• 13.01.2017, 12:13:13
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  • OTS0091

Paiha, AUGE/UG: „Flexibel sind wir schon genug – jetzt braucht es Arbeitszeitverkürzung!“

Arbeitszeit-Flexibilisierungsdebatte geht in vollkommen falsche Richtung.

Utl.: Arbeitszeit-Flexibilisierungsdebatte geht in vollkommen
falsche Richtung. =

Wien (OTS) - „Hört man den ApologetInnen einer
Arbeitszeitflexibilisierung – sprich Arbeitszeitverlängerung – zu,
muss man geradezu den Eindruck bekommen, Österreich sei bei
Arbeitszeitregelungen an Starrheit und Unflexibilität kaum mehr zu
überbieten. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Es gibt zahlreiche
Regelungen die ein Überschreiten täglicher und wöchentlicher
Normalarbeitszeiten erlauben, es gibt flexible
Überstundenkontingente, Sonderregelungen für Schichtarbeit und vieles
mehr,“ stellt Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG –
Alternative, Grüne und Unabhängige GewerkschafterInnen klar. „Es
besteht kein Mangel an Flexibilität, vielmehr ist das Ausufern von
Arbeitszeiten und die damit einhergehende, immer ungleicher werdende
Verteilung von Arbeit kaum mehr in den Griff zu bekommen.“

Zwt.: Arbeitszeiten: „Wir haben ein Verteilungs-, kein
Flexibilitätsproblem“

„Mit durchschnittlich 41,6 Wochenstunden liegen Österreichs
Vollzeitbeschäftigte auf Platz 3 in der EU. 2014 wurden 268 Millionen
Überstunden geleistet. Einmal mehr zeigt sich, wie ‚flexibel‘
ArbeitnehmerInnen in Österreich längst sind. Oft auf Kosten ihrer
Gesundheit, ihres Familien- und Privatlebens,“ so Paiha weiter.
Gleichzeitig boomt Teilzeit mit Einkommen und einer sozialen
Absicherung, die vielfach nicht zum Leben ausreichen und schnellen
die Arbeitslosenzahlen in die Höhe. „Es gibt bei den Arbeitszeiten
kein Flexibilitäts-, sondern ein Verteilungsproblem. Darum brauchte
es dringend eine Verkürzung der täglichen und wöchentlichen
Arbeitszeit, um bezahlte und unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen
– zwischen jenen, die zu viel und jenen, die zu wenig haben, aber
auch zwischen Männern und Frauen.“

Zwt.: Ja zu einer arbeitnehmerInnenorientierten
Arbeitszeitflexibilisierung

Tatsächlichen Aufholbedarf sieht Paiha allerdings bei
Arbeitszeitflexibilisierungs-Modellen, die sich an Bedarfs- und
Lebenslagen von ArbeitnehmerInnen orientieren. Paiha: „Was immer noch
fehlt, ist ein Recht auf Teilzeit in spezifischen Lebenslagen mit dem
Rückkehrrecht zu Vollzeit – etwa zur Weiterbildung oder weil
Betreuungspflichten bestehen. Ebenso fehlt immer noch ein
Rechtsanspruch auf Inanspruchnahme sozial abgesicherter, zeitlich
befristeter beruflicher Auszeiten. Hier bestünde tatsächlich
dringender Handlungsbedarf, weil Belastungen und Druck in der
Arbeitswelt ständig steigen und der Bedarf nach länger
zusammenhängenden Erholungs- oder Umorientierungsphasen steigt.“

Zwt.: Klares Nein zur weiteren Ausweitung täglicher Arbeitszeiten

Ein klares Nein kommt daher von der AUGE/UG zu einer weiteren
Ausdehnung täglicher Arbeitszeiten: „Es ist bereits jetzt schwer
genug, Arbeit und familiäre bzw. private Verpflichtungen unter einen
Hut zu bekommen. Eine weitere Ausweitung täglicher Arbeitszeiten
würde einmal mehr die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
erschweren und würde einmal mehr auf Kosten der Frauen gehen, weil
eine partnerschaftliche Aufteilung der unbezahlten Arbeit zunehmend
verunmöglicht würde.“ Der Trend ‚weiblicher‘ Teilzeit und
‚männlicher‘ Vollzeit würde sich verfestigen. Frauen wären weiterhin
beruflicher Aufstiegschancen, ausreichender sozialer Sicherheit und
ökonomischer Eigenständigkeit beraubt.

„Ohne Arbeitszeitverkürzung und einem neuen, deutlich verkürzten
Vollzeitstandard wird es keine gerechtere Verteilung von Arbeit,
Einkommen und Chancen geben. Insbesondere die ÖVP ist aufgefordert,
endlich ihre Blockadehaltung in dieser Frage aufzugeben, im 21.
Jahrhundert anzukommen und ihre Retroforderung nach
12-Stunden-Arbeitstagen fallen zu lassen“ schließt Paiha.

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