• 19.01.2017, 10:00:16
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  • OTS0036

CEBC 2017: Grazer-Deklaration von acht Biomasseverbänden unterzeichnet

CO2-Abgabe als Schlüsselinstrument für eine erfolgreiche Energiewende

Utl.: CO2-Abgabe als Schlüsselinstrument für eine erfolgreiche
Energiewende =

Graz (OTS) - Vom 18. bis 20. Januar treffen sich die weltweit
führenden Bioenergie-Experten aus der Forst- und Landwirtschaft,
Strom- und Wärmeerzeugung, Mobilität und der Wissenschaft zur 5.
Mitteleuropäischen Biomassekonferenz in Graz. Bei dieser Gelegenheit
unterzeichnen der Weltbiomasseverband, der Europäische
Biomasseverband sowie die die nationalen Verbände Landesverbände aus
Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien die
„Deklaration von Grazer Deklaration“, wo in der sie ihre Forderungen
an die EU-Energiepolitik zusammenfassen. Die Schlüsselforderungen
sind: Halbierung des fossilen Energieverbrauchs in der EU bis 2030;
Ausstieg aus der fossilen Stromerzeugung; die Forcierung aller
erneuerbaren Energieträger und eine Verdoppelung des
Bioenergie-Endverbrauchseinsatzes.; eine 2,5-Verfachung der
erneuerbaren Energieträger. Die wichtigste Maßnahme für die
Erreichung der Ziele ist die Einführung einer CO2-Abgabe.

Biomasse mit großen Zukunftschancen

„Mit dem historischen Abkommen von Paris wurde eine neue Ära im
internationalen Klimaschutz eingeläutet. Nun gilt es, die globale
Erwärmung langfristig auf zwei Grad oder weniger zu begrenzen.
Erneuerbaren Energien kommt eine Schlüsselfunktion zu. Besonders
große Zukunftschancen bietet die Biomasse – darum treibt das
Landwirtschafts- und Umweltministerium ihre Nutzung mit
maßgeschneiderten Förderprogrammen weiter voran“, betont Günter
Liebel, Leiter der Sektion Umwelt und Klimaschutz im Ministerium für
Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft. „Bioökonomie
spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie ersetzt fossile Ressourcen
durch nachwachsende Rohstoffe, garantiert uns eine hohe
Versorgungssicherheit und reduziert die Abhängigkeit von Importen
fossiler Energie. Für ein lebenswertes Österreich und ein
zukunftsfähiges Europa müssen wir alle an einem Strang ziehen – und
mit voller Kraft für Umweltschutz, Ressourceneffizienz und die
Energiewende eintreten“, so Liebel.

Politik muss Energiewende als Chance sehen

Remigijus Lapinskas, Präsident des Weltbiomasseverbandes, schätzt,
dass die Bioenergie in der nahen Zukunft weltweit mindestens 150 EJ
(56 EJ in 2013) zur Energieversorgung nachhaltig beitragen kann. Der
vielversprechendste Sektor ist die Verwendung von Biokraftstoffen im
Verkehr. Die Dekarbonisierung des Wärmesektors durch die Nutzung von
Biomasse in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen muss ebenfalls
vorangetrieben werden. Eine effiziente Energiebereitstellung aus
biogenen Abfällen und Agrarrückständen sowie die Themenbereiche
Innovation und Finanzierung werden für den Bioenergie-Sektor künftig
entscheidend sein. Um die Energiewende vollziehen zu können, ist eine
Strategie für eine schrittweise und jährliche Reduzierung der Nutzung
fossiler Brennstoffe weltweit und national wichtig. Ein
Schlüsselinstrument ist eine CO2-Abgabe, die auch in der Deklaration
von Graz gefordert wird. „Nun müssen die lokalen Regierungen die
Energiewende als große Chance begreifen und diesen unvermeidlichen
‚grünen Übergang’ unterstützen“, fordert Lapinskas.

Europa als Vorreiter

„Die derzeitigen EU-Ziele für 2030 – minus 40% Emissionen gegenüber
1990 und 27% Anteil Erneuerbarer Energien – entsprechen nicht den
Zielen des COP 21“, stellt Josef Plank, Präsident des
Österreichischen Biomasse-Verbandes fest. „Europa hat aber eine
besondere Verantwortung bei der Transformation zu einer fossilfreien
Gesellschaft. Technologien, Know-how, Erfahrung, Kapital und positive
Beispiele sind wie auf keinem anderen Kontinent verfügbar. Mit einer
erfolgreichen Klimapolitik könnte Europa eine Vorreiterrolle
übernehmen, und andere Kontinente würden unserem Beispiel folgen.“
Aus diesem Grunde setzen zahlreiche europäische Biomasseverbände mit
der Unterzeichnung der Grazer Deklaration ein Zeichen und machen
Vorschläge, wie die Klimaziele erreicht werden können. Vor allem die
Einführung einer progressiv steigenden CO2-Abgabe wird als
zielführend erachtet. Diese muss zumindest 100 Euro/t CO2 erreichen,
um wirksam zu sein. „Schweden hat uns bereits vorgezeigt, wie mit
einer CO2-Abgabe von 120 Euro/t erfolgreich die Energiewende
vorangetrieben werden kann. Das Land beweist auch, dass
Wirtschaftswachstum und THG-Emissionen entkoppelt werden können. Bei
einer richtigen Rückverteilung der CO2-Abgabe wird die Wirtschaft
langfristig gestärkt und nicht, wie oft behauptet, geschwächt“, so
Plank. Neben der CO2-Abgabe wird in der Grazer Deklaration eine
Strategie für die europäische Wärmewende und für die
Biomasse-Mobilisierung aus den europäischen Wäldern verlangt.

Große Potenziale für Bioenergie in Nigeria

Im Rahmen der Biomassekonferenz wird ein B2B-Matchmaking-Event
„Africa meets EU“ veranstaltet, um gemeinsame Geschäftsmöglichkeiten
zu erörtern. Nigeria ist beispielsweise die zweitgrößte
Volkswirtschaft und das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es ist
reichlich mit natürlichen Ressourcen gesegnet und könnte mit
Leichtigkeit energieautark sein. Das Land importiert aber die
Mehrheit der verbrauchten raffinierten Erdölprodukte, obwohl es ein
bedeutender Öl- und Gas-Exporteur ist. Die Stromproduktion basiert
vordergründig auf Diesel-/Benzin-Generatoren. Neben dem Erdölsektor
ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes und
gleichzeitig ein größer Energieverbraucher. „Die KMU´s haben einen
Anlagenbedarf mit einer elektrischen Leistung von 100 bis 500kW“,
weiß Godwin Eni Aigbokhan, Generalsekretär des nigerianischen
Verbandes für Erneuerbare Energien (REAN). „Es wird geschätzt, dass
pro Jahr 150 Mio. t biogener Abfälle aus der landwirtschaftlichen
Produktion entstehen, die ungenutzt verbrannt oder deponiert werden.
Eine energetische Nutzung wäre naheliegend, da die fossilen Energien
vergleichsweise teuer sind.“ Die Marktpotenziale für Bioenergie sind
in Nigeria dementsprechend groß, jedoch weist Aigbokhan auch auf die
Herausforderungen hin: geringe Abfallsammlung, erschwerte
Finanzierungsmöglichkeiten sowie schlechte Infrastruktur.

Mehr Informationen finden Sie auf der Konferenz-Homepage:
http://www.cebc.at/

Abbildungen sowie die „Grazer Deklaration“ find Sie unter:
http://www.biomasseverband.at/presse

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