Praktika fernab der Praxis: AK fordert mehr und bessere Praktikumsplätze für oberösterreichische Schüler

Linz (OTS) - Pflichtpraktika sollen Schülern/-innen einen ersten Einblick in das Arbeitsleben geben und helfen, die in der Schule erlernten Inhalte praktisch anzuwenden. Eine AK-Befragung von 500 oberösterreichischen Schülern/-innen an Handelsakademien (HAK) und Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe (HLW/HBLA) sowie deren Eltern hat ergeben, dass ein Großteil der Schüler/-innen mit dem Praktikum im vergangenen Jahr zufrieden war. Dennoch können sich drei Viertel der befragten Praktikanten/-innen nicht vorstellen, die Tätigkeiten der Pflichtpraxis später beruflich auszuüben. „Viele Jugendliche müssen im Pflichtpraktikum ausbildungsfremde Hilfstätigkeiten verrichten“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert einen verbindlichen Qualitätsleitfaden für Betriebe, die Pflichtpraktikumsplätze anbieten.

Für drei von zehn Praktikanten/-innen hatte das Praktikum nichts mit der schulischen Ausbildung zu tun. Zwei Drittel der HAK-Schüler/-innen und 43 Prozent der HLW/HBLA-Schüler/-innen gaben an, im Rahmen der Praxis vorwiegend Hilfstätigkeiten geleistet zu haben. Daher erscheint es wenig verwunderlich, dass sich drei Viertel aller befragten Praktikanten/-innen nicht vorstellen können, die Tätigkeiten der Pflichtpraxis später beruflich auszuüben.

„Der Nutzen eines Praktikums besteht darin, einen Einblick in die Betriebspraxis zu gewinnen, Fachwissen zu erwerben und sich beruflich zu orientieren. Wenn die jungen Leute aber nur zu Hilfstätigkeiten herangezogen werden, ist das Praktikum nicht sinnvoll“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Um den richtigen Praktikumsplatz zu finden, ist eine gute schulische Vorbereitung nötig. Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Schultypen: Während 91 Prozent der befragten HLW/HBLA-Schüler/-innen ihrer Schule eine gute Vorbereitung attestierten, waren es bei den HAK-Schülern/-innen nur zwei Drittel. Neun von zehn HLW/HBLA-Schülern/-innen erhielten von ihrer Schule eine Liste mit Praktikumsstellen, bei den HAK-Schülern/-innen waren es hingegen nur fünf Prozent der Befragten, die dieses Service von ihrer Schule geboten bekamen.

Für 40 Prozent aller Befragten, insbesondere für Schüler/-innen einer HAK, war es schwierig, einen Praktikumsplatz zu finden. Neben Eigenengagement spielen persönliche Beziehungen eine wichtige Rolle:
Zwei Drittel der befragten HAK-Schüler/-innen kamen dank der Mithilfe bzw. über Beziehungen ihrer Eltern bzw. Verwandten zu ihrem Praxisplatz.

Für eine Zusage waren durchschnittlich neun Bewerbungen notwendig, das Maximum lag bei 60 Bewerbungen. Von den befragten HLW/HBLA-Schülern/-innen praktizierte der Großteil in der Gastronomie, Schüler/-innen einer HAK konnten überwiegend in Handels-und Büroberufe Einblick nehmen.

Die schulische Vorbereitung stellt eine wichtige Voraussetzung für ein Gelingen des Praktikums dar. Besonders an den kaufmännischen Schulen, wo die Pflichtpraxis erst seit kurzem besteht, kann die Vorbereitung noch optimiert werden. Und es mangelt auch an ausbildungsnahen Praxisplätzen. „Wenn sich herausstellt, dass es zu wenige facheinschlägige Praktikumsplätze gibt, müssen den Schülerinnen und Schülern unbürokratische Befreiungen vom Pflichtpraktikum angeboten werden“, fordert der AK-Präsident. Er nimmt aber auch die Betriebe in die Pflicht: „Die Qualität der Betriebspraxis muss sichergestellt werden, zum Beispiel mit einem verbindlichen Qualitätsleitfaden für die Betriebe.“

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