- 07.05.2017, 10:15:52
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- OTS0012
Junge Flüchtlinge: Volksanwaltschaft bestätigt Kritik von SOS-Kinderdorf
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind nach wie vor zahlreichen Ungleichbehandlungen ausgesetzt
Utl.: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind nach wie vor
zahlreichen Ungleichbehandlungen ausgesetzt =
Wien (OTS) - „Der aktuelle Bericht der Volksanwaltschaft zeigt
deutlich, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach wie vor
zahlreichen Ungleichbehandlungen ausgesetzt sind“, sagt
SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. „Wir appellieren
daher weiterhin an Bund und Länder, endlich dafür zu sorgen, dass
jedes Kind und jeder Jugendliche in Österreich die gleichen Chancen
erhält.“
Weiterhin nur „grundversorgt“
Kann ein Kind nicht von seinen Eltern versorgt werden, hat laut
Gesetz der Staat einzuspringen. „Die Kinder- und Jugendhilfe ist
verpflichtet, für die bestmögliche Betreuung, Förderung und
Ausbildung aller Kinder zu sorgen – völlig unabhängig davon, wo diese
jungen Menschen geboren sind”, sagt Moser. Dies ist - das hält die
Volksanwaltschaft in ihrem Bericht ganz klar fest – im Fall von
tausenden unbegleiteten minderjähren Flüchtlingen nicht gegeben. Denn
viele werden weiterhin nur „grundversorgt“ – das heißt, sie leben in
Grundversorgungseinrichtungen ohne individuelle Betreuung,
Tagesstruktur und Perspektive.
SOS-Kinderdorf fordert, dass alle jungen Menschen in Fremdbetreuung
nach denselben hohen Kinder- und Jugendhilfestandards betreut werden.
So ist es auch im Gesetz verankert. Das stellt ein von SOS-Kinderdorf
in Auftrag gegebenes Gutachten fest
(www.sos-kinderdorf.at/gleichechancen). Werden einem Kind oder einem
Jugendlichen diese Leistungen verwehrt, können diese Ansprüche bei
den zuständigen Verwaltungs- oder Bezirksgerichten eingeklagt werden.
„Individuelle Betreuung und Förderung sind unabdingbar für die
Integration – genauso wie eine gute Ausbildung“, sagt
SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser.
Lange Asylverfahren produzieren Langzeitarbeitslosigkeit
SOS-Kinderdorf kritisiert außerdem die viel zu lange
Asylverfahrensdauer. „Es ist unzumutbar, dass Menschen zum Teil
jahrelang auf die Erledigung ihres Verfahrens warten“, sagt Moser.
Ein Großteil der rund 300 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge,
die SOS-Kinderdorf derzeit betreut, lebt im Ungewissen. Der
neunjährige Morteza zum Beispiel wartet seit über 20 Monaten auf die
Erledigung seines Verfahrens, zwei 14-jährige Afghanen, seit fast 2
Jahren im Land, wurden noch nicht einmal zum ersten Interviewtermin
geladen. „Wie sollen sich junge Menschen integrieren, wenn sie nicht
wissen, wie es mit ihnen weitergeht?“ fragt Moser. „Die
Bundesregierung hat sich für rasche Verfahren ausgesprochen – dies
muss nun endlich umgesetzt werden.“
Zuletzt hatte auch AMS-Vorstand Johannes Kopf die lange
Verfahrensdauer kritisiert. Qualifikationen würden veralten, die
Arbeitsmotivation sinken und Langzeitarbeitslosigkeit produziert.
Dies sei besonders problematisch bei Jugendlichen, so Kopf.
„Das deckt sich mit unseren Erfahrungen“, sagt
SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser. „Für junge Menschen
ist ein Leben in der Warteschleife schwer zu ertragen. Sie wollen
etwas lernen, sich nützlich machen – und verstehen die Welt nicht
mehr, wenn sie von allen Seiten ein Nein zu hören bekommen“, so
Moser.
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