TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 10. Februar 2017 von Manfred Miterwachauer "In Innsbruck rumort’s"

Innsbruck (OTS) - Wer will und wer kann 2018 Christine Oppitz-Plörer den Bürgermeistersessel in Innsbruck streitig machen?
Die interne Schlammschlacht könnte für die Grünen noch zum Bumerang werden. Als Baustelle präsentiert sich die SPÖ.

Christoph Platzgummer – einst Vizebürgermeister unter Hilde Zach (Für Innsbruck) und jetzt Bezirkshauptmann in Kufstein – wurde 2012 von der ÖVP in letzter Minute für die Innsbrucker Gemeinderatswahl aus dem Hut gezaubert. Und mit ihm der totale Angriff auf die amtierende Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) ausgerufen. Mit Platzgummer holten die Schwarzen den Wahlsieg und schafften es in die Bürgermeisterstichwahl. Das Ende war jäh: Oppitz-Plörer gewann und die ÖVP landete als langjähriger Koalitionspartner für drei lange Jahre auf der Oppositionsbank.
Auch dem grünen Nationalrat Georg Willi werden gute Chancen eingeräumt, Oppitz-Plörer 2018 im Direktduell um den Bürgermeistersessel zu schlagen. In der Sonntagsfrage liegen die Grünen in der Landeshauptstadt ohnedies klar vor FPÖ, FI und ÖVP. Mit Willi würden die Grünen „all in“ gehen, wie man im Casino sagt. Dieses Ziel hat Willi selbst vorgegeben. Anders seine interne Kontrahentin, Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider. Dass ihre Chancen, gegen Oppitz-Plörer zu reüssieren, nur minimal sind, weiß sie mit Blick auf 2012 selbst am besten. Doch sie will die gelb-grüne Ehe am Leben und somit die Grünen sicher in der Regierung halten. Denn setzt die grüne Basis auf Willi und damit auf volle Konfrontation, könnte Oppitz-Plörer das persönlich nehmen. Wie bereits 2012. Und dass die Stadtchefin in der Koalitionsfrage „situationselastisch“ agiert, hat sie mehr als nur einmal demonstriert. Der Oppositionsbumerang könnte die Grünen also nach der Wahl schneller treffen, als ihnen lieb ist.
Dass Willi mit seiner internen Kandidatur auch gleich einen „Wandel“ in Innsbruck ausruft, ist ein Affront gegenüber der grünen Führung. Der Groll im Klub ist groß. Doch was will die Basis? Sie entscheidet. Pitscheider muss Stimmung machen und schlägt ungewohnt hart zurück. Die grüne Schlammschlacht ist perfekt – und die Landespartei schaut tatenlos zu.
Nicht taten-, aber beinahe hilflos muss indes SP-Landeschefin Elisabeth Blanik sehen, wie sich die Stadt-Genossen zu einem Spitzenkandidaten mühen. Die Kluft zwischen Stadtparteichef Helmut Buchacher
und dem Landtagsabgeordneten Thomas Pupp ist groß, ein wählerwirksamer Quereinsteiger wie einst Walter Peer ist nicht in Sicht. Eine Partei im Aufbruch, wie Blanik es vorgibt, sieht anders aus. Vielmehr rumort’s.
Und die ÖVP? Lehnt sich vorerst bequem zurück. Die Kandidatenfrage stelle sich noch nicht. Ja. Weil auf diese in der ÖVP zurzeit auch keiner eine Antwort wüsste.

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