• 03.05.2017, 10:14:39
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  • OTS0073

Den Tumor verstehen: Neues Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics erforscht duale Biomarker zur Krebsdiagnose

Die Kombination von Liquid Biopsy und Nuklearmedizin zur personalisierten Diagnose von Prostata- und Dickdarmkrebs soll eine gezielte Therapie vorbereiten.

https://www.apa-fotoservice.at/galerie/8754 Im Bild
v.l.n.r.: Mag. Wolfgang Neurath (Bundesministerium für Wissenschaft,
Forschung und Wirtschaft), Prof. Dr. Markus Müller (Rektor
Medizinische Universität Wien), Assoc.-Prof. Dr. Gerda Egger
(stellvertretende Leiterin Ludwig Boltzmann Institut Applied
Diagnostics), Prof. Dr. Markus Mitterhauser (Leiter Ludwig Boltzmann
Institut Applied Diagnostics), Mag. Claudia Lingner
(Geschäftsführerin Ludwig Boltzmann Gesellschaft) und DI Josef Pröll
(Präsident Ludwig Boltzmann Gesellschaft) bei der Eröffnungsfeier
des Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics

Utl.: Die Kombination von Liquid Biopsy und Nuklearmedizin zur
personalisierten Diagnose von Prostata- und Dickdarmkrebs soll
eine gezielte Therapie vorbereiten. =

Wien (OTS) - "Jeder Tumor ist anders, ein Tumor agiert fast wie ein
Lebewesen, das die besten Strategien entwickelt, um in einem
bestimmten Menschen zu überleben. In der Medizin sprechen wir von
Tumorheterogenität. Deshalb ist eine personalisierte individuelle
Diagnose gerade bei Krebs so wichtig. Wir wollen in einem möglichst
frühen Stadium der Krebserkrankung in der Lage sein, den Tumor zu
charakterisieren, seine Aggressivität zu beurteilen und zu erkennen,
ob er Metastasen gebildet hat. Je besser wir einen Tumor verstehen,
desto gezielter kann die Therapie für die Patientin oder den
Patienten gesteuert werden", so Markus Mitterhauser, Leiter des
Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics, anlässlich der
Eröffnungsfeier am 2. Mai 2017.

Das Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics nahm im September
2016 seine Arbeit auf und beschäftigt sich speziell mit der Diagnose
von Prostatakrebs und Dickdarmkrebs. Laut Weltgesundheitsorganisation
ist Prostatakrebs bei Männern der am häufigsten diagnostizierte
Tumor, Dickdarmkarzinom steht bei Männern an dritter Stelle und bei
Frauen an zweiter Stelle der diagnostizierten Krebserkrankungen.

Inzwischen wurden am Institut die vier Forschungsgruppen eingerichtet
und die ersten Projekte gestartet. Insgesamt arbeiten 15
WissenschaftlerInnen aus sieben Ländern am Institut, darunter fünf
Key-researcher und zwei Postdocs. Die WissenschaftlerInnen arbeiten
interdisziplinär und stammen aus den Fachgebieten Molekularbiologie,
Chemie, Medizin und Gesundheitsökonomie. "Wer bei der Ausschreibung
für ein Ludwig Boltzmann Institut reüssiert, den erwarten gute
Rahmenbedingungen für Spitzenforschung in einer Größenordnung, die
auch internationale Sichtbarkeit erlangen kann", so Josef Pröll,
Präsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, anlässlich der
Eröffnungsfeier.

Duale Biomarker für die Diagnose von Prostata- und
Dickdarmkrebs

Die Teams am LBI Applied Diagnostics erforschen den Einsatz von
sogenannten dualen Biomarkern für die Diagnose von Prostata- und
Kolonkarzinom. Duale Biomarker kombinieren zwei wichtige Technologien
zur Krebsdiagnose: molekularbiologische Tumordiagnostik (Liquid
Biopsy) und molekulare Bildgebung mittels Nuklearmedizin und
Radiopharmaka. "Wir sind weltweit die ersten, die speziell zum Thema
duale Biomarker forschen, und versprechen uns von unserer
Forschungsarbeit ein besseres Verständnis der Tumore und dadurch eine
viel genauere Diagnostik", so Institutsleiter Mitterhauser.

Liquid Biopsy soll langfristig schmerzhafte Biopsie ersetzen

Mit Liquid Biopsy können bösartige genetische und biochemische
Veränderungen in Tumoren anhand von Tumor-DNA oder zirkulierenden
Tumorzellen im Blut erkannt werden. Sieht man sich diese
Veränderungen der Tumor-DNA in den Blutproben genau an, können
Rückschlüsse auf die Art des Tumors gezogen werden und die
Aggressivität des Tumors beurteilt werden. "Je besser wir die
biochemischen Veränderungen im Tumor verstehen, desto besser
funktioniert die Diagnose und auch die nachfolgende Therapie. Die
Liquid Biopsy hat außerdem den Vorteil, dass den Patientinnen und
Patienten sehr schmerzhafte Gewebebiopsien erspart bleiben. Wir
brauchen nur eine Blutprobe, die wir dann im Labor analysieren. Auch
aus diesem Grund arbeiten wir daran, dass wir langfristig die Anzahl
an invasiven Biopsien durch Liquid Biopsy vermindern können", erklärt
Molekularbiologin Gerda Egger, die stellvertretende Institutsleiterin
ist und die Forschungsgruppe Molekularpathologie leitet.

Aus den Ergebnissen der Liquid Biopsy werden die Informationen
gewonnen, mit denen das richtige Radiopharmakon für jeden Menschen
identifiziert und hergestellt werden kann. Die molekulare Bildgebung
mittels nuklearmedizinischer Methoden ist der zweite Schritt beim
Einsatz von dualen Biomarkern. Radiopharmaka, also radioaktive
Arzneimittel, dienen dazu, die molekularen Veränderungen in
bösartigem Gewebe darzustellen und zu Bildern zu machen. "Das ist
eine besonders genaue Methode", erklärt Nuklearmediziner
Mitterhauser. "Das Radiopharmakon wird der Krebspatientin oder dem
Krebspatienten initiiert, es verteilt sich zuerst im ganzen Körper,
bleibt am Ende aber genau am Tumor und an den Metastasen haften. Ein
klassisches Radiopharmakon ist etwa radioaktiver Zucker. Mit dem
Radiopharmakon im Körper kommt die Patientin oder der Patient in
einen Scanner, wo wir mit molekularer Bildgebung das Radiopharmakon
aufspüren und den Tumor genau ansehen und charakterisieren können."
Daran arbeitet die Forschungsgruppe "Imaging Biomarkers", die vom
Chemiker Thomas Mindt geleitet wird.

"Uns geht es bei unserer Forschung nicht um die Bildgebung per se.
Wir interessieren uns vielmehr für die Information, die in den
Bildern steckt, wir wollen die Biochemie im Tumor verstehen. Je
besser wir die biochemischen Veränderungen durchschauen, desto
genauer können wir den Tumor diagnostizieren und kann eine Therapie
gesteuert werden", so Mitterhauser. "Der Einsatz von dualen
Biomarkern soll eine zielgenaue Therapie vorbereiten. Die Ergebnisse
aus unserer Forschung fließen schrittweise und laufend in die
Diagnostik und Therapie für die PatientInnen ein. Das ist für uns
besonders wichtig, denn erstens kommt unsere Grundlagenforschung ohne
Zeitverzögerung bei den PatientInnen an und zweitens gibt uns die
Anwendung in der Klinik wichtige Rückmeldungen für unsere Arbeit."
Die Forschungsgruppe "Klinische Anwendungen" wird vom Mediziner
Markus Zeitlinger geleitet.

Eine weitere Forschungsgruppe am Institut, geleitet von der
Gesundheitsökonomin Judit Simon, beschäftigt sich speziell mit
ethischen Fragen der Krebsdiagnostik und mit Gesundheitsökonomie,
also den Kosten für das Gesundheitssystem.

Das Ludwig Boltzmann Institut Applied Diagnostics wurde von der
Ludwig Boltzmann Gesellschaft GmbH zusammen mit der Medizinischen
Universität Wien, GE Healthcare Ltd. (Großbritannien), einigen
Unternehmen der Molecular Diagnostic Group (Deutschland), Hermes
Medical Solutions AB (Schweden), IASON GmbH (Österreich) und Oncotest
GmbH (Deutschland) gegründet.

www.applied-diagnostics.at

Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft schafft die Rahmenbedingungen,
damit gezielt neue Forschungsthemen in Österreich angestoßen werden.
Die LBG gibt Freiraum zum Querdenken und behandelt gesellschafts- und
zukunftsrelevante Forschungsfragen. In 18 Instituten und Clustern
werden Themen aus den Health Sciences und den Geistes-, Sozial- und
Kulturwissenschaften erforscht.
www.lbg.ac.at

Weitere Bilder unter: https://www.apa-fotoservice.at/galerie/8754

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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