• 02.12.2016, 13:46:08
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  • OTS0138

Spitzweg, Wurm, Avramidis, Hodler, Frauenbilder und mehr im Leopold Museum 2017

Erwin Wurm (geb. 1954), Landed Gentry (Hermés),
2008, C-Print, 80 x 69 cm, Privatsammlung, Pressebild zur
Ausstellung "Carl Spitzweg - Erwin Wurm. Köstlich! Köstlich?",
Leopold Museum, 25.3.17 bis 19.6.17

Wien (OTS) - Die Leopold Museum-Direktoren Hans-Peter Wipplinger und
Gabriele Langer ließen im Rahmen der Pressekonferenz ein aktives und
ereignisreiches Jahr 2016 Revue passieren und präsentierten die
Sonderausstellungen sowie die Kooperationen des Jahres 2017.

Nach der erstmals ausgerichteten neuen Kunstmesse Art Vienna (23. bis
26.2.17) startet das Ausstellungsjahr im Leopold Museum mit einer
außergewöhnlichen Gegenüberstellung. Der gemeinhin dem Biedermeier
zugeordnete, ironisch-humorvolle Maler Carl Spitzweg (1808–1885)
trifft dabei auf Erwin Wurm (geb. 1954), den Meister des erweiterten
Skulpturbegriffes. Die von Leopold Museum-Direktor Hans-Peter
Wipplinger kuratierte Schau „Carl Spitzweg – Erwin Wurm. Köstlich!
Köstlich?“ (25.3. bis 19.6.17) ist 130 Jahre nach dem Tod des
Künstlers die erste Ausstellung des deutschen Malers in Österreich.
Kurator Hans-Peter Wipplinger: „Wir zeigen nicht nur den
herausragenden Maler und begnadeten Zeichner Spitzweg, der im
kulturhistorischen Fluidum des Biedermeier sein Werk schuf, sondern
auch den gesellschaftskritischen Geist Spitzweg, der ein Meister der
Analyse von autoritären Herrschaftsverhältnissen und sozialen
Hierarchien war und mit seinen Werken pointierte Kommentare des
Zeitgeschehens lieferte.“ Sowohl Spitzwegs als auch Wurms Œuvre sind
gespickt mit Anspielungen und Doppelbödigkeiten, beider Humor basiert
auf Szenarien der Poesie und scheinbaren Idylle. Beschaulichkeit,
kleinbürgerlicher Atmosphäre und Spießbürgertum wird ein entlarvender
Spiegel vorgehalten und der kritisch-reflektierte Humor als Waffe
eingesetzt.

Umfassende Retrospektiven werden im Jahr 2017 Joannis Avramidis
(19.5.17 bis 4.9.17), Anton Kolig (22.9.17 bis 29.1.18) und Ferdinand
Hodler (13.10.17 bis 22.1.18) gewidmet. Das Werk des bedeutenden
österreichischen Bildhauers Joannis Avramidis (1922–2016) kreiste
stets um die menschliche Figur und orientierte sich in der Suche nach
einer „absoluten Figur“ an der griechischen Archaik und Klassik, der
Frührenaissance und Ikonenmalerei. „Avramidis‘ sublimierte
Vollplastik ist erhaben über das Subjektive. Anhand der Skulpturen
und Zeichnungen Avramidis‘ intendiert die Ausstellung die fruchtbare
Spannung des Werkes spürbar zu machen, welches die größtmögliche
Objektivierung der Form anstrebte und dabei dennoch durch einen hohen
Grad an Sinnlichkeit besticht“, so Ivan Ristić, der die Retrospektive
gemeinsam mit Stephanie Damianitsch kuratiert.

So wie die Avramidis Ausstellung, die bisher größte Retrospektive des
Künstlers in Österreich, ist auch die Präsentation von Anton Kolig
(1886–1950) die erste große Personale nach mehr als 50 Jahren.
Kurator Franz Smola: „Kolig ist ein exponierter Vertreter einer für
seine Zeit vielfach typischen dynamisierten figuralen Malerei. Seine
Bilder sind von einer virtuos-schwungvollen Handschrift und einer
leuchtend-schillernden Farbigkeit gekennzeichnet.“

Die Retrospektive zu Ferdinand Hodler präsentiert wiederum einen
spannungsreichen Einblick in das Werk des Schweizer Malers.
Landschaft, Porträt und Figurenmalerei sind ebenso vertreten wie
Beispiele naturalistischer Pleinairmalerei, Berg- und
Seenlandschaften bis zu den abstrakten „paysages planétaires“ des
Spätwerkes. Ausstellungskurator Hans-Peter Wipplinger: „Als Exponent
von Symbolismus und Jugendstil, als Wegbereiter des Expressionismus
und nicht zuletzt als Erneuerer der Monumentalmalerei, war der
Schweizer Hodler nicht nur häufiger Gast in der Donaumetropole,
sondern wichtiger Impulsgeber für zahlreiche Künstler der Wiener
Moderne.“

Den Fokus auf die reichhaltigen Sammlungsbestände des Leopold Museum
legt die von Birgit Summerauer und Franz Smola kuratierte Ausstellung
„Frauenbilder“ (7.7. bis 18.9.17), die den inhaltlichen Bogen vom
Biedermeier bis zur Moderne spannt. Porträtdarstellungen, Genrebilder
aber auch Akte und erotische Darstellungen werden hierbei als
Ausdruck des über Jahrhunderte hinweg vorrangig männlichen Blickes
auf die Frau reflektiert, während ein eigenes Kapitel der Schau
Frauendarstellungen aus der Hand von Künstlerinnen wie Tina Blau,
Käthe Kollwitz oder Broncia Koller präsentiert.

Mit dem Grafischen Kabinett wird im Jahr 2017 ein weiterer, neu
geschaffener Raum für Sammlungspräsentation mit einer Ausstellung zu
Alfred Kubin (1877–1959) eröffnet (7.7. bis 4.9.17). Kubin erfasste
in seinem Schaffen alle wichtigen Themen des 20. Jahrhunderts, von
der Auflösung des Individuums bis zur vergeblichen Suche des
Einzelnen nach seinem Platz in der Gesellschaft. Im Zentrum der
Präsentation stehen die Buchillustrationen Kubins, der mehr als 2000
Illustrationen für 250 Bücher schuf. Kurator Stefan Kutzenberger:
„Alfred Kubin bediente sich bei den von ihm illustrierten Büchern
immer wieder im Fundus seiner unabhängig davon entstandenen
grafischen Werke und schuf so eine offene Partnerschaft zwischen Bild
und Text.“ Ausgewählte Blätter Kubins dienen, diesem Gedanken folgend
nun als Bebilderung einer eigens von Radek Knapp (geb. 1964)
geschriebenen Kurzgeschichte.

Die 2016 neu eingeführte zeitgenössische Programmschiene des Leopold
Museum findet schließlich mit der Ausstellung „Spuren der Zeit“
(20.10.17 bis 5.2.18) eine Weiterführung. Mit Mladen Bizumic, Cäcilia
Brown, Andreas Fogarasi, Sofie Thorsen, Kay Walkowiak und Anita Witek
rückt die Präsentation zeitgenössische künstlerische Strategien in
den Mittelpunkt, die sich – vergleichbar einer spezifischen Form des
Dokumentarismus – der Erforschung und Hinterfragung der visuellen
Kultur widmen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Konstruktion
des Visuellen in Kunst, Fotografie, Architektur oder
Gebrauchsgegenständen des Alltags. Kuratorin Stephanie Damianitsch:
„Die Schau versammelt nicht nur Arbeiten, die auf Fotografie und Film
als Dispositive des Dokumentarischen reflektieren. Gezeigt werden
Werke, die sich nicht auf das Medium Bild beschränken, sondern
basierend auf der Idee des Dokumentarischen als Studium visueller
Kultur auch in den Raum ausgreifen und zwischen informativem Display,
architektonischem Element und autonomem Objekt changieren.“

Wie 2015 erwartet das Direktorium des Leopold Museum auch für das
Jahr 2016 rund 370.000 BesucherInnen. Das Haus im MuseumsQuartier
zählt damit weiterhin zu den Top 4 unter den österreichischen
Kunstmuseen, hinter KHM, Belvedere und Albertina. Zum Publikumserfolg
beigetragen haben neben den Sonderausstellungen und
Sammlungspräsentationen (Wien 1900, Egon Schiele) auch die
zahlreichen Kooperationen, allen voran jene mit dem ImPulsTanz
Festival und dem Tanzquartier Wien. Im Bestreben, Kunst
spartenübergreifend erfahrbar zu machen, setzt das Leopold Museum
folglich auch 2017 verstärkt auf Kooperationen mit international
anerkannten Kulturfestivals und -institutionen. So wird das Leopold
Museum Kooperationspartner einer von den Wiener Festwochen
produzierten und dem documenta 14 Kurator Bonaventura Soh Bejeng
Ndikung konzipierten Ausstellung sein, die Intendant Tomas
Zierhofer-Kin als „eines der wichtigsten und ambitioniertesten
Projekte der Wiener Festwochen 2017“ bezeichnete.

Die neue Ära brachte zahlreiche relevante Änderungen im Leopold
Museum mit sich, so etwa wandelte sich das Corporate Design
grundlegend. Für die Konzeption und Gestaltung des neuen äußeren
Erscheinungsbildes konnte der renommierte und kulturerfahrene Werber
Christian Satek gewonnen werden.

Ein Meilenstein im Jahr 2016 war die von Direktor Hans-Peter
Wipplinger initiierte Gründung des Circle of Patrons (CoP). Georg
Pölzl, Generaldirektor der Österreichischen Post-AG, konnte als Head
des CoP gewonnen werden, in dem sich einflussreiche Persönlichkeiten
aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Kunst und Kultur
engagieren. Mit Hilfe des neuen Netzwerkes und aufgrund von zwei
Fundraising-Dinner-Events konnten namhafte Sponsorenbeträge lukriert
werden.

„Mit 350.000 Euro an Sponsoringeinnahmen im Jahr 2016 werden die im
Vorjahr eingenommenen Sponsorgelder (100.000 Euro) um ein Vielfaches
übertroffen“, erläuterte die kaufmännische Direktorin Gabriele
Langer. Das Leopold Museum sei weiterhin die Wiener Institution mit
dem höchsten Eigenfinanzierungsgrad unterstrich Hans-Peter Wipplinger
und verwies in diesem Zusammenhang auf die – 15 Jahre nach der
Gründung des Museums – im heurigen Jahr erfolgte Erhöhung der
Bundesmittel von 3,3 auf 4,3 Millionen. Ein wichtiger Zuschuss, der
laut Wipplinger dringend nötige infrastrukturelle wie
wissenschaftliche Investitionen ermögliche.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM / Originalbild-Service
sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

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