- 14.12.2016, 10:24:51
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ÖÄK: Streik- und Aktionstag und 5. Tag der Allgemeinmedizin
Wien (OTS) - Der heutige fünfte Tag der Allgemeinmedizin,
veranstaltet von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), steht ganz
im Zeichen des Streik- und Aktionstages, der ebenfalls heute in ganz
Österreich stattfindet. Damit protestiert die Bundeskurie
niedergelassene Ärzte gegen die Umsetzung der Artikel
15a-Vereinbarungen, die heute im Parlament beschlossen werden sollen.
Auch die darin enthaltene Neuregelung der Primärversorgung sei damit
ein Thema des Tages der Allgemeinmedizin, erklärte der Obmann der
Bundeskurie niedergelassene Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident Johannes
Steinhart bei einer Pressekonferenz. In diesem Zusammenhang fordere
die ÖÄK einmal mehr die Einbindung der Ärzteschaft in den politischen
Diskurs sowie das Festhalten am Primat der wohnortnahen Versorgung
durch in Einzel- und Gruppenpraxen freiberuflich tätige Ärztinnen und
Ärzten vor ambulanten Krankenanstalten.
Streik- und Aktionstag als Zeichen des Aufbruchs
Dass der heurige Tag der Allgemeinmedizin mit bundesweiten
Ärzteprotesten zusammenfalle, sei auch ein Zeichen des Aufbruchs,
erklärte der Leiter der ÖÄK-Sektion Allgemeinmedizin und stv. Obmann
der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, Gert Wiegele. Der
Hausarztberuf habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark
gewandelt.
Allen aktuellen Problemen zum Trotz gehe es am Tag der
Allgemeinmedizin darum, der nachkommenden Ärztegeneration die Augen
für all das zu öffnen, was den Beruf des Arztes für Allgemeinmedizin
immer wieder auch zum Traumberuf mache – nämlich Vielfalt in jeder
Hinsicht. Wiegele: „Als Hausärztinnen und Hausärzte betreuen wir
unsere Patienten in sämtlichen Lebenssituationen. Wir behandeln
Kinder und alte Menschen im Akutfall und bei chronischen
Erkrankungen. Wir wirken präventiv und vor allem: Wir sind gefordert,
den Fokus nicht auf ein krankes Organ, sondern auf den Patienten in
seiner gesamten physischen, psychischen und sozialen Situation zu
richten.“ All diese Aspekte machten den Beruf des Allgemeinmediziners
extrem lohnenswert.
„Die Politik sollte dieses Potenzial nützen und fördern, denn eines
ist klar: Unser öffentliches Gesundheitssystem wird nur dann
weiterhin leistbar sein, wenn die Allgemeinmedizin tatsächlich
ausgebaut wird. Das ärztliche Personal dafür wird sich aber nur dann
finden, wenn auch die Arbeitsbedingungen passen“, erklärte der stv.
Bundesobmann niedergelassene Ärzte.
Lehrpraxis-Finanzierung endlich sicherstellen
Auch bei der aktuellen Evaluierung der Basisausbildung hätte nur gut
ein Drittel der Teilnehmer angegeben, sich für die Ausbildung zum
Allgemeinmedizin entschieden zu haben, gab der Obmann der
Bundessektion Turnusärzte und stv. Obmann der Bundeskurie angestellte
Ärzte, Karlheinz Kornhäusl, zu bedenken.
Einer der Hauptgründe sei die „große Verunsicherung bezüglich der
Lehrpraxis“. Denn zwar habe sich die Politik nach intensiven
Bemühungen der Ärztekammer dazu durchgerungen, eine gesetzlich
verpflichtende Lehrpraxis einzuführen. „Allerdings nicht – wie von
der ÖÄK gefordert – für zwölf, sondern vorerst nur für sechs Monate,
und das bis dato ohne Finanzierungsgarantie“, so Kornhäusl. Er
forderte daher eine „umgehende und 100-prozentige öffentliche
Finanzierung der Lehrpraxis“.
Auch die unattraktiven Arbeitsbedingungen von
Kassen-Allgemeinmedizinern würden abschrecken. Dazu gehören auch
teils veraltete, teils unvollständige Leistungskataloge. Kornhäusl:
„Zu wissen, wie man helfen könnte, aber die Mittel nicht zur
Verfügung zu haben, ist frustrierend, ja belastend und betrifft
besonders die Allgemeinmedizin. Anstatt jedoch den Leistungskatalog
auf internationales Niveau zu bringen, den Stellenwert der
Gesprächsmedizin endlich auch in den Honoraren abzubilden, anstatt
flexiblere Modelle der Zusammenarbeit im niedergelassenen Bereich zu
ermöglichen, setzt die Politik weiter stur auf Zentralisierung und
Ausschaltung der Standesvertretung. Das kann so nicht weitergehen.“
Fortsetzung der Proteste mit parlamentarischer
Bürgerinitiative
„Der Konflikt mit dem Gesundheitsministerium und den Krankenkassen
ist damit keineswegs beendet“, erklärte der ÖÄK-Vizepräsident. Unter
dem Titel „Retten wir unsere Gesundheitsversorgung“ werde eine
parlamentarische Bürgerinitiative gestartet, so Steinhart. (ar)
Weitere Infos:
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