- 04.01.2017, 09:02:02
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Gesundheitsbarometer 2017: Ungesunde Jahresbilanz und düsterer Ausblick
Jeder zweite Österreicher findet, dass das Gesundheitssystem in die falsche Richtung läuft – 62 Prozent denken, die Politik hört zu wenig auf die Ärzte
Utl.: Jeder zweite Österreicher findet, dass das Gesundheitssystem
in die falsche Richtung läuft – 62 Prozent denken, die Politik
hört zu wenig auf die Ärzte =
Wien (OTS) - Ungesund, falsch kalkuliert und oft sinnlos: Dieses
Fazit ziehen die Österreicher nicht etwa bei den
Weihnachtsgeschenken. So werden, direkt nach den Feiertagen, die
aktuellen gesundheitspolitischen Entscheidungen beurteilt. Bereits 51
Prozent der Österreicher sind sich sicher, dass unser
Gesundheitssystem in die falsche Richtung läuft. Und 62 Prozent
finden, dass die Gesundheitspolitik zu wenig auf die Meinung der
Ärztinnen und Ärzte hört. ****
Das sind nur zwei Hauptergebnisse einer im Auftrag der Wiener
Ärztekammer vom 15. bis 22. Dezember 2016 durchgeführten Umfrage des
Meinungsforschungsunternehmens Peter Hajek Public Opinion Strategies.
Insgesamt wurden 1000 Österreicher telefonisch und online befragt.
„Es sind deutliche Ergebnisse, die der Politik einen klaren
Neujahrsvorsatz vorgeben: Endlich auf Arzt und Patient zu hören“,
fasst Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und
Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, die Resultate aus seiner
Sicht zusammen.
Die Pläne der Gesundheitspolitiker fürs neue Jahr werden von der
Bevölkerung mit großer Mehrheit abgelehnt: Dass Regierung,
Bundesländer und Krankenkassen in der Frage, wo und wann Ordinationen
oder Versorgungszentren aufgesperrt werden sollten, künftig ohne
Mitspracherecht der Ärztevertreter entscheiden, sehen 73 Prozent der
Österreicher als nicht gerechtfertigt an. Gegen die Regierungspläne,
Ärztezentren in Zukunft auch von Unternehmern führen zu lassen, sind
71 Prozent.
„Drei von vier Österreichern stehen diesen Vorhaben kritisch
gegenüber. Auch wenn vielen Befragten die Details noch nicht bekannt
sind, ist es doch ein klares Misstrauensvotum“, unterstreicht Peter
Hajek von Public Opinion Strategies. „Die Bevölkerung teilt die
Sorgen der Ärztinnen und Ärzte und fürchtet offensichtlich ebenso ein
Kaputtsparen des Gesundheitssystems.“
Fehlende Finanzierung und politische Nebelgranaten
Das bestätigt auch Steinhart: „Die Umfrageergebnisse zeigen ganz
klar, wie fundamental die Politik im Vorjahr an der Bevölkerung
vorbei regiert hat. Die Regierung hat die Wünsche der Patienten
erfolgreich ignoriert und offensichtlich daran vorbei agiert.“
Besonders deutlich wird die Stimmung der Bevölkerung beim Thema
Finanzierung: 80 Prozent sind sich sicher, dass aufgrund des
Bevölkerungswachstums, der Alterung der Gesellschaft und des
medizinischen Fortschritts mehr finanzielle Mittel nötig sein werden,
während nur 14 Prozent glauben, dass dies nicht der Fall ist. 49
Prozent, also jeder zweite Befragte, ist gegen die von der
Bundesregierung geplante Begrenzung der Gesundheitsausgaben.
„Die Patienten haben der Regierung eindeutig die Rute ins Fenster
gestellt. Statt politischer Nebelgranaten brauchen wir endlich ein
Feuerwerk an Ideen, um die Problemstellen aus Patientensicht zu
lösen“, betont Steinhart. Vertrauen haben die Österreicher dabei vor
allem in eine Institution: die Ärztekammer. Während nur 18 Prozent
dem Gesundheitsministerium vertrauen, legen 35 Prozent in Fragen der
Finanzierung des Gesundheitssystems ihr Vertrauen in die ärztliche
Standesvertretung. „Hier genießt die Ärztekammer ein deutlich
stärkeres Vertrauen als das Gesundheitsministerium im Verhältnis zwei
zu eins“, erklärt Hajek.
Für die Ärztekammer sind die Umfrageergebnisse ein klarer Auftrag,
sich auch 2017 gegen das Kaputtsparen des Gesundheitssystems
aufzulehnen und für eine moderne Gesundheitsversorgung einzutreten.
Steinhart: „Das Gesundheitsbarometer macht einmal mehr den dringenden
Gesprächsbedarf deutlich und zeigt, dass die Gesundheitspolitik nur
gemeinsam mit uns auf einen grünen Zweig kommen wird. Unsere
Einladung zu einem runden Tisch steht auch im Jahr 2017.“ (lsd)
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