• 31.01.2017, 15:18:30
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  • OTS0176

BIO AUSTRIA Bauerntage 2017: Europas größte Bio-Weiterbildungsveranstaltung gestartet

Grabmann: Landwirtschaft muss ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig werden - einheitlicher Bio-Mindeststandard an Fachschulen gefordert

Utl.: Grabmann: Landwirtschaft muss ökonomisch, ökologisch und
sozial nachhaltig werden - einheitlicher Bio-Mindeststandard
an Fachschulen gefordert =

Wels (OTS) - Unter dem Motto "Orientierung in bewegten Zeiten" haben
heute, Dienstag, die 13. BIO AUSTRIA Bauerntage im Bildungshaus
Schloss Puchberg bei Wels begonnen. Über 900 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer haben sich in diesem Jahr für die größte, regelmäßig
stattfindende Weiterbildungsveranstaltung der Biolandwirtschaft in
Europa angemeldet. Über 80 Referentinnen und Referenten aus
Wirtschaft, Wissenschaft, Praxis und Beratung werden bis 2. Februar
in 11 Fachtagen ihr Fachwissen weitergeben.

In ihrer Eröffnungsrede ging BIO AUSTRIA-Obfrau Gertraud Grabmann auf
die Auswirkungen von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen
in der jüngsten Zeit ein. "Umbrüche, Negativschlagzeilen am laufenden
Band und wirtschaftliche Herausforderungen gehen nicht spurlos an den
Menschen vorbei, sondern haben beinahe zwangsläufig Verunsicherung
zur Folge." In solchen herausfordernden Zeiten sei es besonders
wichtig, Orientierung zu finden. Am Eröffnungstag beschäftigen sich
die BIO AUSTRIA Bauerntage daher folgerichtig mit Modellen, die
geeignet sind, Orientierung zu geben – etwa mit der Umweltenzyklika
"Laudato Si" von Papst Franziskus oder dem gemeinsamen Prozess "Bio
3.0" der deutschsprachigen Bioverbände unter dem Titel "Mit Bio die
Zukunft der Landwirtschaft gestalten".

Gerade die Biolandwirtschaft könne Orientierung geben, betonte
Grabmann in ihrer Rede. "Seit je her spielen Werte eine große Rolle
in der Biologischen Landwirtschaft. Werte wie die Würde der Tiere,
der Schutz der natürlichen Ressourcen oder die Verantwortung
gegenüber der nachfolgenden Generationen. All diese Werte wurden
schon von den Pionieren der biologischen Landwirtschaft gelebt und
sie bilden nach wie vor das Fundament, auf dem wir unsere tägliche
Arbeit auf unseren Höfen verrichten", so die Obfrau.

Die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten und die wachsende Zahl der
Biobäuerinnen und –bauern komme nicht von Ungefähr. "Die Gesellschaft
trägt immer höhere Ansprüche an die Landwirtschaft heran. 'Nur' –
unter Anführungszeichen – Lebensmittel zu produzieren ist nicht
genug. Die Gesellschaft verlangt immer lauter nach ökologisch und
gesundheitlich unbedenklichen Lebensmitteln und darüber hinaus nach
sauberer Luft, reinem, unbelastetem Wasser und aktivem Tierschutz.
All das gewährleistet die Biolandwirtschaft und das mache sich
letztlich auch in der Nachfrage bemerkbar", so Grabmann.

Das derzeitige Agrarsystem, das auf Wachstum um jeden Preis
ausgerichtet ist, sei hingegen keine Option für die Zukunft,
konstatierte die BIO AUSTRIA Obfrau. "Die Landwirtschaft steht vor
der Herausforderung nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und
sozial nachhaltig zu werden. Daher benötigen wir einen Umbau, einen
Paradigmenwechsel", so Grabmann. In diesem Zusammenhang sei künftig
unter anderem das Prinzip "öffentliche Mittel für öffentliche Güter"
zu verfolgen. "Ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, insbesondere
die Biolandwirtschaft, erbringt eine Reihe von gesellschaftlichen
Leistungen, die derzeit nicht entsprechend honoriert werden. Das muss
sich ändern. Gleichzeitig muss auch Kostenwahrheit geschaffen werden.
Nur dann gibt es gleiche und faire Voraussetzungen für alle Formen
der Landwirtschaft", betonte Grabmann.

Mehr Bio an landwirtschaftlichen Fachschulen gefordert

Weiters wies die BIO AUSTRIA-Obfrau darauf, dass eine nachhaltige
Landwirtschaft enorm Wissens-basiert sei. Hier gebe es noch eine
große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, auch in Österreich.
"Die Landwirtschaft der Zukunft wird ökologisch sein. Daher müssen
wir den Menschen auch das entsprechende Wissen vermitteln, um den
Anforderungen dieser Landwirtschaft gerecht zu werden", so Grabmann.
Die BIO AUSTRIA Obfrau sieht in diesem Bereich Aufholbedarf, speziell
im Bereich der landwirtschaftlichen Fachschulen. "Derzeit gibt es von
Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule ein unterschiedlich
ausgeprägtes Angebot an Bio-Lehrinhalten. Was wir allerdings brauchen
ist ein einheitlicher Mindeststandard in der Vermittlung von Wissen
über Bio-Landwirtschaft", betonte die Obfrau. "Österreich ist
Bio-Europameister – gerade deswegen darf man sich auch in der
Ausbildung eine adäquate fachliche Wissensvermittlung erwarten.
Derzeit entspricht das Angebot nicht der weiterhin steigenden
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der biologischen
Landwirtschaft", konstatierte Grabmann abschließend.

Umweltenzyklika "Laudato Si" mit Bezug zur Landwirtschaft

Dr. Johann Neumayer, Umweltreferent der Diözese Salzburg und Biologe,
brachte dem interessierten Publikum anschließend die wesentlichen
Inhalte der Enzyklika näher. Gerade für den landwirtschaftlichen
Bereich habe das Werk wesentliche Implikationen, da sie sich unter
anderem mit der Nahrungsmittelproduktion als einer der Kernfragen der
Zukunft aber auch mit den ökologischen Folgen intensiver
Landwirtschaft beschäftige, betonte Neumayer. Die Enzyklika greife
aktuelle Probleme auf und sei ein Weckruf, um eine nachhaltige
Entwicklung einzuleiten, zog Neumayer eine Parallele zur
Biolandwirtschaft. Nicht zuletzt rufe Papst Franziskus die Politik
auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen. "Ausreichende Versorgung mit
Nahrungsmitteln ist eine Frage der Menschenwürde. Diese Aufgabe darf
nicht alleine dem Markt überlassen werden, sondern ist primär
Handlungsauftrag für die Politik", genauso wie die Förderung
regionaler Ernährungssouveränität und (klein)bäuerlicher Strukturen,
erläuterte der Theologe inhaltliche Forderungen der Enzyklika
abschließend.

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