• 03.01.2017, 09:47:55
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  • OTS0023

Neujahrsvorsatz „endlich schuldenfrei“ für viele unmöglich

Sinkende Privatkonkurszahlen zeigen ein Problem im österreichischen Insolvenzrecht auf. Nur ein Bruchteil jener, die einen Privatkonkurs bräuchten, kann diesen auch umsetzen.

Utl.: Sinkende Privatkonkurszahlen zeigen ein Problem im
österreichischen Insolvenzrecht auf. Nur ein Bruchteil jener,
die einen Privatkonkurs bräuchten, kann diesen auch umsetzen. =

Wien (OTS) - Die Zahl der Privatkonkurse sinkt. 2016 wurden 7.855
derartige Verfahren bei den Gerichten eröffnet, das sind um fast 10
Prozent weniger als 2015. Dass dies jedoch keineswegs darauf
zurückzuführen ist, dass weniger Menschen in die Überschuldung
rutschen, zeigt die jährlich steigende Anzahl von KlientInnen der
Schuldenberatungen. Rund 60.000 Menschen suchten 2016 die
Unterstützung einer staatlich anerkannten Schuldenberatung. Vor zehn
Jahren waren es 37.000. Zudem sind laut einer Schätzung von
Gläubigervertretern aktuell 118.000 Menschen überschuldet. Warum kann
sich nur ein Bruchteil von ihnen über den Privatkonkurs entschulden
und warum bleiben über 90 Prozent der Überschuldeten auf ihren
Schulden sitzen?

Neujahrsvorsatz zum Scheitern verurteilt

„Viele Menschen in Österreich werden mit dem Vorsatz ins Jahr 2017
starten, endlich ihre Schulden loszuwerden. Dass es nur wenigen von
ihnen gelingen wird, liegt vor allem an den gesetzlichen
Rahmenbedingungen in Österreich“, sagt Clemens Mitterlehner,
Geschäftsführer der asb, Dachorganisation der staatlich anerkannten
Schuldenberatungen, die fast zwei Drittel aller Privatkonkurse
begleiten.
1995 wurde mit dem Privatkonkurs die Möglichkeit einer sogenannten
„Restschuldbefreiung“ für Privatpersonen geschaffen. War Österreich
damit vor zwanzig Jahren noch Vorreiter in Europa, sind wir
mittlerweile Schlusslicht, weil die Rechtslage nicht an aktuelle
sozialpolitische und gesellschaftliche Notwendigkeiten angepasst
wurde. Seit Einführung des Privatkonkurses müssen binnen sieben
Jahren mindestens zehn Prozent der Schulden zurückbezahlt werden. Das
klingt nicht viel, ist aber für Menschen mit geringem Einkommen
(Alleinerziehende, MindestpensionistInnen) und sehr hohen Schulden
(ehemalige Selbstständige) eine unüberwindbare Hürde. Diese Menschen
sind de facto vom Privatkonkurs ausgeschlossen. Derartige
Mindestquoten existieren in kaum einem anderen Land – und es gibt
international eine klare Tendenz zur Verkürzung der
Entschuldungsdauer auf maximal fünf Jahre.

„Seit Jahren wird hierzulande um eine Reform gerungen, bisher ohne
Erfolg. Also warten zehntausende Überschuldete weiterhin vergeblich
auf den Rettungsring. Gläubigerberater und Wirtschaftspolitiker
verhindern mit ihrer Blockadeposition Reformen, die wirtschafts- und
sozialpolitisch dringend notwendig sind“, sagt Mitterlehner. Einzelne
Bundesländer wie Oberösterreich haben steigende Privatkonkurszahlen:
Dort ist Schuldenberatung breit aufgestellt und gut ausgestattet, die
Arbeitsmarktsituation ist vergleichsweise besser als in anderen
Bundesländern. „Deshalb wundert es nicht, dass dort auch mehr
Menschen in Konkurs gehen können.“

Andere Länder – bessere Konkursmodelle

In der aktuellen Fachzeitschrift „das budget“ zum Thema „Entschuldung
anderswo“ werden Schuldenregulierungsverfahren in anderen Ländern der
Welt unter die Lupe genommen. Es finden sich Ideen, Möglichkeiten und
gute Beispiele, wie ein modernes Insolvenzrecht funktionieren kann
und bei jenen ankommt, die es dringend brauchen – bei den
überschuldeten Menschen und ihren Angehörigen. „Davon profitieren
nicht nur die betroffenen Menschen, sondern auch Gläubiger,
Arbeitgeber und der Staat“, sagt Mitterlehner: „Denn: Geht’s den
Menschen gut, geht’s der Wirtschaft gut.“

Hintergrundmaterial:

www.schuldenberatung.at
www.budgetberatung.at
Aktuelle Ausgabe „das budget“ zu „Entschuldung anderswo“ auf Anfrage
als pdf verfügbar!

Kontakt zu den GeschäftsführerInnen der Schuldenberatungen in
den Bundesländern:

- Schuldnerberatung Wien, Tel. 01 33 08 735–66930 Mag.a (FH) Gudrun
Steinmann in Vertretung für DSA Alexander A. Maly
- Schuldnerberatung Niederösterreich, Tel. 02742-35 54 20 – Michael
Lackenberger
- Schuldnerberatung Oberösterreich, Tel. 0732-77 55 11, 0699-1 777
555 0 – Mag. Thomas Berghuber
- SCHULDNERHILFE OÖ, Tel. 0732-77 77 34, 0699-81 66 57 54 – Mag. (FH)
Ferdinand Herndler
- Schuldenberatung Salzburg, Tel. 0676-507 52 00 – Mag. Peter T.
Niederreiter
- Schuldenberatung Tirol, Tel. 0512-57 76 49 – Mag. Thomas Pachl
- ifs Schuldenberatung Vorarlberg, Tel. 05-1755 580, Mobil 0664-60884
100 – DSA Peter Kopf
- Schuldnerberatung Steiermark, Tel. 0316-37 25 07, 0676-880 15 160 –
Mag. Christof Lösch
- Schuldnerberatung Kärnten, Tel. 0463-51 56 39 – Mag. Karl Kleindl
- Schuldenberatung Burgenland, Tel. 02682-600 215 – Mag.a Gabriela
Perusich

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