- 07.03.2017, 11:23:23
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E-Wirtschaft sieht Energiewende als Chance - Dekarbonisierung heißt Elektrifizierung
Schrittweiser Umbau der Energieversorgung bringt neue Strukturen und Herausforderungen
Utl.: Schrittweiser Umbau der Energieversorgung bringt neue
Strukturen und Herausforderungen =
Wien (OTS) - Österreichs E-Wirtschaft sieht den kommenden Umbau der
Energieversorgung und die Abkehr von fossilen Energieträgern auf
Basis der Beschlüsse des Klimagipfels von Paris als Chance, aber auch
als große Herausforderung. „Dekarbonisierung heißt Elektrifizierung“,
erklärte Wolfgang Anzengruber, Verbund CEO und Präsident von
Oesterreichs Energie im Rahmen eines Trendforums der
Interessenvertretung der E-Wirtschaft.
Ziel der Energiewende ist für Anzengruber die aus klimapolitischen
Gründen weitgehend CO2-freie Energieversorgung, die auch als
„Dekarbonisierung“ des Energiesystems bezeichnet wird. Diese könne
nur mittels Elektrifizierung erreicht werden. Für die Jahre der
Umstellung und die notwendigen Maßnahmen zur Steigerung der
Energieeffizienz empfiehlt es sich, marktwirtschaftliche Instrumente
einzusetzen, wobei es weder zu Wohlstands-verlusten noch zu einer
Deindustrialisierung kommen dürfe. Den Konsumenten wiederum müssten
Anreize zum sorgsamen Umgang mit Energie geboten werden. „Wenn wir es
nicht schaffen, die Kunden für die Energiewende zu gewinnen, werden
wir Schiffbruch erleiden“, warnte Anzengruber. Er riet der Branche
indessen, die Energiewende als Chance und als „Konjunkturprogramm“ zu
betrachten. Auch habe die E-Wirtschaft hinsichtlich des Ausbaus der
erneuerbaren Energien und der Steigerung der Energieeffizienz bereits
viel erreicht: „Aufbruchsstimmung ist daher durchaus am Platz.“
Freilich benötige die E-Wirtschaft geeignete politische und
regulatorische Rahmen-bedingungen zur Umsetzung ihrer Stromstrategie.
Eine rasche Fertigstellung der Energie- und Klimastrategie sei ebenso
notwendig wie der Beschluss der angekündigten umfassenden Novelle des
Ökostromgesetzes gegen Ende des Jahres. Österreich habe das
Klimaabkommen von Paris vom Dezember 2015 ratifiziert und müsse
dieses nun auch umsetzen. „Das wird schwer genug. Aber es wird
überhaupt nicht funktionieren, wenn man nichts tut“, erklärte Barbara
Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Oesterreichs
Energie hat für den Bereich der E-Wirtschaft die Stromstrategie
„Empowering Austria“ entwickelt und der Strategieprozess geht weiter.
Im laufenden Jahr sollen in Zusammenarbeit mit anderen Branchen
konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie entwickelt werden.
Damit möchte die E-Wirtschaft mit ihrer Stromstrategie zur
österreichischen Energie- und Klimastrategie beitragen, die derzeit
erarbeitet wird und laut Bundesregierung noch vor dem Sommer
präsentiert werden soll.
Gesamtoptimierung des Energiesystems nach ökologischen und
ökonomischen Standards
Günther Brauner, Arbeitsgebietsleiter „Elektrische Anlagen“ an der
Technischen Universität Wien sieht die Energiewende als
längerfristigen evolutionären Prozess mit schwer prognostizierbarem
Verlauf. Wegen des hohen Kapitalbedarfs seien jedoch die
Investitionszyklen in der Energiewirtschaft vergleichsweise lange.
„Deshalb haben wir viel Zeit für den Umbau des Energiesystems“,
erläuterte Brauner in seinem Einleitungsreferat für das Trendforum.
Ziel sei eine Gesamtoptimierung nach wirtschaftlichen und
ökologischen Standards. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch ein
strategisch ausgerichteter Kommunikationsprozess, um der Bevölkerung
den Nutzen der Energiewende zu verdeutlichen.
Wie Brauner betonte, wird derzeit in Österreich mehr Energie
benötigt, als sich mit regenerativen Quellen bereitstellen lässt.
Somit ist eine „Effizienzoffensive“ unumgänglich. Der Energiebedarf
muss laut Brauners Berechnungen bis 2050 um rund 60 Prozent
vermindert werden. Davon entfallen 70 Prozent auf technische
Neuerungen und 40 Prozent auf Bewusstseinsbildung. In technischer
Hinsicht ist vor allem beim Verkehr, bei der Raumwärme sowie bei der
Prozesswärme in Industrie und Gewerbe anzusetzen. Damit sollte sich
der Energiebedarf auf rund 42 Prozent des derzeitigen vermindern
lassen.
Klare Strukturen und innovative Systeme
Da der Ausbau der Stromnetze nur auf geringe Akzeptanz seitens der
Bevölkerung stößt, sind die regenerativen Energien, so Brauner, auf
innovative Weise so weit wie möglich zur dezentralen Stromversorgung
zu nutzen. Auch sei das System stärker als bisher in seiner
Gesamtheit zu betrachten. Als Beispiel nannte Brauner die Windkraft.
„Schwachwindanlagen“, die große Rotoren mit kleineren Generatoren
kombinieren, seinen zwar in der Investition teurer, aus Sicht des
Systems aber dennoch günstiger, weil sie mehr Volllaststunden
aufweisen und weniger Netzinvestitionen erfordern.
Photovoltaikanlagen sollten nach Ansicht Brauners nur mehr
gebäudeintegiert installiert und nach Möglichkeit zur Deckung des
Strombedarfs ihrer Besitzer benutzt werden. Soweit es überhaupt noch
einer Subventionierung der regenerativen Energien bedarf, habe diese
durch marktbasierte Modelle wie etwa Ausschreibungen zu erfolgen.
Neben der dezentralen Stromerzeugung sind laut Brauner aber auch
weiterhin große zentrale Kraftwerke sowie starke Leitungssysteme und
ein Ausbau der Speichermöglichkeiten notwendig, um eine sichere
Versorgung zu gewährleisten. Die Energieversorger müssten sich zu
Dienstleistern und Contracting-Partnern für Private weiterentwickeln.
Niederösterreichs Umwelt-Landesrat Stephan Pernkopf plädierte für ein
Gesamtkonzept, um die Energiewende zum Erfolg zu machen. So müssten
beispielsweise parallel zum Ausbau der erneuerbaren Energien auch die
Stromnetze erweitert und verstärkt werden. Genau das geschehe in
Niederösterreich - mit Zustimmung der Bevölkerung, der die
Notwendigkeit des Netzausbaus vermittelt werde. Rechnerisch könnten
im Land mittlerweile rund 104 Prozent des Strombedarfs mittels
erneuerbarer Energien gedeckt werden. Größte Bedeutung hätten dabei
die Wasser- und die Windkraft sowie die Biomasse. Auf die
Photovoltaik entfallen laut Pernkopf zwar nur rund drei Prozent der
installierten Leistung: „Aber sie ist für die Bewusstseinsbildung
sehr wichtig. Rund 65.000 Personen haben bereits Photovoltaikanlagen
installiert. Das zeigt das Interesse der Bevölkerung an der
Energiewende.“ Pernkopf ergänzte, auch hinsichtlich der Energiewende
müsse die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen: „Wir
sollten insbesondere die Kraft der Gemeinden nicht unterschätzen.“
Deshalb habe das Land Niederösterreich die Kommunen aufgerufen,
„Energiegemeinderäte“ zu benennen, die sich mit einschlägigen Fragen
befassen. Auch Pernkopf sprach sich für den raschen Beschluss der
Energie- und Klimastrategie sowie des neu gestalteten
Ökostromgesetzes aus.
„Alternativlose Notwendigkeit“
Georg Rebernig, Geschäftsführer des Umweltbundesamtes, bezeichnete
die Dekarbonisierung des Energiesystems als „alternativlose
Notwendigkeit“. Erforderlich seien erhebliche Änderungen im
Konsumverhalten sowie in den grundlegenden gesellschaftlichen
Werthaltungen. Laut EU-Kommission muss Österreich seine
CO2-Emissionen bis 2030 um rund 36 Prozent senken, um das Pariser
Klimaabkommen einzuhalten. Erfolgten jedoch keine zusätzlichen
Maßnahmen, werde Österreich um rund 40 bis 50 Mio. Tonnen CO2 zu viel
emittieren. Daher müsse die Politik im Rahmen ihrer Energie- und
Klimastrategie entschlossen gegensteuern: „Wir brauchen entsprechend
dimensionierte Maßnahmen sowie eine rasche und konsistente Umsetzung
der Strategie. Uns fehlt die Zeit, um eine widersprüchliche Politik
zu betreiben.“
Für einen raschen Beschluss und eine zügige Umsetzung der Energie-
und Klimastrategie plädierte Christian Knill, CEO der Knill Energy
Holding und Obmann des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie.
Er warnte indessen vor einem Anstieg der Strompreise infolge eines
möglichen Mehrbedarfs an elektrischer Energie. Diese könnten die
Wettbewerbs-fähigkeit der Industrie beeinträchtigen. Laut Knill
entfallen etwa acht Prozent der Produktionskosten seiner Branche auf
Energie. Ein Drittel der Energiekosten wiederum macht Strom aus. Die
Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds der Bundesregierung
(KLI.EN), Theresia Vogel, argumentierte, für einen Erfolg der
Energiewende sei vor allem technische Innovation notwendig. So
müssten etwa manche Produktionsprozesse „komplett umgestaltet“
werden, um die gewünschte Dekarbonisierung zustande zu bringen.
„Innovation funktioniert aber nicht zu Marktpreisen, sondern muss
gefördert werden“, betonte Vogel. Oesterreichs Energie Trendforum ist
eine Diskussionsreihe zur Erörterung von Zukunftsfragen bezüglich
Strom und Energie.
Fotos der Veranstaltung: http://bit.ly/2me7ekw
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