- 07.02.2017, 22:00:01
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 8. Februar 2017 von Peter Nindler "Und ewig lockt die Wasserkraft"
Innsbruck (OTS) - Der Kriterienkatalog für den Bau von
Kleinwasserkraftwerken hat bisher seinen Zweck erfüllt, doch nicht
alle Projekt-betreiber und Gemeinden von einem
Kleinwasserkraft-Abenteuer mit ungewissem finanziellen Ausgang
abgehalten.
Die Goldgräberstimmung an den Tiroler Bächen ist längst vorbei. Die
Strompreise sind im Keller, die Investitionskosten vor allem für die
Gemeinden kaum aufzubringen. In den vergangenen Jahren errichtete
Kleinwasserkraftwerke siechen heute als Zuschussbetriebe dahin – mit
wenig Aussicht auf absehbare Einnahmen für die klammen kommunalen
Haushalte. So gesehen relativiert sich die in Tirol oft emotional
geführte Auseinandersetzung über kleine E-Werke oder Tabuzonen an den
Fließgewässern.
Die vom Land aufgestellten Kriterien zur umweltverträglichen und
wirtschaftlich sinnvollen Nutzung von Wasserkraft geben deshalb eine
wohlüberlegte Zielrichtung vor. Denn nicht jeder Bach sollte verbaut
werden. Dass die angebotene Vorbeurteilung allerdings häufig
ignoriert wird, beweist die vorliegende Bilanz. Und das, obwohl der
Kriterienkatalog bereits vorbeugend wirkt und sich einige
Kraftwerksbetreiber Zeit, Mühe und Geld sparen, indem sie auf
ökologisch und wirtschaftlich kritische Projekte im Vorhinein
verzichten.
Für politischen Wirbel sorgen jedoch stets die Unbelehrbaren. Das
Kraftwerk Obere Isel in Osttirol wird keinesfalls durch die
Ausweisung des Gletscherflusses als Natura-2000-Schutzgebiet
verhindert, sondern das Vorhaben von Virgen und Prägraten fiel schon
bei der Vorprüfung beim Kriterienkatalog durch. Die Projektkosten
hätten die beiden Gemeinden sinnvoller investieren können.
1100 Wasserkraftanlagen gibt es in Tirol, 850 davon zählen zur
Kategorie Kleinkraftwerke. Gleichzeitig sind 650 der 7500 Kilometer
Gesamtfließstrecke von Bächen und Flüssen in Tirol verbaut.
Bestehende Kleinkraftwerke zu modernisieren, um die Energieressource
Wasser noch besser zu nutzen, ist deshalb viel vernünftiger.
Die geplanten und bereits von Umweltminister Andrä Rupprechter (VP)
verordneten Tabustrecken sind deshalb nicht einmal eine
umweltpolitische Großtat, sondern die Kraft des Faktischen schützt
die Bäche. Warum also der Aufstand der Seilbahner gegen die
Tabustrecken im Oberland? Ja, sie bangen auch um das Wasser für ihre
Schneekanonen, wiewohl das Land bereits Entwarnung gegeben hat. Doch
mit ihrem Protest agieren die mächtigen Ischgler Touristiker als
wirtschaftspolitische Speerspitze jener Kräfte in der Volkspartei,
denen es im Land zu grün geworden ist. Damit wird das Wasser einmal
mehr zur Konfliktzone. Grotesk: Denn mit Kleinwasserkraft lässt sich
derzeit schließlich nichts verdienen.
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