- 16.03.2017, 10:02:16
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Energie- und Klimazukunft: NGOs präsentieren Plan für Österreich
GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF fordern Umsetzung um Pariser Klimaziele zu erfüllen
Utl.: GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF fordern Umsetzung um Pariser
Klimaziele zu erfüllen =
Wien (OTS) - 100 Prozent erneuerbare Energie bis zum Jahr 2050 und
mehr als 90 Prozent weniger klimaschädliche Treibhausgase: Dass
dieses Szenario für Österreich möglich ist, zeigt jetzt die neue
Studie „Energie- und Klimazukunft Österreich“, herausgegeben von den
Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000, Greenpeace und WWF. Hier
wurden neben der Bereitstellung und Verwendung von Energie und deren
Emissionen, auch die Treibhausgase aus dem Bereich Industrie sowie
der Abfall- und Landwirtschaft betrachtet. Mit den Ergebnissen will
man die österreichische Regierung unterstützen. Denn diese arbeitet
derzeit an einer nationalen Energie- und Klimastrategie, die bis
jetzt keine verbindliche Zielvorgabe hat. Doch um das
Klimaschutzabkommen von Paris umzusetzen und damit die Erderwärmung
auf weit unter zwei Grad Celsius bzw. auf 1,5 Grad zu begrenzen,
braucht es ambitionierte Ziele, Strategien und Maßnahmen.
„Für eine Wende in der Energieversorgung und im Klimaschutz braucht
es eine gesamthafte Sichtweise auf Energieverbrauch und
Energieaufbringung und auch auf andere treibhausgasrelevante
Sektoren“, sagt Studienautor Andreas Veigl. Die aktuelle Studie
zeigt, dass selbst bei einem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum
der Endenergiebedarf, also der Energieverbrauch der einzelnen
Sektoren wie Verkehr, Gebäude oder Produktion, bis zum Jahr 2050 um
knapp die Hälfte gegenüber dem Jahr 2013 gesenkt werden kann. Dadurch
ist es auch möglich, gänzliche auf fossile Energien zu verzichten. Um
dieses Ziel zu erreichen, ist es beispielsweise im Gebäudebereich
notwendig, dass die Sanierungsrate auf drei Prozent angehoben wird
und sich der Passivhausstandard im Neubau durchsetzt. Bis auf
denkmalgeschützte Gebäude muss der gesamte Bestand bis 2050 zumindest
einmal thermisch saniert werden. Mittelfristig sollen sich
Plusenergiehäuser, die übers Jahr gesehen mehr Energie erzeugen als
sie verbrauchen, weit verbreiten. “Im Gebäudebereich hat Österreich
schon einige Fortschritte vorzuweisen, von einem ambitionierten
Klimaschutzszenario sind wir aber immer noch weit entfernt. Die
Sanierungsrate liegt deutlich unter einem Prozent und Ölheizungen
werden nach wie vor gefördert. Das muss sich jetzt ändern: Dem Einbau
von Ölheizungen muss ein Riegel vorgeschoben werden und es braucht
mehr Anreize für Gebäudesanierungen in Österreich”, fordert Johannes
Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.
Laut Szenario wird auch im Bereich Verkehr der Energieverbrauch durch
einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der höheren
Energieeffizienz von Elektrofahrzeugen stark zurückgehen. Durch den
Zuzug in die Ballungszentren kommt es zu einer leichten Abnahme der
Verkehrsleistung pro Person, auch der öffentliche Verkehr ist dort
einfacher zu organisieren. Daher sind die drei
Umweltschutzorganisationen zuversichtlich, dass die Mobilität in den
Städten 2050 weitgehen abgasfrei und deutlich leiser sein wird.
Fahrzeuge für die Zustellung und private Autos, die es für weite
Teile des Landes noch braucht, werden voraussichtlich vollelektrisch
unterwegs sein. Auch in der Industrie kommt es zu Veränderungen:
Durch den Umstieg des Stahlsektors auf kohlenstoffarme Produktion,
werden 78 Prozent der Prozessemissionen eingespart. Für den
Landwirtschaftssektor stützt sich die Studie auf die
Ernährungsempfehlungen des österreichischen Gesundheitsministeriums.
Wird der Fleischkonsums pro Kopf um 60 Prozent reduziert, die
biologisch bewirtschaftete Flächen auf 50 Prozent ausgeweitet und die
Lebensmittelverschwendung um 75 Prozent reduziert, werden die in der
Landwirtschaft entstehenden Treibhausgas-Emissionen um 56 Prozent
sinken.
Ein weiterer Punkt betrifft die Stromversorgung, denn auch hier ist
noch einiges zu tun: Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie ist
nicht nur möglich, sondern ein Muss will man dem fossilen Zeitalter
endlich Adé sagen. Doch Ökostrom wird in Österreich viel zu langsam
ausgebaut und auch hier fehlen die klaren Zielvorgaben. Erst kürzlich
hat der Ministerrat die kleine Ökostromnovelle beschlossen. „Diese
greift viel zu kurz. 260 Windanlagen mit einer Leistung von 850
Megawatt stehen derzeit in der Warteschlage, weil einerseits der
Marktpreis für Strom sehr niedrig ist und andererseits die
Ökostromförderung viel zu niedrig angesetzt ist. Hier braucht es
zusätzliche Mittel, um einen kräftigen Schub an neuen Ökostrom zu
sichern", fordert Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher von
Greenpeace in Österreich. "Das würde nicht nur zusätzlichen
erneuerbaren Strom bringen, sondern wäre sogar kostenneutral“,
erklärt Pawloff. Alte Anlagen kommen zum Ende ihrer Laufzeit und
fallen aus dem Fördertarif. Die für den Abbau der Warteschlange
zusätzliche benötigten 80-120 Millionen Euro würden somit keine neuen
Kosten verursachen, sondern lediglich alte Förderungen ersetzen.
Der österreichische Nationalrat hat am 8. Juli 2016 das
Klimaschutzabkommen von Paris ratifiziert und es damit als
Politikrahmen für die Regierung vorgegeben. „Eine Energie- und
Klimastrategie für Österreich, die diesen Namen auch wirklich
verdient, muss eine verbindliche politische Weichenstellung sein. Das
Ziel einer nahezu vollständigen Dekarbonisierung muss in der
Verfassung verankert werden um einen klaren Handlungsrahmen zu
bieten. Ohne klare Signale von Kanzler, Wirtschaftsminister,
Verkehrsminister und Umweltminister droht hier eine nationale
Entgleisung“, warnt Karl Schellmann, Leiter des Bereichs Energie &
Klima beim WWF abschließend.
Die Studie „Energie- und Klimazukunft Österreich“ finden Sie unter:
http://bit.ly/2nswNP7
Das Factsheet „Energie- und Klimazukunft Österreich“ finden Sie
unter:
http://bit.ly/2mtkmBG
Bildmaterial finden Sie unter: http://bit.ly/2mnEZ2h
Dieses steht unter Angabe der Photo Credits zur einmaligen Nutzung
kostenlos zur Verfügung.
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