Im Rahmen eines Gerichtsprozesses wurde
eine Kampagne etwa damit argumentiert, dass man keinesfalls Fakten,
sondern nur nicht verifizierbare Meinungen verbreiten würde. "Und um
für diese Gehör zu finden, wende man das Mittel der Übertreibung an",
verweist Stockmar auf eine Verteidigungsschrift von Greenpeace. "Die
Devise scheint also zu sein: Wer lauter schreit, findet eher Gehör."
Als Beispiel nennt Stockmar hier die Bienenverluste. NGOs sprechen
von einem Bienensterben, während aktuelle Zahlen der EU-Kommission
von einer zunehmenden Zahl an Bienenvölkern berichten. "Auf dieser
Basis werden politische und regulatorische Entscheidungen getroffen",
betont Stockmar.

Hengstschläger: Forschung nimmt stetig zu, da Lösungen
gebraucht werden

"Grundlagenforschung und angewandte Forschung haben noch nie so
schnell zugenommen. Aber es wurden auch noch nie so viele und rasche
Lösungen gebraucht", meint Hengstschläger in seiner Keynote. Trotzdem
könne man deshalb nicht hemmungslos forschen, "es braucht klare
Regeln in Form von Gesetzen und ethischen Normen, denn letzten Endes
kann man mit jeder Technologie Unsinn stiften", sagt Hengstschläger,
der bei der anschließenden Podiumsdiskussion aber auch in die andere
Richtung Handlungsbedarf sieht. "Wenn man neue Technologien
verwendet, muss man sich ethisch rechtfertigen. Das sollte auch so
sein, wenn man die Anwendung von modernen Technologien unterlässt.
Aber eines muss klar sein: Eine Bewertung basiert immer auf dem
aktuellen Stand der Wissenschaft." Hengstschläger betont, dass eine
technophile Einstellung in der Hinsicht gut sei, dass eine bessere
Technologie immer die schlechtere ablöse und diese wieder
verschwinde.

Theissing-Matei: Vorsorgeprinzip in Europa ist eine
Errungenschaft

Dem pflichtet auch Theissing-Matei bei: "Wenn es darum geht, alte
Technologien durch bessere zu ersetzen, kann ich das auch
befürworten. Werden zum Beispiel Kohlekraftwerke durch Windräder
ersetzt, dann ist das gut. Aber nicht alles, was man tun kann, sollte
man auch tun – da braucht es Risikobewertungen. Ich muss hier auch
klar sagen: Wir können in Europa auf das Vorsorgeprinzip stolz sein."

Koleznik: Fortschritt braucht auch wissenschaftlichen Transfer

"Um im Paradies zu bleiben, müssen wir einen wissenschaftlichen und
sozialen Transfer schaffen, denn die Änderungsgeschwindigkeit nimmt
zu. Hier müssen wir uns politisch anpassen und auch die Gesellschaft
teilhaben lassen. Dazu brauchen wir mehr Kommunikation", so Koleznik.
Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft funktioniere im
Großen und Ganzen gut, es gebe aber Luft nach oben.

Hardegg: Europa muss sich in moderne Technologien einklinken

"Österreich ist etwas zu sehr dem Sicherheitsdenken verhaftet", meint
Hardegg. "Das Problem ist, dass die ethische Komponente immer hinten
nach ist." In der öffentlichen Diskussion gibt es aus seiner Sicht
zwei Gruppierungen: "Moralisierer und Verantwortungsbewusste. Aber
mit Ideologie kommen wir nicht weiter, wir sollten vielmehr wieder
zur Vernunft zurückkehren. Denn im Bereich Pflanzenschutz wandern
immer mehr Unternehmen ab. Damit wird der europäische Standort
kleingemacht. Europa muss sich aber vielmehr in die modernen
Technologien einklinken, sonst entwickeln andere Länder Technologien,
die wir nicht haben wollen."

Videos zur Veranstaltung:
Kurzversion Video: https://youtu.be/gJfqVIATf4E
Langversion Video: https://youtu.be/vngwQyd9-cc

Bilder zur Veranstaltung:
http://igpflanzenschutz.at/archives/press/844827.zip
(Credits: Georges Schneider/IGP)
Bild 1, Gruppenfoto (v.l.n.r.): Markus Hengstschläger (Medizinische
Universität Wien), Christian Stockmar (IGP Obmann), Martina Salomon
(Kurier), Maximilian Hardegg (Gutsverwalter und Landwirt), Kurt
Koleznik (Generalsekretär der Fachhochschul-Konferenz) und Sebastian
Theissing-Matei (Greenpeace)
Bild 2, Podium (v.l.n.r.): Sebastian Theissing-Matei (Greenpeace),
Maximilian Hardegg (Gutsverwalter und Landwirt), Kurt Koleznik
(Generalsekretär der Fachhochschul-Konferenz) und Markus
Hengstschläger (Medizinische Universität Wien)
Bild 3: Keynote-Speaker Markus Hengstschläger (Medizinische
Universität Wien)
Bild 4: Begrüßung durch IGP Obmann Christian Stockmar.

Hintergrund

Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) ist die
Interessengemeinschaft der Pflanzenschutzmittel-produzierenden
Unternehmen in Österreich. Ihre Kernaufgabe liegt in einer offenen
und sachlichen Information rund um das Thema Pflanzenschutz. Dabei
steht die IndustrieGruppe Pflanzenschutz als Gesprächspartner für
Politik, Verwaltung und Umweltorganisationen zur Verfügung. Die 15
Mitglieder der IndustrieGruppe Pflanzenschutz sind die wichtigsten
Produzenten und Händler von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. Sie
beschäftigen rd. 370 Mitarbeiter und erwirtschaften pro Jahr ca. 130
Millionen Euro an Umsatz.

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