• 29.12.2016, 09:00:16
  • /
  • OTS0007

Neue Ernährungsstrategie stärkt die kleinsten Frühgeborenen

Wien (OTS) - Am Neujahrstag am kommenden Sonntag wird es wieder darum
gehen, wo in Österreich das "Neujahrsbaby 2017" gesund auf die Welt
gekommen ist. Möglicherweise ist es auch ein Frühgeborenes. Die
kleinsten Frühgeborenen – mit weniger als einem Kilogramm
Geburtsgewicht – zeigen häufig während ihres langen
Krankenhausaufenthalts eine schlechte Gewichtzunahme mit Folgen für
das spätere Wachstum. Jetzt konnte in einer retrospektiven
Datenanalyse an der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde der MedUni Wien gezeigt werden, dass durch eine
„aggressivere“ Ernährung - vor allem mit mehr Eiweiß - eine deutliche
Verbesserung des Ernährungszustands, der Entwicklung und des
Wachstums dieser Allerkleinsten erzielt werden konnte.

"Bisher war man bei der Ernährung dieser kleinen Frühgeborenen extrem
vorsichtig, vor allem aus Angst vor einer möglichen Darmentzündung",
erklärt Andreas Repa von der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde der MedUni Wien/AKH Wien. "Unsere Datenanalyse zeigt
aber, dass eine neue Strategie, gestützt auf vorangegangene,
internationale Studien, viel bessere Erfolge zeigt."

"Neu" heißt dabei: Via Sonde und mittels Infusion wurde vor allem
mehr Eiweiß gegeben, dazu noch Vitamine, Elektrolyte, Kalzium und
Zucker. Damit wurde bei den extrem unreifen Frühgeborenen, die vor
der 28. Schwangerschaftswoche mit rund einem Kilo Geburtsgewicht zur
Welt kamen, jene Nährstofflücke geschlossen, die sich durch die frühe
Geburt ergibt. Ansonsten hätten sie diese Nährstoffe über den
Mutterkuchen im Bauch der Mutter im weiteren Verlauf der
Schwangerschaft zugeführt bekommen.

Das Ergebnis der Datenanalyse: Die Kinder konnten mit einem höheren
Gewicht von rund 2,5 Kilogramm (gegenüber durchschnittlich zwei Kilo
bei bisher üblicher Ernährung) aus dem Spital entlassen werden,
außerdem legten sie beim Kopfumfang und bei der Körpergröße gegenüber
anderen Frühgeborenen, die weniger hochkalorisch ernährt worden
waren, um jeweils einen Zentimeter zu. Repa: „Das zeigt, dass diese
Änderung in der best-practice sehr erfolgreich ist. Diese
allerkleinsten Frühgeborenen verlassen gestärkt das Spital und sind
später nicht viel kleiner als reif geborene Kinder.“

Diese neue Strategie ist ein weiterer Baustein für die höchst
erfolgreiche Betreuung von Frühgeborenen an der MedUni Wien bzw. im
AKH Wien. Jährlich werden hier rund 200 Kinder versorgt, die vor der
Schwangerschaftswoche 32 geboren werden – davon 100, die zwischen der
Schwangerschaftswoche 23 und 27, also bis zu 17 Wochen zu früh, auf
die Welt kommen.

Die Vergleichszahlen zeigen: An den Stationen der Neonatologie an der
MedUni Wien/AKH Wien sind die Überlebensraten bei diesen unreifsten
Frühgeborenen auch im internationalen Vergleich top. Von den
Frühgeborenen der Schwangerschaftswoche 23 und 24, die derzeit als
Grenze der Lebensfähigkeit angesehen werden, überleben an der Wiener
Klinik über 70 Prozent aller Kinder, im Unterschied zu etwa 50
Prozent im internationalen Vergleich.

Service: PeerJ

„Aggressive nutrition in extremely low birth weight infants: impact
on parenteral nutrition associated cholestasis and growth.“ Andreas
Repa, Ruth Lochmann, Lukas Unterasinger, Michael Weber, Angelika
Berger, Nadja Haiden.
https://peerj.com/articles/2483/

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MEU

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel