Kalliauer an Industrie und Wirtschaftskammer: Schluss mit dem Krankjammern Österreichs!

Linz (OTS) - Mit der Ansiedlung von 319 internationalen Unternehmen, die hier 705 Millionen Euro investiert haben, hat die Österreichische Agentur für Betriebsansiedlungen im Vorjahr ein neues Rekordergebnis geschafft. „Diese gestern von Wirtschaftsminister Mitterlehner veröffentlichten Zahlen entlarven das Gerede vom ‚abgesandelten Standort‘ einmal mehr als reine Propaganda“, sagt AK-Präsident Kalliauer und fordert Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer auf, ihre Kampagne, die dem Image Österreichs in höchstem Maße schadet, sofort einzustellen.

Die Behauptungen von Industriellen und Wirtschaftskammerfunktionären haben nichts mit der Realität zu tun und dienen nur dem Zweck, politisches Kleingeld für die Großunternehmen herauszuschlagen - von einem weiteren radikalen Abbau der Körperschaftsteuer über die Verwässerung von Umweltauflagen, die Senkung der Löhne und Sozialleistungen (Stichwort: Lohnnebenkosten) bis zu längeren Arbeitszeiten für die Beschäftigten. „Dass sie damit nicht nur den Arbeitnehmern schaden, sondern das Ansehen Österreichs in der Welt schädigen und ausländische Investoren abschrecken, statt zu einem Engagement in Österreich zu ermutigen, nehmen sie in Kauf“, kritisiert der AK-Präsident.

In Wahrheit ist Österreich eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder der Welt. Im Verhältnis zu seiner Bevölkerung ist Österreich mit einem Bruttoinlandsprodukt BIP von 36.600 Euro pro Kopf – kaufkraftbereinigt – das wirtschaftlich leistungsfähigste EU-Land nach den Steueroasen Luxemburg, Irland und Holland und noch vor Deutschland. Heute liegt Österreich sogar noch weiter über dem Durchschnitt der EU-28 als vor zehn Jahren.

Auch auf Unternehmensebene gibt es keinen Grund zu klagen, denn die Ertragslage der Industrie ist gut, wie etwa die Auswertung der für 2015 bereits verfügbaren Jahresabschlüsse von 68 größeren Produktionsunternehmen in Oberösterreich mit insgesamt 36.687 Beschäftigten zeigt. Die Hälfte der untersuchten Sachgütererzeuger erwirtschaftete auf das eingesetzte Eigenkapital eine Rendite von zumindest fast zwanzig Prozent, um rund vier Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Das renditestärkste Unternehmensviertel kommt sogar auf eine Rendite von mehr als 30 Prozent.

Statt das erwirtschaftete Geld für Innovationen, neue Arbeitsplätze, höhere Löhne/Gehälter oder geringere Arbeitszeit zu verwenden, wird es allerdings in steigendem Ausmaß an die Eigentümer/-innen ausgeschüttet. In zehn Jahren – von 2004 bis 2014 – sind die durchschnittlichen Gewinnauszahlungen um rund 52,4 Prozent gestiegen, der Personalaufwand pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem hat sich im gleichen Zeitraum nur um 21,9 Prozent erhöht. Durch die hohen Ausschüttungen fehlen auch Mittel für wichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung, die am ehesten geeignet wären, die Entwicklung der Unternehmen nachhaltig zu sichern.

Mit der Behauptung, die Produktionskosten in Österreich seien im internationalen Vergleich viel zu hoch, versuchen vor allem die international tätigen Großunternehmen, Löhne zu drücken und Regulierungen zu beseitigen. In Wahrheit spielen sie im internationalen Wettbewerb nur eine untergeordnete Rolle und sind noch dazu in Österreich unterdurchschnittlich. Der Vergleich der Kosten und Löhne alleine sagt aber gar nichts über die Wettbewerbsfähigkeit.

Am ehesten aussagekräftig sind noch die Lohn-Stückkosten. Diese setzen die Löhne in Relation zu den durch die Arbeit geschaffenen Werten und berücksichtigen daher, wie produktiv die Arbeitnehmer/-innen sind. Die österreichischen Lohnstückkosten liegen unter dem europäischen Durchschnitt und sind auch deutlich niedriger als bei unseren wichtigsten Handelspartnern Deutschland und Italien.

„Österreich mangelt es nicht an Wettbewerbsfähigkeit, sondern an Kaufkraft. Löhne und Gehälter müssen angemessen und kaufkraftsteigernd erhöht werden. Steigende Erträge müssen in gute Arbeitsbedingungen und den Unternehmenserhalt investiert werden, statt sie – so wie derzeit im Übermaß – an die Unternehmenseigner/-innen auszuschütten. Zur Verbesserung dieser Faktoren sollten die Industriellen einen gerechten Beitrag leisten, statt immer weitere Steuer- und Lohnsenkungen für die Unternehmen zu verlangen“, fordert der AK-Präsident.

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