- 04.04.2017, 11:40:01
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Weltgesundheitstag: Impfprogramme - eine beispiellose Erfolgsgeschichte
Drastischer Rückgang von Infektionskrankheiten – gesellschaftlicher Nutzen zu wenig bekannt
Utl.: Drastischer Rückgang von Infektionskrankheiten –
gesellschaftlicher Nutzen zu wenig bekannt =
Wien (OTS) - Beim Thema Impfen drehen sich die Diskussionen meist um
weit mehr als nur die nackten Tatsachen. Denn die wären eindeutig,
wie ein Faktencheck anlässlich des bevorstehenden
Weltgesundheitstages zeigt. Impfungen gehören – medizinisch gesehen –
zu den größten Errungenschaften der jüngeren Geschichte. Ohne die
entsprechenden Impfstoffe und Impfkampagnen würden auch in Europa
immer noch Menschen an Lähmungserscheinungen infolge von
Poliomyelitis leiden, jedes Jahr tausende Säuglinge und Kleinkinder
in Österreich mit einer Rotaviren-Infektion ins Spital kommen oder
Kinder an Hirnentzündungen, ausgelöst durch Masern, sterben. Dennoch
bleibt die Impfskepsis weit verbreitet: Die Gründe reichen vom
wahrgenommenen „Geschäft mit der Angst“ über die Furcht vor schweren
Nebenwirkungen bis zur Annahme, dass es besser sei, Kinderkrankheiten
„durchzumachen“ als Kinder impfen zu lassen.
Die Fakten sind: Die Immunisierung durch Impfungen verhindert
jährlich etwa zwei bis drei Millionen Todesfälle. Weitere 1,5
Millionen Menschen könnten vor dem Tod bewahrt werden, wenn sich die
globale Durchimpfungsrate erhöhen würde. (1)
Polio(myelitis) so gut wie ausgerottet, Pocken nicht mehr
existent
Noch 1988 war Polio in 188 Ländern der Welt endemisch und verursachte
etwa 350.000 Krankheitsfälle. In einem von 200 Fällen kam es als
Folge der Erkrankung zu Lähmungserscheinungen, fünf bis zehn Prozent
davon kamen ums Leben. Eine Heilung gibt es nicht, einzige
Schutzmöglichkeit ist die Impfung. Durch die Einführung globaler
Impfprogramme ist Polio heute so gut wie ausgerottet. 2015 waren
gerade einmal 74 Erkrankungen in drei Ländern (Afghanistan, Pakistan
und Nigeria) bekannt. Das ist ein Rückgang von mehr als 99 Prozent.
(2) Tatsächlich durch ein weltweites Impfprogramm ausgerottet werden
konnten die Pocken, und das in einem Zeitraum von nur 14 Jahren. Der
letzte Fall ist 1977 aufgetreten. (3)
Rotavirus-Impfung erspart Kleinkindern Krankenhausaufenthalt
Weniger gut steht es weltweit um den Rotaviren-Brechdurchfall. Die
WHO schätzt, dass an dieser Erkrankung jährlich 527.000 Kinder
sterben. Und das, obwohl die Krankheit durch eine einfache
Schluck-Impfung vermeidbar wäre. Symptome sind Erbrechen, Durchfall,
Fieber, manchmal auch Ohrenschmerzen. Frühgeborene sind besonders
gefährdet, durch die Infektion mit dem Virus schwere Komplikationen
zu erleiden. Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten können
Kinder sogar mehrfach an einer Rotaviren-Infektion erkranken. Bevor
ein Impfstoff zur Verfügung stand, wurden auch in Österreich jährlich
2.900 bis 4.400 Kinder mit einer Rotaviren-Infektion stationär
behandelt. (4) Seit die Impfung 2007 ins österreichische Gratis -
Kinderimpfprogramm aufgenommen wurde, konnte die
Hospitalisierungsrate um 90 Prozent gesenkt werden. Sogar eine
Herdenimmunität konnte erreicht werden. (5) Das bedeutet, dass schon
nach einigen Jahren jene Kinder und Säuglinge vor der Erkrankung
geschützt werden konnten, die nicht selbst geimpft werden (können).
Masern-Impfung verhindert Millionen Todesfälle weltweit
Nach wie vor gefährlich sind auch die Masern. Sie sind eine der
führenden Todesursachen bei kleinen Kindern, trotz der Existenz eines
hochwirksamen Impfstoffes. 2015 starben weltweit immer noch mehr als
134.000 Menschen an Folgeerscheinungen. Dies ist dennoch eine
deutliche Verbesserung im Vergleich zur Vor-Impfära. Zwischen 2000
und 2015 konnten die Todesfälle um 79 Prozent gesenkt werden. 20,3
Millionen Menschen leben noch, weil sie rechtzeitig geimpft wurden.
(6) Ziel der WHO ist es, die Masern in den nächsten Jahren weltweit
komplett auszurotten. „Um dies auch für Österreich zu erreichen, muss
eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent mit zwei Impfdosen erreicht
werden. Davon sind wir derzeit allerdings weit entfernt“, so Univ.
Prof. Ursula Kunze vom Zentrum für Public Health an der Medizinischen
Universität Wien. Besonders schlecht sind die Durchimpfungsraten bei
Kindern, die zwischen 2008 und 2010 und bei Menschen, die in den
1990er Jahren geboren wurden. (7) Insgesamt steigt die Zahl der
Masernfälle derzeit wieder an. Seit Jahresbeginn wurden 67
Masernfälle gezählt (Stand 20.3.2017). „Ein Grund für die
vergleichsweise schlechten Durchimpfungsraten ist der Irrglaube, dass
es sich bei Masern um eine harmlose Kinderkrankheit handelt“,
erläutert die Expertin. „Das Gegenteil ist der Fall: Ein Viertel der
Erkrankten bekommt Komplikationen, angefangen von einer
Mittelohrentzündung, über Durchfall und Lungenentzündung bis hin zur
äußerst gefährlichen Gehirnentzündung.“ Masern sind übrigens
meldepflichtig und höchst ansteckend. Das Gesundheitsministerium rät
allen nicht geimpften Personen dringend zur Impfung.
Impfung kann Krebs verhindern
Mehr als zwei Drittel aller Menschen infizieren sich im Laufe ihres
Lebens mit HPV (Humane Papilloma-Viren). Davon gibt es zwei Arten:
Niedrig-Risiko- und Hoch-Risiko-Typen. „Niedrig-Risiko-Typen sind zu
90 Prozent für die Bildung von äußerst unangenehmen und häufig
wiederkehrenden Genitalwarzen verantwortlich. Hoch-Risiko-Typen
(onkogene Typen) können zu Krebsvorstufen und später zu
Gebärmutterhalskrebs, Scheidenkrebs, Krebs der Schamlippen, Penis-
und Analkrebs sowie zu Krebs im Bereich des Kopfes oder des Rachens
führen“, erläutert Univ. Prof. Dr. Elmar Joura von der Klinischen
Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an
der Medizinischen Universität Wien. Seit einigen Jahren gibt es gegen
beide Viren-Arten wirksame Impfstoffe. Der Schutz gegen eine
Infektion durch onkogene Viren kann über 95 Prozent betragen. Zwei
der drei am Markt befindlichen Impfstoffe reduzieren zudem die
Wahrscheinlichkeit geimpfter Frauen, an Genitalwarzen zu erkranken,
um etwa 90 Prozent. Von einer Impfung profitiert aber nicht nur die
einzelne Frau: Seit einigen Jahren liegen auch Daten vor, die zeigen,
dass es durch breit angelegte Impfprogramme tatsächlich weniger oft
zu Krebsvorstufen kommt. In einer australischen Studie ist von einem
Rückgang von etwa der Hälfte innerhalb von nur drei Jahren bei
Mädchen unter 18 Jahren die Rede. Deutsche Experten haben vor einigen
Jahren hochgerechnet, dass schon bei einer Durchimpfungsrate von nur
50 Prozent (bei Mädchen) etwa vier von zehn
Gebärmutterhalskrebserkrankungen in den nächsten hundert Jahren
vermieden werden können. (8) Joura: „Legt man diese Zahlen auf
Österreich um, kann eine Impfung tausenden Frauen in den nächsten
Jahrzehnten eine Krebserkrankung ersparen.“
(1) Factsheet WHO: Immunization coverage,
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs378/en/
(2) Factsheet WHO: Poliomyelitis,
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs114/en/
(3) WHO, Frequently asked questions and answers on smallpox,
http://www.who.int/csr/disease/smallpox/faq/en/
(4) Österreichischer Impfplan 2017.
(5) Paulke-Korinek M et al., Vaccine 2013; 31(24):2686-91
(6) Factsheet WHO: Measles,
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs286/en/
(7) BMGF, Kurzbericht: Evaluierung der Masern-Durchimpfungsraten,
http://www.ots.at/redirect/bmgf
(8) Horn, et.al., Vaccine 2013
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