- 14.12.2016, 19:54:52
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Nationalrat fordert Digitalisierungsoffensive an den Schulen ein
Vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen als Zukunftschance
Utl.: Vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen als
Zukunftschance =
Wien (PK) - Der Nationalrat spricht sich mit großer Mehrheit für eine
Digitalisierungsoffensive an den Schulen aus. Eine entsprechende
Entschließung, die der Unterrichtsausschuss dem Plenum vorgelegt hat,
passierte heute das Plenum. Grundlage für den Vorstoß von SPÖ, ÖVP
und NEOS war ein ursprünglicher Antrag der NEOS.
Die geforderte Digitalisierungsinitiative soll prinzipiell den Erwerb
und die Festigung digitaler Kompetenzen fördern und den Ausbau der
technischen Infrastruktur intensivieren. Die Maßnahmen sollen
altersgerecht, den Anforderungen am jeweiligen Schulstandort und den
Aufgaben der jeweiligen Schulart entsprechend und erforderlichenfalls
in Abstimmung mit den Eltern umgesetzt werden.
Konkret fordern die Abgeordneten die Bereitstellung bzw. Ausweitung
der technischen/digitalen Infrastruktur an Schulen wie etwa eine
leistungsstarke Internetanbindung und entsprechende Endgeräte für
SchülerInnen und LehrerInnen. Digitale Kompetenzen seien umfassend in
der Aus-, Fort- und Weiterbildung der PädagogInnen einzubauen,
digitale Bildung über alle Schul- und Altersgruppen hinweg
altersadäquat im schulischen Alltag und in den Lehrplänen zu
verankern, so die Leitlinien, die die Abgeordneten vorgeben. Es gehe
um die Vermittlung von informatischem Basiswissen (Coding,
Computational Thinking) und die Förderung eines spielerischen Zugangs
zur Technik ab der Grundschule. Im Einklang mit den Aufgaben der
jeweiligen Schulart entsprechend soll gegebenenfalls das
Unterrichtsfach "Digitale Kompetenzen" eingeführt werden. Ferner
fordern die Abgeordneten eine schrittweise Bereitstellung offen und
einfach zugänglicher, digitaler Unterrichtsmittel für den
Regelunterricht und den Ausbau von Online-Plattformen an Schulen.
FPÖ: Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen haben Vorrang
Die Freiheitlichen halten es angesichts der schlechten PISA-
Ergebnisse für den falschen Weg, ein neues Unterrichtsfach für diese
vierte Kulturtechnik einzuführen, auch wenn sie selbstverständlich
die Notwendigkeit digitaler Bildung angesichts des technologischen
Wandels sehen, wie Gerald Hauser (F) in der Debatte betonte. Man
müsse bei den traditionellen Kulturtechniken ansetzen und auf diese
primär den Focus legen, deren Beherrschung sei die Voraussetzung
dafür, dem digitalen Unterricht folgen zu können, sagte er. Hauser
hält es auch für verfrüht, mit dem digitalen Unterricht an den
Grundschulen zu beginnen.
Außerdem fehlen laut Hauser an den Schulen die notwendigen
technischen Voraussetzungen. Um den Nachholbedarf im
Infrastrukturbereich zu verdeutlichen, wies er darauf hin, dass nur
13,2% der Bundesschulen und 15,7% der Pflichtschulen über einen
Breitbandinternetanschluss verfügen; schätzungsweise gibt es nur für
jeden sechsten Schüler einen Computerplatz. Gerald Hauser und Walter
Rosenkranz traten daher in einer eigenen Entschließung dafür ein, die
Voraussetzungen zu schaffen, damit neben dem Schwerpunkt des
Erlernens der grundlegenden Kulturtechniken Lesen, Schreiben und
Rechnen auch der Umgang mit und die Nutzung von digitalen Werkzeugen
im Bildungssystem Niederschlag findet. Der Antrag fand jedoch keine
ausreichende Unterstützung.
SPÖ, ÖVP, Grüne und NEOS: Digitalisierung eröffnet große
Zukunftschancen
Anders die RednerInnen von SPÖ, ÖVP, Grünen und NEOS - sie alle
zeigten sich überzeugt davon, dass der Einzug der Digitalisierung im
Unterricht notwendig ist, um den jungen Menschen die Chancen für die
Zukunft nicht zu versperren. Der Umfang müsse jedoch weit über das
technische Know-how hinausgehen. Es könne keine Rede davon sein, dass
Digitalisierung in Konkurrenz zu den drei herkömmlichen
Kulturtechniken tritt, beteuerten alle, diese seien nach wie vor
unverzichtbar.
Ein sinnvoller Umgang mit Computer und Smartphones würden es
ermöglichen, den Unterricht zu individualisieren und diesen auf
Kinder persönlich zuzuschneiden, zeigte sich Harald Walser (G)
überzeugt. Auf diese Weise könnte die Schule auch atmosphärisch
verändert werden. Walser unterstützte in diesem Sinne die Initiative
vollinhaltlich, warnte aber davor, dass Konzerne monopolartig in
Schulen das große Geschäft machen. Hier müsse genau kontrolliert
werden, forderte er. Die digitale Welt ist unsere Realität, auch jene
der Kinder, warb auch Claudia Angela Gamon (N) für die Initiative. In
der Zukunft werde man immer mehr Fachkräfte in diesem Bereich
benötigen, warf sie einen Blick in die zukünftige Arbeitswelt, um die
Wichtigkeit des digitalen Unterrichts zu unterstreichen. Sie stimmte
mit Walser auch darin überein, dass mit der Digitalisierung die
Möglichkeiten eines individuellen Unterrichts besser genützt werden
können.
Ebenfalls als enorme Chance sahen Eva-Maria Himmelbauer (V) und
Andrea Gessl-Ranftl (S) die Digitalisierung. Wir brauchen digitale
Kompetenzen und wir brauchen Menschen, die sich für IT, IKT und MINT-
Fächer interessieren, sagte Himmelbauer. Das derzeitige
Unterrichtsprinzip sei zu sehr "anwendungslastig", kritisierte sie,
vielmehr müsse es darum gehen, das Verständnis zu schärfen, wie die
technologische Welt funktioniert. Ein digitaler Unterricht müsse
daher umfassend sein und Medien und Wissensnavigation ebenso
vermitteln wie IT-Sicherheit und Datenschutz, Ethik und Humanismus.
Programmieren sei ein vielfältiges Feld und schule auch logisches und
analytisches Denken. Himmelbauer räumte ein, dass man im Bereich
Infrastruktur noch viel aufzuholen habe.
Der digitale Unterricht müsse bereits im Kindergartenalter beginnen,
forderte Gessl-Ranftl angesichts kommender Herausforderungen. Die
besten Ergebnisse würden erzielt, wenn man digitale Bildung mit
analoger Bildung verbindet. Großen Wert legte die Rednerin auf die
Aus- und Weiterbildung der LehrerInnen sowie darauf, dass diese
vermehrt fächerübergreifend digitale Kompetenzen vermitteln. Ähnlich
die Wortmeldung von Erwin Preiner (S), der die Vorbildfunktion seines
Bundeslandes Burgenland bei der Digitalisierung hervorhob. Notwendig
ist es seiner Meinung nach, die Inhalte altersadäquat aufgrund
moderner Unterrichtsmethoden zu vermitteln und vor allem den
kritischen Umgang mit der digitalen Welt zu schulen. (Fortsetzung
Nationalrat) jan
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