- 28.11.2016, 11:05:13
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AK-Kinderbetreuungsatlas 2016: Fortschritte nur in homöopathischen Dosen
Linz (OTS) - Beim Kinderbetreuungsangebot in Oberösterreich gibt es
zwar wieder leichte Fortschritte, fünf Gemeinden mit Top-Angebot sind
neu dazugekommen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Zahl der
„1A-Gemeinden“ sogar rückläufig war. „Den ‚forcierten Ausbau‘, von
dem Landespolitiker so gerne sprechen, können wir aus unserer
Erhebung beim besten Willen nicht ablesen“, sagte AK-Präsident Dr.
Johann Kalliauer heute bei der Präsentation des
AK-Kinderbetreuungsatlas 2016. Insgesamt bieten nur 79 von 442
Gemeinden (17,9 Prozent) ein Angebot, das den Eltern auch eine
Vollzeitbeschäftigung ermöglicht und gleichzeitig in den
Einrichtungen ausreichend Zeit für Bildung und Förderung der Kinder
bietet.
Den AK-Kinderbetreuungsatlas gibt es seit 17 Jahren, die Kategorie 1A
wurde erst vor sieben Jahren eingeführt, weil sich die Arbeitswelt
und der Anspruch an gute Kinderbetreuung in der Zwischenzeit stark
verändert hatten. Für den Status 1A müssen die Öffnungszeiten im
Kindergarten eine Vollzeitbeschäftigung der Eltern ermöglichen,
außerdem muss es eine Betreuung für Unter-Dreijährige und eine
Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder geben. Im Jahr 2010
erfüllten nur 9,5 Prozent der Gemeinden diese Kriterien, heute sind
es immer noch magere 17,9 Prozent. Auch bei der zweitbesten Kategorie
A sind gegenüber dem Vorjahr nur fünf Gemeinden neu dazugekommen.
Zu ähnlich unerfreulichen Ergebnissen kommt übrigens auch Statistik
Austria: Bei Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige, die den
VIF-Kriterien entsprechen, liegt Oberösterreich mit deutlichem
Abstand an letzter Stelle, bei der VIF-konformen Betreuung der Drei-
bis Sechsjährigen ist nur Niederösterreich noch schlechter als unser
Bundesland. Oberösterreich teilt sich mit Kärnten den vorletzten
Platz.
VIF ist die Abkürzung für den Vereinbarkeitsindikator für Familie und
Beruf. Dieser Indikator wurde 2006 von der Arbeiterkammer Wien
gemeinsam mit Statistik Austria entwickelt, um zu erfassen, wie viele
Plätze in der Kinderbetreuung mit einer Vollzeitbeschäftigung der
Eltern vereinbar sind. Ursprünglich war der Indikator nur für die
Analyse der Betreuungssituation gedacht, er wurde dann aber vom Bund
sogar in die Bund-Länder-Verträge (15a-Vereinbarungen) zur Förderung
des Ausbaus von Kinderbetreuungsplätzen übernommen.
Die VIF-Kriterien sind:
- mindestens 45 Stunden wöchentliche Öffnungszeit, werktags Montag
bis Freitag
- an vier Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet
- Mittagessen zumindest von Montag bis Donnerstag
- maximal fünf Wochen im Jahr geschlossen
„Aus der Beratung wissen wir, dass leider selbst die für unseren
Kinderbetreuungsatlas angewandten Kriterien in vielen Fällen noch zu
kurz greifen“, sagt AK-Präsident Kalliauer. Zum einen bedeutet ein
Angebot mit guten Öffnungszeiten noch nicht, dass auch genügend
Plätze vorhanden sind. Und zum anderen führt die in Österreich
besonders weit fortgeschrittene Arbeitszeitflexibilisierung dazu,
dass in vielen Fällen auch Öffnungszeiten von 45 Stunden pro Woche
nicht ausreichen – etwa wenn zum Beispiel Beschäftigte im Handel bis
18 Uhr oder länger arbeiten müssen.
Demgegenüber gibt es aber auch positive Entwicklungen:
- Beim Finanzausgleich zwischen dem Bund und den Ländern soll sich
die Ausschüttung der Gelder für Kinderbetreuung künftig stärker an
tatsächlich erbrachten Leistungen orientieren. So können zum Beispiel
Betreuungseinrichtungen mit besseren Öffnungszeiten mehr Geld vom
Bund bekommen. Damit wurde eine Forderung der Arbeiterkammer erfüllt.
- Auch in Oberösterreich gibt es mittlerweile einige Gemeinden, deren
Betreuungseinrichtungen ganzjährig geöffnet sind.
- Gemeinde-Kooperationen werden zunehmend auch bei Krabbelstuben und
bei der Sommerbetreuung eingegangen.
„Fakt ist: Die institutionelle Kinderbetreuung ist für viele
berufstätige Eltern noch immer mit Problemen verbunden. Das zeigen
auch die vielen Anfragen in der AK“, stellt Präsident Kalliauer fest.
Deshalb werde die AK auch in Zukunft hartnäckig bleiben.
Den gesamten Kinderbetreuungsatlas 2016 mit allen Detailergebnissen,
den interaktiven Kinderbetreuungsatlas 2.0, der die Entwicklung der
letzten 17 Jahre aufzeigt, sowie den Ratgeber für berufstätige Eltern
„Kinderbetreuung von A bis Z“ finden Sie auf ooe.arbeiterkammer.at.
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