- 16.12.2016, 10:30:02
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WIFO: Prognose für 2017 und 2018: Kräftige Inlandsnachfrage hält noch etwas an
Wien (OTS) - Die Inlandsnachfrage expandiert zur Zeit kräftig, die
Steuerentlastung fördert eine Ausweitung des Konsums dauerhafter
Güter wohl noch bis Mitte 2017. Die Investitionen werden 2016 von
Fahrzeuganschaffungen getrieben, sodass die heimische Produktion
weniger davon profitiert. Mit dem Auslaufen der Steuerreformeffekte
und dem Anziehen der Inflation wird sich das Wachstum etwas
verlangsamen, da die hohe Arbeitslosigkeit die Konsumbereitschaft
dämpft und die Auslandsnachfrage nur mäßig zunimmt. Trotz robuster
Beschäftigungsexpansion übertrifft der Arbeitskräftezustrom weiterhin
die Absorptionsfähigkeit des Arbeitsmarktes; die Arbeitslosenquote
steigt.
Die Nachfrage wächst in Österreich zur Zeit kräftig. Die privaten
Haushalte weiten ihren Konsum aufgrund der Einkommenssteigerungen
durch die Steuerentlastung aus, und die Unternehmen vieler Branchen
verzeichnen eine Verbesserung ihrer Lage. Dies überträgt sich aber
nur zum Teil auf die Herstellung von Waren in Österreich, zumal 2016
vor allem Kraftfahrzeuge angeschafft werden und diese zum Großteil
importiert werden oder vorrätig sind. Zudem schrumpft die
Exportnachfrage aus den USA und aus den MOEL 5 (Polen, Slowakei,
Slowenien, Tschechien, Ungarn); derzeit stützt besonders der
Außenhandel mit dem Euro-Raum die Warenausfuhr. Das
außenwirtschaftliche Umfeld wird sich insgesamt etwas verbessern,
wenn die Investitionsschwäche in den USA abklingt und die Förderungen
des mehrjährigen EU-Finanzrahmens wieder fließen, die den
Investitionszyklus einiger ostmitteleuropäischer Länder stark
beeinflussen.
Günstiger als die Warenausfuhr entwickeln sich die
Tourismusexporte. Die Nachfrage nach diesen Dienstleistungen wirkt
wenig produktivitätssteigernd und hat daher einen starken
Beschäftigungseffekt, erzeugt aber gleichzeitig einen erhöhten
Preisdruck. Daher liegt die Inflationsrate weiterhin über dem
Durchschnitt des Euro-Raumes, 2016 aber zum zweiten Mal in Folge
unter 1%. Aufgrund der Annahme einer Rohölverteuerung auf 57 $ je
Barrel zieht sie 2017 auf 1,7% an, sodass die realen Bruttolöhne pro
Kopf stagnieren. Die Nettolöhne erhalten 2016 einen positiven Impuls
durch die Steuerentlastung und werden danach von der kalten
Progression wieder etwas gedämpft. Die Beschäftigung expandiert 2016
schneller als im Vorjahr. Da sich gleichzeitig der durch die
Arbeitsmarktöffnung verstärkte Zustrom aus Osteuropa verlangsamt,
steigt die Arbeitslosigkeit kaum. In den kommenden Jahren wird sie
aber wieder zunehmen, hauptsächlich aufgrund der Arbeitsmarktpräsenz
von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten.
Sobald die Wirkung der Steuerentlastung Mitte 2017 ausläuft,
wächst die Konsumnachfrage wieder schwächer. Die Ökologisierung der
Dienstwagenbesteuerung dürfte 2016 erhebliche Vorzieheffekte
ausgelöst haben, sodass der Fahrzeugboom danach abflachen wird. Die
Nachfrage nach Maschineninvestitionen wird sich angesichts der
mäßigen Auslandsnachfrage nur leicht verstärken. Die Bautätigkeit
nimmt zu, dem steigenden Wohnraumbedarf stehen aber oft
Einkommensbeschränkungen und sehr hohe Grundstückspreise gegenüber.
Vor diesem Hintergrund wird die Expansion der gesamtwirtschaftlichen
Nachfrage, die das konjunkturbedingte Wirtschaftswachstum von 1,3%
2016 auf 1,7% 2017 beschleunigt, 2018 wahrscheinlich auf 1,4%
nachlassen. Eine geringere Zahl an Arbeitstagen dämpft zudem die
Wachstumsrate 2017. Damit ergeben sich Jahreswachstumsraten von
jeweils 1,5% 2016 und 2017 sowie 1,4% 2018.
Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)
Methodische Hinweise und Kurzglossar
Die laufende Konjunkturberichterstattung gehört zu den wichtigsten
Produkten des WIFO. Um die Lesbarkeit zu erleichtern, werden
ausführliche Erläuterungen zu Definitionen und Fachbegriffen nach
Möglichkeit nicht im analytischen Teil gebracht, sondern im
vorliegenden Glossar zusammengefasst.
Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem
Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies
schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl
von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im
Gegensatz zu den an Eurostat gelieferten und auch von Statistik
Austria veröffentlichten "saison- und arbeitstägig bereinigten
Veränderungen" der vierteljährlichen BIP-Daten bereinigt das WIFO
diese zusätzlich um irreguläre Schwankungen. Diese als
Trend-Konjunktur-Komponente bezeichneten Werte weisen einen ruhigeren
Verlauf auf und machen Veränderungen des Konjunkturverlaufes besser
interpretierbar.
Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ."
beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode
des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.
Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung
liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf
und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings
zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen
Methoden beruht.
Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im
unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des
vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres
(t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1,
wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0
(in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.
Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der
Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate
2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte
jene von 2009 auf 2010.
Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um
Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell
ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens
angeführt.
Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D
(Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren,
Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich
verwendet.
Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise
gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein
Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte
Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare
Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der
Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone (siehe auch
http://www.statistik.at/ ).
Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht
eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die
Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete
Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden über 87% der im
österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2015)
enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der
Kerninflation einbezogen.
WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund
1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen
und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist
eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer
Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at ). Die
Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem
der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.
Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung
registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen.
Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und
unselbständig Beschäftigten (gemessen in
Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei
AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.
Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen,
die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als
erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde
selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die
Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den
Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die
Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen
Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).
Begriffe im Zusammenhang mit der österreichischen Definition der
Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in
AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der
Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler
berücksichtigt.
Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig
Beschäftigten" zählen auch Personen mit aufrechtem Dienstverhältnis,
die Kinderbetreuungsgeld beziehen bzw. Präsenzdienst leisten. Zieht
man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv
Beschäftigten".
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