- 16.01.2017, 09:30:43
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Vorhofflimmern bei DialysepatientInnen weit häufiger als erwartet
Wien (OTS) - Die Herzrhythmuserkrankung Vorhofflimmern ist ein
bedeutender Risikofaktor für die Entstehung von Schlaganfällen. Eine
multizentrische Studie unter Leitung der MedUni Wien zeigt, dass
Vorhofflimmern bei HämodialysepatientInnen in Wien deutlich häufiger
auftritt als angenommen. Außerdem wird nur die Hälfte der Betroffenen
mit einem Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulation)
therapiert.
Die Herzrhythmuserkrankung Vorhofflimmern ist ein bedeutender
Risikofaktor für die Entstehung von Schlaganfällen. Bei PatientInnen
mit Nierenversagen in fortgeschrittenem Stadium, die auf ein
Nierenersatzverfahren mittels Hämodialyse angewiesen sind, wurde das
Auftreten von Vorhofflimmern bisweilen unterschätzt. Außerdem ist
wissenschaftlich unklar, ob HämodialysepatientInnen mit
Vorhofflimmern von einer Antikoagulationstherapie zur Prävention von
Schlaganfällen profitieren, oder ob das Blutungsrisiko überwiegt.
Die Prävalenz von Vorhofflimmern bei HämodialysepatientInnen in Wien
beträgt 26,5 Prozent und liegt damit weit über internationalen
Einschätzungen von 10 bis 15 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam eine
multizentrische Studie um Oliver Königsbrügge, Ingrid Pabinger und
Cihan Ay von der klinischen Abteilung für Hämatologie und
Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I in
Zusammenarbeit mit Marcus Säemann von der 6. Medizinischen Abteilung
im Wilhelminenspital und den Dialyseeinheiten des AKH Wiens, des
Donauspitals, des Kaiser-Franz-Josef-Spitals, des Krankenhauses
Hietzing, der Krankenanstalt Rudolfstiftung und des Wiener
Dialysezentrums. In der Studie, die unter dem Akronym VIVALDI (engl.
Vienna InVestigation of AtriaL fibrillation and thromboembolism in
hemoDIalysis patients) zusammengefasst wird, untersuchen die
ForscherInnen das klinisch-wissenschaftliche Spannungsfeld des
Risikos für Schlaganfälle und thromboembolische Komplikationen bei
HämodialysepatientInnen, insbesondere bei jenen mit Vorhofflimmern.
In der aktuellen Arbeit, die jüngst im Fachjournal PLOS ONE
publiziert wurde, konnten die WissenschafterInnen mit einer Kohorte
von 626 PatientInnen ein repräsentatives Abbild der gesamten Wiener
Dialysebevölkerung von circa 850 Betroffenen abgeben und mittels
direkter PatientInnenbefragung und umfangreicher Recherche die
Prävalenz von Vorhofflimmern genauer erheben als in bisherigen
Untersuchungen aus dezentralen, nationalen Registern oder Datenbanken
von Versicherungsträgern.
„Wir konnten feststellen, dass die Prävalenz von Vorhofflimmern mit
dem Alter zunimmt und unter männlichen Patienten besonders verbreitet
ist“, beschreibt Erstautor Oliver Königsbrügge, „aber trotz des
Risikos für Schlaganfälle, das von Vorhofflimmern ausgeht, wird nur
die Hälfte der Betroffenen mit einem Medikament zur Hemmung der
Blutgerinnung therapiert.“
Marcus Säemann, Vorstand der 6. Medizinischen Abteilung im
Wilhelminenspital: „Vorhofflimmern kommt extrem häufig bei
Dialyse-PatientInnen vor, wodurch ein überdurchschnittlich hohes
Schlaganfallrisiko entsteht. Bislang existieren jedoch immer noch
keine guten Richtlinien zur adäquaten Therapie dieser häufigen
Morbidität.“ Denn: „Die Behandlung des Schlaganfallrisikos mit
gerinnungshemmenden Medikamenten ist bei Dialysepatienten erschwert,
da auch ein überaus großes Blutungsrisiko besteht und viele neue
Medikamente zur Schlaganfallprophylaxe bei Hämodialysepatienten nicht
zugelassen sind“, erklärt Studienleiter Cihan Ay. Die aktuelle Studie
greift ein fächerübergreifendes internistisches Problem auf und weist
auf die unterschätzte Rolle der Begleiterkrankung Vorhofflimmern für
die Versorgung von PatientInnen mit terminalem Nierenversagen hin.
Renate Klauser-Braun, Vorständin der 3. Medizinischen Abteilung
Donauspital: „Die bei Nierengesunden verfügbaren Therapien zur
Vermeidung der Komplikationen des Vorhofflimmerns, insbesondere des
Schlaganfalls, sind bei DialysepatientInnen kontrainduziert oder
wegen des komplexen Krankheitsbildes problematisch, daher wird das
weitere therapeutische bzw thromboseprophylaktische Vorgehen
individualisiert entschieden werden müssen. Unsere Studie
unterstreicht aber die Bedeutung dieser Begleiterkrankung an der
Dialyse.“
In Folgeuntersuchungen der VIVALDI-Studie werden Risikofaktoren für
Thromboembolien, Schlaganfälle und Blutungen prospektiv untersucht.
Service: PLOS ONE
Prevalence of atrial fibrillation and antithrombotic therapy in
hemodialysis patients: Cross-sectional results of the Vienna
InVestigation of AtriaL fibrillation and thromboembolism in patients
on hemoDIalysis (VIVALDI). Oliver Königsbrügge, Florian Posch,
Marlies Antlanger, Josef Kovarik, Renate Klauser-Braun, Josef
Kletzmayr, Sabine Schmaldienst, Martin Auinger, Günther Zuntner,
Matthias Lorenz, Ella Grilz, Gerald Stampfel, Stefan Steiner, Ingrid
Pabinger, Marcus Säemann, Cihan Ay.
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