- 09.12.2016, 09:00:01
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WIFO-Studie: Österreichs Industrie kritisiert Bürokratie und lange Behördenwege
Wien (OTS) - Die Industrieunternehmen sind mit der heimischen
Verwaltung nur eingeschränkt zufrieden. Fast die Hälfte der
Unternehmer kritisieren Hürden bei der Steuererhebung und der
Arbeitsplatzregulierung. Verantwortlich dafür sehen sie die Politik,
die zu wenig an den Standort denke. Das ergibt eine aktuelle Studie
des WIFO.
Die österreichischen Industrieunternehmen stellen der öffentlichen
Verwaltung und den Behörden ein nur mäßiges Zeugnis aus. Besonders
unzufrieden zeigt sich die Industrie mit der Steuererhebung und der
Steuerprüfung durch das Finanzamt sowie mit den Bestimmungen zur
Arbeitssicherheit und Arbeitsplatzregulierung. Das ergibt eine breit
angelegte Befragung heimischer Industrieunternehmen durch das
Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO). Die Studie
ist Teil des WIFO-Forschungsprogramms "Österreich 2025". Befragt
wurden mehr als 300 der größten in Österreich tätigen
Industrieunternehmen.
Insgesamt 47 Prozent aller befragten Unternehmer sind mit dem
Verwaltungsaufwand rund um die Arbeitssicherheit und mit der
Arbeitsplatzregulierung "unzufrieden" oder "sehr unzufrieden".
Weitere 43 Prozent klagen über die behördlichen Abläufe bei der
Steuererhebung und Steuerprüfung. Kritik gibt es auch an der
Durchführung öffentlicher Vergaben: 24 Prozent der Unternehmer sind
mit den Ausschreibungen "unzufrieden" oder "sehr unzufrieden".
Lob gibt es für die staatlichen Leistungen beim Import und Export
von Gütern und Anlagen. Hier zeigen sich 47 Prozent "zufrieden" oder
"sehr zufrieden", nur 11 Prozent äußerten sich negativ. Auch bei
Patentverfahren, Forschungsförderung und der Zulassung von Produkten
ergibt sich ein überwiegend positives Bild. Gespalten ist die
Industrie hinsichtlich der Einstellung neuer Beschäftigter: Mit den
Behördenwegen am AMS und staatlichen Leistungen (etwa Zuschüssen)
zeigen sich 30 Prozent der Befragten "unzufrieden" oder "sehr
unzufrieden". Ihnen stehen 22 Prozent (sehr) zufriedener Unternehmer
gegenüber.
"Die zentrale Kritik der Industrie entzündet sich weniger an
Ineffizienzen der Verwaltung als an den
Regulierungsbefolgungskosten", sagt Projektleiter Werner Hölzl. "Die
Unternehmer sehen sehr wohl, dass die Behörden Regulierungen
auszuführen haben, die von der Politik vorgegeben werden. Und die
Regulierungsdichte scheint immer weiter zuzunehmen." Hier verorten,
so Hölzl, einzelne Unternehmen sogar "einen Widerspruch zwischen den
politischen Bekenntnissen zum Standort und der tatsächlichen
Gesetzgebung."
Um den Standort zu sichern, wünschen sich 92 Prozent der
Unternehmer eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts, so ein weiteres
Ergebnis der WIFO-Studie. 88 Prozent fordern, dass die Steuer- und
Abgabenquote generell gesenkt wird. Weitere 67 Prozent befürworten
eine Entlastung des Faktors Arbeit, die durch eine Verschiebung der
Steuerbelastung gegenfinanziert wird. 82 Prozent halten
Verbesserungen im Bildungsbereich für wichtig. Auch
Planungssicherheit ist der Industrie wichtig: Immerhin 58 Prozent
fordern, dass künftige Regulierungen besser vorhersehbar sein
sollten.
Übersicht 1: Wie zufrieden ist Ihr Unternehmen mit den Behördenwegen
und staatlichen Leistungen in folgenden Bereichen in Österreich? -
auf der WIFO-Website (http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/59207)
Übersicht 2: Wie wichtig wären Veränderungen in den folgenden
wirtschaftspolitischen Bereichen in Österreich, um die Präsenz Ihres
Unternehmens am österreichischen Standort langfristig
sicherzustellen? - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/59207)
Für die WIFO-Studie wurden mehr als 1.000 Industrieunternehmen zu
Wettbewerbsfähigkeit, Standortfaktoren, Markt- und Produktstrategien
sowie zu ihrer Positionierung in der internationalen
Wertschöpfungskette befragt. Die Rücklaufquote lag bei 32 Prozent.
Befragt wurden sowohl rein österreichische Unternehmen sowie
Unternehmen, die Teil einer internationalen Unternehmensgruppe sind.
Publikationshinweis:
Werner Hölzl, Klaus S. Friesenbichler, Agnes Kügler, Michael Peneder,
Andreas Reinstaller, Gerhard Schwarz, Österreich 2025 - Industrie
2025: Wettbewerbsfähigkeit, Standortfaktoren, Markt- und
Produktstrategien und die Positionierung österreichischer Unternehmen
in der internationalen Wertschöpfungskette (Dezember 2016, 37 Seiten,
40 €, Download 32 €: http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/59184)
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