- 06.01.2017, 10:00:01
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Kalliauer an Industrie und Wirtschaftskammer: Schluss mit dem Krankjammern Österreichs!
Linz (OTS) - Mit der Ansiedlung von 319 internationalen Unternehmen,
die hier 705 Millionen Euro investiert haben, hat die Österreichische
Agentur für Betriebsansiedlungen im Vorjahr ein neues Rekordergebnis
geschafft. „Diese gestern von Wirtschaftsminister Mitterlehner
veröffentlichten Zahlen entlarven das Gerede vom ‚abgesandelten
Standort‘ einmal mehr als reine Propaganda“, sagt AK-Präsident
Kalliauer und fordert Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer
auf, ihre Kampagne, die dem Image Österreichs in höchstem Maße
schadet, sofort einzustellen.
Die Behauptungen von Industriellen und Wirtschaftskammerfunktionären
haben nichts mit der Realität zu tun und dienen nur dem Zweck,
politisches Kleingeld für die Großunternehmen herauszuschlagen - von
einem weiteren radikalen Abbau der Körperschaftsteuer über die
Verwässerung von Umweltauflagen, die Senkung der Löhne und
Sozialleistungen (Stichwort: Lohnnebenkosten) bis zu längeren
Arbeitszeiten für die Beschäftigten. „Dass sie damit nicht nur den
Arbeitnehmern schaden, sondern das Ansehen Österreichs in der Welt
schädigen und ausländische Investoren abschrecken, statt zu einem
Engagement in Österreich zu ermutigen, nehmen sie in Kauf“,
kritisiert der AK-Präsident.
In Wahrheit ist Österreich eines der wirtschaftlich erfolgreichsten
Länder der Welt. Im Verhältnis zu seiner Bevölkerung ist Österreich
mit einem Bruttoinlandsprodukt BIP von 36.600 Euro pro Kopf –
kaufkraftbereinigt – das wirtschaftlich leistungsfähigste EU-Land
nach den Steueroasen Luxemburg, Irland und Holland und noch vor
Deutschland. Heute liegt Österreich sogar noch weiter über dem
Durchschnitt der EU-28 als vor zehn Jahren.
Auch auf Unternehmensebene gibt es keinen Grund zu klagen, denn die
Ertragslage der Industrie ist gut, wie etwa die Auswertung der für
2015 bereits verfügbaren Jahresabschlüsse von 68 größeren
Produktionsunternehmen in Oberösterreich mit insgesamt 36.687
Beschäftigten zeigt. Die Hälfte der untersuchten Sachgütererzeuger
erwirtschaftete auf das eingesetzte Eigenkapital eine Rendite von
zumindest fast zwanzig Prozent, um rund vier Prozentpunkte mehr als
im Jahr zuvor. Das renditestärkste Unternehmensviertel kommt sogar
auf eine Rendite von mehr als 30 Prozent.
Statt das erwirtschaftete Geld für Innovationen, neue Arbeitsplätze,
höhere Löhne/Gehälter oder geringere Arbeitszeit zu verwenden, wird
es allerdings in steigendem Ausmaß an die Eigentümer/-innen
ausgeschüttet. In zehn Jahren – von 2004 bis 2014 – sind die
durchschnittlichen Gewinnauszahlungen um rund 52,4 Prozent gestiegen,
der Personalaufwand pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem hat sich im
gleichen Zeitraum nur um 21,9 Prozent erhöht. Durch die hohen
Ausschüttungen fehlen auch Mittel für wichtige Investitionen in
Forschung und Entwicklung, die am ehesten geeignet wären, die
Entwicklung der Unternehmen nachhaltig zu sichern.
Mit der Behauptung, die Produktionskosten in Österreich seien im
internationalen Vergleich viel zu hoch, versuchen vor allem die
international tätigen Großunternehmen, Löhne zu drücken und
Regulierungen zu beseitigen. In Wahrheit spielen sie im
internationalen Wettbewerb nur eine untergeordnete Rolle und sind
noch dazu in Österreich unterdurchschnittlich. Der Vergleich der
Kosten und Löhne alleine sagt aber gar nichts über die
Wettbewerbsfähigkeit.
Am ehesten aussagekräftig sind noch die Lohn-Stückkosten. Diese
setzen die Löhne in Relation zu den durch die Arbeit geschaffenen
Werten und berücksichtigen daher, wie produktiv die
Arbeitnehmer/-innen sind. Die österreichischen Lohnstückkosten liegen
unter dem europäischen Durchschnitt und sind auch deutlich niedriger
als bei unseren wichtigsten Handelspartnern Deutschland und Italien.
„Österreich mangelt es nicht an Wettbewerbsfähigkeit, sondern an
Kaufkraft. Löhne und Gehälter müssen angemessen und
kaufkraftsteigernd erhöht werden. Steigende Erträge müssen in gute
Arbeitsbedingungen und den Unternehmenserhalt investiert werden,
statt sie – so wie derzeit im Übermaß – an die
Unternehmenseigner/-innen auszuschütten. Zur Verbesserung dieser
Faktoren sollten die Industriellen einen gerechten Beitrag leisten,
statt immer weitere Steuer- und Lohnsenkungen für die Unternehmen zu
verlangen“, fordert der AK-Präsident.
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