- 15.05.2017, 20:53:12
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Filmabend im Parlament zur Geschichte der Tiroler Wehrmachtsdeserteure
Karlheinz Kopf würdigt die, "die nicht bereit waren mitzumachen"
Utl.: Karlheinz Kopf würdigt die, "die nicht bereit waren
mitzumachen" =
Wien (PK) - Sie waren nicht bereit mitzumachen. Deserteure und
Kriegsdienstverweigerer spielten in Nord- und Südtirol eine zentrale
Rolle im Kampf gegen Wehrmacht und SS. Ein Film- und Diskussionsabend
im Parlament würdigte heute ihren Beitrag zur Befreiung und erinnerte
dabei an ein fast schon vergessenes Kapitel der Zeitgeschichte.
Eine ORF-Dokumentation von Bert Breit aus dem Jahr 1995 unter dem
Titel "Wir waren nicht bereit mitzumachen" beleuchtete die Geschichte
der Deserteure in Südtirol, während "Verfemt - Die Deserteure im
Vomperloch" von Georg Laich aus dem Jahr 2015 den Blick auf Nordtirol
richtet, wo eine Gruppe von Deserteuren in einem entlegenen Seitental
unweit von Innsbruck zwei Winter ausharrte. Beide Filme erzählen vom
schwierigen Überleben, aber auch von Verfolgung und Tod und sparen
dabei auch den widersprüchlichen Umgang mit dem Thema in der Zeit
nach dem Krieg nicht aus.
Kopf: Geschichte der Deserteure wurde lange Zeit ausgeblendet
Zweiter Nationalratspräsident Karlheinz Kopf, der als Gastgeber neben
Bundesratspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann und dem ehemaligen
Nationalratspräsidenten Andreas Khol auch den Sprecher des Komitees
"Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz", Richard Wadani,
sowie zahlreiche Angehörige von Deserteuren begrüßen konnte,
erinnerte an den langen Weg bis zur vollen gesetzlichen
Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure im Jahr 2009. Während des
Krieges seien die Deserteure als Verräter verfolgt worden, aber auch
nach dem Krieg habe man sie oft gesellschaftlich geächtet. Die
heutige Veranstaltung sieht Kopf nun als Beitrag, Licht in ein Thema
zu bringen, das jahrelang aus der zeitgeschichtlichen Wahrnehmung
ausgeblendet war.
Gahr: Deserteure sind Teil einer gemeinsamen Geschichte von Nord- und
Südtirol
Es sei lange geschwiegen worden, bestätigte auch der Obmann des
Südtirol-Unterausschusses, ÖVP-Abgeordneter Hermann Gahr. Die
Geschichte der Wehrmachtsdeserteure sei ein sensibles Thema, das in
einem gewissen Maß spaltet. Die beiden Dokumentationen bieten nicht
nur eine Chance für die historische Aufarbeitung, sie zeigen auch,
"dass es ein gemeinsames Tirol mit einer gemeinsamen Geschichte
gibt", betonte der Tiroler Mandatar.
Podiumsgespräch: Geschichte der Wehrmachtsdeserteure darf nicht
vergessen werden
In einem Podiumsgespräch, das Georg Laich vom ORF Tirol moderierte,
erinnerte die Historikerin Martha Verhofer aus Bozen an die
Unterstützung der Deserteure durch die Frauen, die selbst oft Opfer
von Sippenhaft wurden. Hubert Innerebner berichtete von positiven
Reaktionen auf sein öffentliches Bekenntnis zu seinem Vater, einem
Deserteur aus dem Vomperloch, meinte aber, man habe dieses "lästige
Thema" in der Nachkriegszeit lange nicht aufgearbeitet. Das
gesellschaftliche Umfeld habe sich mittlerweile geändert, es sei
einiges in Bewegung geraten, konstatierte der Wiener Historiker Peter
Pirker unter Hinweis auf das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz.
Hier knüpfte auch Matthias Breit an, der in Absam ein Museum mit
einer der Geschichte der Deserteure gewidmeten Abteilung leitet. Er
appellierte in diesem Zusammenhang mit Nachdruck an das Parlament,
ein Zeichen der Erinnerung für den ehemaligen Deserteur Franz Weber
zu setzen, der nach dem Krieg als Nationalratsabgeordneter und
Mitglied des Bundesrats im Hohen Haus tätig war. (Schluss) hof
HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website
des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV
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