VKI-Test: Rezeptfreie Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden

Verstopfung, Durchfall oder Sodbrennen – welche Mittel geeignet sind

Wien (OTS/VKI) - Verdauungsbeschwerden sind lästig. Leidet man darunter, möchte man nur eins, sie möglichst rasch wieder loswerden. In der Apotheke werden zahlreiche rezeptfreie Medikamente gegen Verstopfung, Durchfall und Sodbrennen angeboten. Doch nicht alle Mittel sind gleichermaßen gut geeignet und können für die Behandlung empfohlen werden. Teilweise fehlt es an eindeutigen wissenschaftlichen Nachweisen für die Wirksamkeit, teilweise basieren die Präparate auf nicht sinnvollen Kombinationen verschiedener Wirkstoffe, die zudem das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich des Themas angenommen und veröffentlicht in der Aprilausgabe des Testmagazins KONSUMENT eine Liste mit Präparaten, die – zumindest für den kurzzeitigen Gebrauch – als geeignet angesehen wurden.

Medikamente zur Behandlung von Verstopfung

Von einer Verstopfung spricht man, wenn es weniger als dreimal wöchentlich zur Darmentleerung kommt. Häufig betroffen sind Frauen und generell ältere Menschen. Auf Darmträgheit sollte man zunächst mit allgemeinen Maßnahmen reagieren. Dazu gehören: erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung, verstärkte Aufnahme von Quellstoffen (Leinsamen, Weizenkleie, indischer Flohsamen), viel körperliche Bewegung und Vermeidung von Süßigkeiten. Erst wenn dies zu keinem Erfolg führt, kann ein kurzfristiger Einsatz von Abführmitteln in Erwägung gezogen werden. Ein dauerhafter Gebrauch von Abführmitteln ist problematisch, da sich der Darm daran gewöhnt und ohne medikamentöse Unterstützung zunehmend schlechter funktioniert. Das führt oft dazu, dass die Dosierung immer mehr gesteigert werden muss, damit überhaupt noch Stuhlgang einsetzt. Abführmittel zählen deshalb zur Medikamentengruppe mit einem hohen Abhängigkeitspotenzial.

Medikamente zur Behandlung von Durchfall

Durchfall steht meist unmittelbar in Zusammenhang mit der Ernährung (Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nahrungsmittelvergiftungen). Auch Infektionen sind eine häufige Ursache. Über 90 Prozent aller akuten Durchfälle verschwinden innerhalb weniger Tage von alleine wieder. Ist die Konsistenz des Stuhls häufig oder länger als drei bis vier Tage hindurch zu flüssig, sollte man sich unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Bei Kindern ist der Arztbesuch bereits notwendig, wenn der Durchfall einen ganzen Tag andauert. Neben der Abklärung der Ursachen muss für einen Ausgleich des Wasser- und Elektrolytverlustes gesorgt werden. Notfalls eignen sich dafür auch leicht gesüßte Tees mit Salzgebäck. Elektrolytlösungen sind als Fertigprodukte im Handel erhältlich, können allerdings problemlos auch selber hergestellt werden. Die Trinkmenge sollte etwa 40 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht innerhalb von 24 Stunden betragen. Eine 75 Kilogramm schwere Person benötigt also rund drei Liter pro Tag. Die Einnahme von Medikamenten bei Durchfall ist nur dann sinnvoll, wenn der Ausgleich des Wasser- und Elektrolytverlustes in Verbindung mit einer Diät zu keiner Besserung führt.

Medikamente bei Sodbrennen

Sodbrennen entsteht durch das Aufsteigen von Magensaft oder Speisebrei in die Speiseröhre (Reflux). Dabei treten drückende und brennende Schmerzen hinter dem Brustbein auf. Gelegentlicher Reflux ist normal und harmlos. Halten die Beschwerden allerdings länger an (Refluxkrankheit), treten zunehmend oberflächliche Gewebsschädigungen oder Geschwüre in der Speiseröhre auf. Als Komplikation kann sich das Barrett‑Syndrom entwickeln, eine Vorstufe für Speiseröhrenkrebs. Leidet man unter Sodbrennen, sollte man mit einer Änderung der Ernährungsgewohnheiten reagieren. Die Kost sollte fett- und zuckerarm sein und nach Möglichkeit in kleinen über den Tag verteilten Portionen aufgenommen werden. Für unter Reflux leidende Personen empfiehlt es sich, nachts mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen und die Nahrungsaufnahme kurz vor dem Zubettgehen zu vermeiden. Mit geeigneten Medikamenten lassen sich Sodbrennen und die Symptome eines Reizmagens lindern. Die Ursachen können damit nicht beseitigt werden. Präparate zur Selbstmedikation sollten grundsätzlich nicht länger als zwei Wochen angewandt werden.

„Nicht alle in der Apotheke angebotenen Mittel gegen Verstopfung, Durchfall oder Sodbrennen sind wirklich nützlich. Grundsätzlich gilt aber auch bei den Präparaten, die wir als geeignet eingestuft haben: Die genannten Medikamente sind lediglich zur Symptombekämpfung geeignet, eventuell zugrunde liegende Krankheiten können damit nicht behandelt werden“, sagt VKI-Expertin Angela Tichy. „Die Einnahme sollte deshalb immer nur kurzfristig erfolgen. Treten die Symptome häufiger auf, ist eine ärztliche Abklärung der Ursachen unbedingt notwendig. Bei Kindern muss man besonders vorsichtig sein. Die meisten der genannten Medikamente sind für Kinder ungeeignet beziehungsweise problematisch. Sie sollten Kindern deshalb keinesfalls ohne ärztlichen Rat verabreicht werden.“

SERVICE: Den ausführlichen Testbericht gibt es ab 30.03.2017 in der Aprilausgabe des Monatsmagazins KONSUMENT und online unter www.konsument.at. Die Bewertung der Präparate würde von einem Expertengremium vorgenommen. Als Grundlage dienten klinische Studien und medizinische Fachliteratur.

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