- 27.01.2017, 10:43:54
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IKG-Präsident Deutsch: Wissen um den Holocaust weitergeben
Verlust von Zeitzeugen bedeutet Verantwortung für nachfolgende Generationen
Utl.: Verlust von Zeitzeugen bedeutet Verantwortung für nachfolgende
Generationen =
Wien (OTS) - In seiner Rede zum heutigen Holocaustgedenktag, am 27.
Jänner 2017 am Heldenplatz in Wien, zitierte der Präsident der
Israeltischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, den Schriftsteller und
Nobelpreisträger Imre Kertész mit den Worten: „Seit Auschwitz ist
nichts geschehen, was Auschwitz aufgehoben, was Auschwitz widerlegt
hätte. Der Holocaust konnte in meinem Werk niemals in der
Vergangenheitsform erscheinen.“ Diese Worte drücken nicht nur die
unmenschliche Dimension des Verbrechens aus, sondern auch die
Unmöglichkeit dieses Verbrechen der Geschichte zu überantworten und
zu vergessen.
Präsident Deutsch erinnerte an den Beginn der Verfolgung durch die
Nationalsozialisten, die mittels drastischer Maßnahmen wie
Berufsverboten, Boykott von Geschäften, der Erlassung der „Nürnberger
Gesetze“, Schulverweis jüdischer Kinder, Aufenthaltsbeschränkungen
etc. jüdische Familien in die Armut, Isolation und Verzweiflung
trieben. Nochmals führte er vor Augen, wozu aufgehetzte Bürger fähig
waren, die, verstärkt von Einheiten der SA, SS und Hitlerjugend, in
der Nacht von 9. auf 10. November 1938 alleine in Wien 49 Synagogen
und Bethäuser zerstörten, 4038 Geschäfte verwüsteten und 27 Juden
ermordeten. Von den 6000 verhafteten Juden wurden mehr als die Hälfte
nach Dachau deportiert. Das Ausmaß der Gräueltaten, die Dimension der
Vernichtungspolitik und das ungeheure Leid der Opfer müsse für immer
Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses bleiben, mahnte Oskar
Deutsch in seiner Rede.
Dass immer mehr Überlebende des Holocaust sterben, hinterlasse eine
nicht zu schließende Lücke. Mit Zeitzeugen wie Ari Rath und Leo
Luster, die vor kurzem gestorben sind, erinnerte der Präsident der
IKG an Menschen, welchen die Weitergabe ihrer Erfahrungen, vor allem
auch an die Jugend, von großer Wichtigkeit war. „Es liegt nun in der
Verantwortung der nachfolgenden Generationen, sich der Vergangenheit
bewusst zu bleiben und dafür zu sorgen, dass mit dem Verlust der
Zeitzeugen diese Zeit nicht in Vergessenheit gerät“, so der Appell
des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch.
Oskar Deutsch
Präsident
Israelitische Kultusgemeinde Wien/
Israelitische Religionsgesellschaft
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