• 18.02.2017, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG, Leitartikel, Sonntag, 19. Februar 2017, von Mario Zenhäusern: "Eurozone in der Zwickmühle"

Griechenland entwickelt sich je länger, desto mehr zum Fass ohne Boden. Die Geldgeber können sich keine neue Finanzspritze leisten. Einen Grexit aber auch nicht.

Utl.: Griechenland entwickelt sich je länger, desto mehr zum Fass
ohne Boden. Die Geldgeber können sich keine neue Finanzspritze
leisten. Einen Grexit aber auch nicht. =

Innsbruck (OTS) - Mehr als 300 Milliarden Euro haben die Euro-Länder
und der Internationale Währungsfonds (IWF) bereits in die marode
griechische Staatskasse gesteckt. Nicht genug! Die Regierung braucht
weitere Milliardenkredite, um fällige Rückzahlungen zu tilgen.
Für die Länder der Eurozone kommt die neuerlich aufflammende
Grexit-Debatte zur absoluten Unzeit. Sie haben sich zwar 2015 zu
einer weiteren Finanzspritze für die notorisch klammen Griechen
bekannt, aber eben nur unter Voraussetzungen. Eine ist, dass der IWF
mitzieht, die andere, dass die Griechen ein umfassendes Reformpaket
in Gang setzen und von einer unabhängigen Kommission überprüfen
lassen. Beides ist derzeit nicht der Fall. Hinzu kommt, dass die
Regierung in Athen mit dem Rücken zur Wand steht, weshalb sie sich
die von den Gläubigern geforderten Rentenkürzungen wohl gut überlegen
wird.
Außerdem stehen in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland
Wahlen an. In allen drei Staaten sind die Rechtspopulisten auf dem
Vormarsch. Vor allem in Deutschland wird sich Kanzlerin Angela Merkel
keine allzu große Nachgiebigkeit mit Athen leisten können, will sie
der Alternative für Deutschland (AfD) nicht weitere Wahlkampfmunition
liefern. Ein allzu harter Kurs birgt allerdings die Gefahr in sich,
dass der IWF, der bekanntlich auf eine drastische Reduzierung der
Schuldenlast der Griechen pocht, sich endgültig aus dem Kreis der
Geldgeber zurückziehen wird.
Ein Ausweg aus dieser Zwickmühle ist nicht in Sicht. Deshalb ist
das wahrscheinlichste Szenario, dass alles weiterläuft wie bisher.
Mehr schlecht als recht zwar, aber immerhin.

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