• 08.02.2017, 09:16:58
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  • OTS0022

Seit wann sind unsere Berge schön?

Am Ludwig Boltzmann Institut Neulatein fand man heraus, dass der Wechsel vom Berg als Bedrohung zum Berg als Sehnsuchtsort lange vor der Romantik passierte.

Utl.: Am Ludwig Boltzmann Institut Neulatein fand man heraus, dass
der Wechsel vom Berg als Bedrohung zum Berg als Sehnsuchtsort
lange vor der Romantik passierte. =

Innsbruck (OTS) - Zu einem Zeitpunkt in der Geschichte änderte sich
der Blick auf die Natur dramatisch. Plötzlich nahm man die Natur als
etwas Schönes wahr und beschäftigte sich aus ästhetischer Perspektive
mit den Erscheinungen der Natur. Speziell der Berg wurde vom
bedrohlichen und hässlichen Ort aus Antike und Mittelalter zum
schönen und reizvollen Sehnsuchtsort. Doch wann fand dieser
Paradigmenwechsel statt?

William Barton, Wissenschaftler am Ludwig Boltzmann Institut für
Neulateinische Studien, ging dieser Frage nach. Sein Buch zum Thema
ist jetzt in Oxford und New York bei Routledge erschienen: "Mountain
Aesthetics in Early Modern Latin Literature". Das Buch wird heute
Nachmittag, 8. Februar, bei der alpinen Schi-Weltmeisterschaft in St.
Moritz im Rahmen des "TirolBerg" vorgestellt.

Barton studierte bis dato unbeachtete neulateinische Quellen und
widerlegte die bisherige communis opinio, die positive Wahrnehmung
der Berge habe in der Romantik im 18. Jahrhundert mit Figuren wie
Albrecht von Haller begonnen. Barton fand heraus, dass der Wechsel
viel früher, und zwar schon in der neulateinischen Literatur der
Renaissance und frühen Neuzeit, passierte – und damit schon im 16.
Jahrhundert.

Er identifizierte zwei Entwicklungen als Ursachen für diese neue
positive Einstellung den Bergen gegenüber: "Im 16. Jahrhundert
entwickelte man die Idee der 'Landschaft', auch in der Kunst, wo
plötzlich Landschaftsdarstellungen ihren Eigenwert bekamen. Außerdem
beschäftigte man sich mit dem Berg auch aus wissenschaftlicher und
theologischer Sicht; Botaniker beispielsweise unternahmen gezielte
Wanderungen in die Berge, um neue Pflanzen zu finden."

"Oft merken wir gar nicht, wie sehr sich unsere Wahrnehmung von
unserer Umgebung verändert. Wenn wir die Prozesse für den damaligen
Paradigmenwechsel erforschen, verstehen wir die aktuelle ästhetische
Wahrnehmung der Natur besser. Dinge und Bereiche, die heute in
unserer Einschätzung selbstverständlich erscheinen, waren oft
dramatischen Wandlungsprozessen unterworfen", erklärt Barton.

Das Buch "Mountain Aesthetics in Early Modern Latin Literature" wurde
am King's College London mit dem "Elsevier Outstanding PhD Thesis"
Award ausgezeichnet. Es wird heute Nachmittag, 8. Februar, bei der
alpinen Schi-Weltmeisterschaft in St. Moritz vorgestellt. Die
Buchpräsentation findet im Rahmen des "TirolBerg" statt.

Die Tirol Werbung zeigt, dass das Bundesland Tirol neben sportlichen
auch geisteswissenschaftliche Spitzenergebnisse zu bieten hat. Das
Ludwig Boltzmann Institut für neulateinische Studien hat seinen Sitz
in Innsbruck und ist das weltweit größte Forschungszentrum für die
lateinische Literatur der Frühen Neuzeit.

www.neolatin.lbg.ac.at

Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft schafft die Rahmenbedingungen,
damit gezielt neue Forschungsthemen in Österreich angestoßen werden.
Die LBG gibt Freiraum zum Querdenken und behandelt gesellschafts- und
zukunftsrelevante Forschungsfragen. In 18 Instituten und Clustern
befassen sich 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Themen aus den
Health Sciences und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften.
www.lbg.ac.at

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